Bedarfsbewertung bei der Veranlagung zur Grunderwerbsteuer

Ob nach § 138 Abs. 5 BewG i. d. F. vor 2007 „Bedarf“ für einen Grundbesitzwert-Feststellungsbescheid besteht bzw. ob dieser „erforderlich“ ist, entscheidet nicht die feststellende Bewertungsstelle beim Lage-Finanzamt, sondern die für die Besteuerung zuständige Stelle, ggf. … die Grunderwerbsteuerstelle, und zwar allein durch den verwaltungsinternen Vorgang der Anforderung des Grundbesitzwerts[1].

Bedarfsbewertung bei der Veranlagung zur Grunderwerbsteuer

Es handelt sich um eine kraft Gesetzes zugewiesene sachliche Zuständigkeit. Insoweit gilt gemäß § 138 Abs. 5 i. d. F. vor 2007 nichts anderes als nach § 151 Abs. 1 BewG i. d. F. ab 2007[2].

Diese Regelung schließt es im Regelfall aus, im Rechtsmittelverfahren gegen einen Feststellungsbescheid – wie hier – die Steuerbarkeit betreffende materiell-rechtliche Einwände zu berücksichtigen. Ebenso wenig kommt es darauf an, ob oder wie das Lage-Finanzamt bzw. die Bewertungsstelle auf solche Einwände eingegangen ist; überobligatorische Hinweise, Stellungnahmen oder Sachprüfungen eröffnen kein weiteres Rechtsmittel[3].

Das gilt insbesondere bei gegen den Bedarfswert nach § 8 Abs. 2 GrEStG gerichteten Einwänden, wie die Vertragslage auszulegen sei, was danach Steuergenstand sei (§ 1 GrEStG) oder wer danach Steuerschuldner sei (§ 13 GrEStG) und ob Verträgen eine Gegenleistung i. S. v. § 8 Abs. 1 GrEStG zu entnehmen sei – wie hier -[4].

Ob ausnahmsweise etwas anderes gelten könnte, wenn die Anforderung des Grundbesitzwerts unvertretbar, objektiv willkürlich, völlig aus der Luft gegriffen oder offensichtlich nicht erforderlich wäre, kann dahinstehen, wenn dafür – wie hier – keine Anhaltspunkte bestehen[5].

Im Übrigen darf die Grunderwerbsteuerstelle bei Einbringung eines Erbbaurechts an einem Krankenhaus-Grundstück – … ausdrücklich als Einlage gemäß § 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB – in eine Gesellschaft z. B. bei null Erbbauzins § 8 Abs. 2 GrEStG anwenden[6].

Finanzgericht Hamburg, Zwischenurteil vom 28. August 2014 – 3 K 134/13

  1. BFH, Beschluss vom 10.02.2011 – II S 39/10 (PKH), BFHE 232, 310, BStBl II 2011, 657[]
  2. vgl. Finanzgericht Münster, Urteile vom 22.08.2013 3 K 1558/13 F, Juris; 3 K 1557/13 F, Juris; 3 K 1556/13 F, EFG 2014, 328; Beschluss vom 30.07.2013 3 – V 1562/13 F, EFG 2013, 1738[]
  3. vgl. Finanzgericht Hamburg, Urteil vom 18.02.2014 3 K 257/13, Juris Rz. 87 m. w. N.[]
  4. vgl. Urteile Finanzgericht Köln vom 27.02.2013 4 K 1543/09, EFG 2013, 1302; Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht vom 09.12.2010 2 K 144/09, Juris Rz. 18; BFH, Beschluss vom 16.06.2005 – II B 155/03, BFH/NV 2005, 2053[]
  5. Urteile BFH vom 24.05.2005 – II R 57/03, DStRE 2005, 1216, BFH/NV 2005, 1982; FG Hamburg vom 10.05.2006 3 K 216/05, EFG 2006, 1643, DStRE 2007, 846[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 17.10.2007 – II R 63/05, BFHE 218, 429, BStBl II 2008, 381, vorgehend FG Düsseldorf, Urteil vom 29.06.2004 – 3 K 4577/02 GE, EFG 2006, 757[]