Orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit für eine Ferienwohnung

Zur Prü­fung der Aus­las­tung einer Feri­en­woh­nung müs­sen die indi­vi­du­el­len Ver­mie­tungs­zei­ten des jewei­li­gen Objekts an Feri­en­gäs­te mit denen ver­gli­chen wer­den, die bezo­gen auf den gesam­ten Ort im Durch­schnitt erzielt wer­den. Dabei kann das Finanz­ge­richt auf Ver­gleichs­da­ten eines Sta­tis­tik­am­tes auch dann zurück­grei­fen, wenn die­se Wer­te für den betref­fen­den Ort nicht all­ge­mein ver­öf­fent­licht, son­dern nur auf Nach­fra­ge zugäng­lich gemacht wer­den. Die Bet­ten­aus­las­tung kann Rück­schlüs­se auf die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit zulassen.

Orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit für eine Ferienwohnung

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren war strit­tig, wie für Zwe­cke der Beur­tei­lung der Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht im Zusam­men­hang mit der Ver­mie­tung von Feri­en­woh­nun­gen die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit zu bestim­men ist. DIe kla­gen­den Ehe­leu­te mach­ten in ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für 2013 nega­ti­ve Ein­künf­te aus der Ver­mie­tung einer Feri­en­woh­nung in Höhe von 9.104 € gel­tend. Die 65 qm gro­ße Feri­en­woh­nung befin­det sich in dem im Übri­gen selbst­ge­nutz­ten Haus der Ehe­leu­te in Meck­len­burg-Vor­pom­mern, das eine Gesamt­wohn­flä­che von ca.200 qm auf­weist, und war in den Vor­jah­ren jeweils zwi­schen 66 und 124 Tagen – im Streit­jahr 2013 für 75 Tage – ver­mie­tet. Das Finanz­amt hat die nega­ti­ven Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung im Ein­kom­men­steu­er­be­scheid nicht berück­sich­tigt. Zwar hät­ten die Ehe­leu­te die aus­schließ­li­che Ver­mie­tung der Feri­en­woh­nung nach­ge­wie­sen, die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit wer­de jedoch unter­schrit­ten. Nach der Erhe­bung des Sta­tis­ti­schen Amtes Meck­len­burg-Vor­pom­mern (MV) habe die durch­schnitt­li­che Aus­las­tung für die Stadt A bei 35,5 % (alle Unter­künf­te) gele­gen, für die Regi­on hin­ge­gen bei 29,3 % (alle Unter­künf­te) bzw. 23, 6 % (nur Feri­en­un­ter­künf­te und Cam­ping­plät­ze). Dies ins Ver­hält­nis gesetzt erge­be für die Stadt A eine durch­schnitt­li­che Ver­mie­tung von 104 Tagen im Jahr 2013 (nur Feri­en­un­ter­künf­te und Cam­ping­plät­ze). Hin­ge­gen lie­ge die Aus­las­tung der Ehe­leu­te bei 75 Ver­mie­tungs­ta­gen und damit bei nur 72, 12 %. Der von den Ehe­leu­ten vor­ge­leg­ten Sta­tis­tik der Stadt A kön­ne ledig­lich ent­nom­men wer­den, dass es im Jahr 2013 bei 2.800 Bet­ten ‑ohne Dif­fe­ren­zie­rung nach der Art der Unter­kunft- 226.520 Über­nach­tun­gen gege­ben habe; sie kön­ne daher nicht zugrun­de gelegt wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund sei zur Über­prü­fung der Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht eine Pro­gno­se­rech­nung durch­zu­füh­ren, aus der sich für den Pro­gno­se­zeit­raum 2006 bis 2035 ein Gesamt­wer­bungs­kos­ten­über­schuss von 154.198 € ergebe.

Mit der Kla­ge wand­ten sich die Ehe­leu­te gegen die Auf­stel­lung einer Total­ge­winn­pro­gno­se und mach­ten gel­tend, dass ihre Ver­mie­tungs­zeit die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit nach der Aus­wer­tung des Sta­tis­ti­schen Amtes MV nicht um mehr als 25 % unter­schrei­te. Denn nach den ‑nicht ver­öf­fent­lich­ten, aber auf Anfra­ge jeder­mann zugäng­li­chen- Erhe­bun­gen des Sta­tis­ti­schen Amtes MV für 2013 erge­be sich für Feri­en­woh­nun­gen und Feri­en­häu­ser in der Stadt A eine Aus­las­tung von 27 % bzw. 99 Ver­mie­tungs­ta­gen. Der von der Stadt A erfass­te Wert der durch­schnitt­li­chen Bet­ten­aus­las­tung aller Betrei­ber und Ver­mie­ter lie­ge sogar nur bei 22, 16 % bzw. 81 Ver­mie­tungs­ta­gen. Das Finanz­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern gab der Kla­ge statt und bejah­te die erfor­der­li­che Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht der Ehe­leu­te [1]. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te nun die­ses Urteil und wies die Revi­si­on des Finanz­am­tes zurück; das Finanz­ge­richt habe die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht der Ehe­leu­te bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung (ohne Auf­stel­lung einer Pro­gno­se­rech­nung) bejaht:

Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gemäß § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG erzielt, wer ein Grund­stück, Gebäu­de oder Gebäu­de­teil gegen Ent­gelt zur Nut­zung über­lässt und beab­sich­tigt, auf die vor­aus­sicht­li­che Dau­er der Nut­zung einen Über­schuss der Ein­nah­men über die Wer­bungs­kos­ten zu erzielen.

Nach § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 EStG ist bei einer auf Dau­er ange­leg­ten Ver­mie­tungs­tä­tig­keit grund­sätz­lich und typi­sie­rend von der Absicht des Steu­er­pflich­ti­gen aus­zu­ge­hen, einen Ein­nah­me­über­schuss zu erwirt­schaf­ten. Dies gilt bei aus­schließ­lich an Feri­en­gäs­te ver­mie­te­ten und in der übri­gen Zeit hier­für bereit­ge­hal­te­nen Feri­en­woh­nun­gen, wenn das Ver­mie­ten die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit von Feri­en­woh­nun­gen ‑abge­se­hen von Ver­mie­tungs­hin­der­nis­sen- nicht erheb­lich (d.h. um min­des­tens 25 %) unter­schrei­tet [2]. Denn das Ver­mie­ten einer Feri­en­woh­nung ist mit einer auf Dau­er ange­leg­ten Ver­mie­tung nur dann ver­gleich­bar, wenn die Feri­en­woh­nung im gan­zen Jahr ‑bis auf orts­üb­li­che Leer­stands­zei­ten- an wech­seln­de Feri­en­gäs­te ver­mie­tet wird. Nur so zeigt sich in nach­prüf­ba­rer Wei­se, dass der Steu­er­pflich­ti­ge die Feri­en­woh­nung in geeig­ne­ter Form am Markt ange­bo­ten und alle in Betracht kom­men­den Inter­es­sen­ten berück­sich­tigt hat [3]. Sei­ne Tätig­keit ent­spricht dann dem Typus des „Dau­er­ver­mie­ters“ und recht­fer­tigt die typi­sie­ren­de Annah­me, dass die Ver­mie­tung und Ver­pach­tung trotz über län­ge­re Zeit­räu­me anfal­len­der Wer­bungs­kos­ten­über­schüs­se in der Regel letzt­lich zu posi­ti­ven Ein­künf­ten führt [4].

Zur Prü­fung der Aus­las­tung einer Feri­en­woh­nung müs­sen die indi­vi­du­el­len Ver­mie­tungs­zei­ten des jewei­li­gen Objekts an Feri­en­gäs­te mit denen ver­gli­chen wer­den, die bezo­gen auf den gesam­ten Ort im Durch­schnitt erzielt wer­den [5]. Dabei ist „Ort“ nicht iden­tisch mit dem Gebiet einer Gemein­de; er kann ‑je nach Struk­tur des loka­len Feri­en­woh­nungs­mark­tes- das Gebiet einer oder meh­re­rer (ver­gleich­ba­rer) Gemein­den oder aber auch ledig­lich Tei­le einer Gemein­de oder gar nur den Bereich eines Feri­en­kom­ple­xes umfas­sen [6].

Die bei der Aus­las­tungs­prü­fung her­an­zu­zie­hen­den durch­schnitt­li­chen Ver­mie­tungs­zei­ten des jewei­li­gen „Ortes“ müs­sen ‑soweit als mög­lich- reprä­sen­ta­tiv sein. Dem­entspre­chend hat die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung bei der Ver­mie­tung von Feri­en­woh­nun­gen auf die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit von Feri­en­woh­nun­gen abge­stellt [7]. Indi­vi­du­el­le Ver­mie­tungs­zei­ten ein­zel­ner ande­rer Ver­mie­ter von Feri­en­woh­nun­gen im sel­ben „Ort“ genü­gen nicht [8].

Lie­gen die genann­ten zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen bei einer Feri­en­im­mo­bi­lie nicht vor oder kön­nen orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zei­ten nicht fest­ge­stellt wer­den, ist die Ver­mie­tung an Feri­en­gäs­te mit einer auf Dau­er aus­ge­rich­te­ten Ver­mie­tungs­tä­tig­keit nicht ver­gleich­bar. Das bedeu­tet, es fehlt in Erman­ge­lung einer auf Dau­er aus­ge­rich­te­ten Ver­mie­tungs­tä­tig­keit die Basis, auf­grund derer das Gesetz die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht typi­siert. Die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht muss dann durch eine Pro­gno­se über­prüft wer­den, die den Anfor­de­run­gen des BFH-Urteils vom 06.11.2001 [9] ent­spricht [10]. Die Fest­stel­lungs­last für die Vor­aus­set­zun­gen der Typi­sie­rung obliegt dem Steu­er­pflich­ti­gen [11].

Die Fest­stel­lung, ob im Ein­zel­fall eine Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht vor­liegt, hat das Finanz­ge­richt nach sei­ner frei­en, aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens gewon­ne­nen Über­zeu­gung zu tref­fen. Die Ent­schei­dung beruht im Wesent­li­chen auf Schluss­fol­ge­run­gen tat­säch­li­cher Art, die zu den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen i.S. von § 118 Abs. 2 FGO gehö­ren. Das Revi­si­ons­ge­richt kann sol­che Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt grund­sätz­lich nur dar­auf­hin über­prü­fen, ob sie gegen Denk­ge­set­ze und all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze ver­sto­ßen; die Schluss­fol­ge­run­gen des Finanz­ge­richt sind schon dann recht­mä­ßig, wenn sie zwar nicht zwin­gend, aber mög­lich sind [12].

Nach die­sen Grund­sät­zen ist es revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Finanz­ge­richt die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht bejaht hat.

Nach den mit Ver­fah­rens­rü­gen nicht ange­grif­fe­nen und damit den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt (§ 118 Abs. 2 FGO) haben die Ehe­leu­te ihre Feri­en­woh­nung aus­schließ­lich an wech­seln­de Feri­en­gäs­te ver­mie­tet und in der übri­gen Zeit hier­für bereitgehalten.

Das Finanz­ge­richt hat ‑im Ergeb­nis eben­falls für den BFH bin­dend (§ 118 Abs. 2 FGO)- fest­ge­stellt, dass die Ver­mie­tungs­tä­tig­keit der Ehe­leu­te die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit nicht erheb­lich unterschreitet.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht der Steu­er­pflich­ti­gen nur dann anhand einer Pro­gno­se nach den Grund­sät­zen der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung zu über­prü­fen, wenn das Ver­mie­ten die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit von Feri­en­woh­nun­gen ‑ohne dass Ver­mie­tungs­hin­der­nis­se gege­ben sind- erheb­lich unter­schrei­tet. In die­sem Zusam­men­hang mar­kiert die Unter­schrei­ten­s­gren­ze von 25 % kei­nen star­ren Wert; ledig­lich aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den und um den bei einer sol­chen Prü­fung unver­meid­li­chen Unsi­cher­hei­ten Rech­nung zu tra­gen, hat die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung die zur Pro­gno­se füh­ren­de Gren­ze bei „min­des­tens“ 25 % ange­setzt [13]. Zu beach­ten ist über­dies, dass bei der Prü­fung der Fra­ge, ob die Tätig­keit eines Feri­en­woh­nungs­ver­mie­ters dem Typus des „Dau­er­ver­mie­ters“ ent­spricht, stets ‑um den Ein­fluss tem­po­rä­rer Fak­to­ren mög­lichst gering zu hal­ten und ein ein­heit­li­ches Bild zu erlan­gen- auf die durch­schnitt­li­che Aus­las­tung der Feri­en­woh­nung über einen län­ge­ren Zeit­raum abzu­stel­len ist [14].

Im Streit­fall ist die auf dem Vor­trag der Ehe­leu­te basie­ren­de Fest­stel­lung des Finanz­ge­richt, die (orts­üb­li­che) Aus­las­tung von Feri­en­woh­nun­gen und Feri­en­häu­sern in A habe in den Jah­ren 2011 bis 2015 ‑nach den Erhe­bun­gen des Sta­tis­ti­schen Amtes MV- zwi­schen 92 und 110 Tage betra­gen, nicht zu bean­stan­den. Die Ver­mie­tungs­ta­ge der Ehe­leu­te haben im sel­ben Zeit­raum durch­schnitt­lich 92 Tage betra­gen und mit­hin die orts­üb­li­che Aus­las­tung (durch­schnitt­lich 102 Tage) nicht erheb­lich unter­schrit­ten. Die­se Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt ver­sto­ßen weder gegen Denk­ge­set­ze noch gegen all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze. Sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen lie­gen nicht außer­halb des ihm zuste­hen­den Beur­tei­lungs­rah­mens. Die Ein­wen­dun­gen des Finanz­amt ver­mö­gen dar­an nichts zu ändern.

Dies gilt ins­be­son­de­re für den Ein­wand, das vom Finanz­ge­richt zur Beur­tei­lung her­an­ge­zo­ge­ne sta­tis­ti­sche Mate­ri­al sei ‑hin­sicht­lich der ein­be­zo­ge­nen Unter­künf­te- untaug­lich. Dem ver­mag sich der Bun­des­fi­nanz­hof nicht anzu­schlie­ßen. Es erscheint viel­mehr sach­ge­recht, auf die betref­fen­de Unter­kunfts­ka­te­go­rie (Feri­en­woh­nun­gen und Feri­en­häu­ser) im Bele­gen­heits­ort (A) abzu­stel­len. Da es sich inso­weit um amt­li­che Daten han­delt, greift der Ein­wand man­geln­der Reprä­sen­ta­ti­vi­tät nicht durch. Dass die Daten nur auf Anfra­ge zugäng­lich gemacht, nicht aber all­ge­mein ver­öf­fent­licht wer­den, steht ihrer Ver­wert­bar­keit eben­falls nicht gene­rell entgegen.

Auch erweist es sich im Streit­fall als unschäd­lich, dass das Finanz­ge­richt nur auf sta­tis­ti­sche Zah­len zur sog. Bet­ten­aus­las­tung zurück­grei­fen konn­te. Zwar hat die Recht­spre­chung bis­her betont, dass bei der Prü­fung, ob der Steu­er­pflich­ti­ge die Feri­en­woh­nung in geeig­ne­ter Form am Markt ange­bo­ten und alle in Betracht kom­men­den Inter­es­sen­ten berück­sich­tigt hat, in ers­ter Linie auf die Ver­mie­tungs­ta­ge der Feri­en­woh­nung abzu­stel­len ist. Sta­tis­ti­sche Erhe­bun­gen zur Bet­ten­aus­las­tung las­sen aber, wie der Streit­fall zeigt, unter Umstän­den Rück­schlüs­se auf die Ver­mie­tungs­ta­ge zu, wenn sie sich auf die im Ein­zel­fall maß­geb­li­che Feri­en­woh­nungs­ka­te­go­rie und den maß­geb­li­chen ört­li­chen Erhe­bungs­be­reich bezie­hen. Denn unter die­sen Prä­mis­sen kann die Bet­ten­aus­las­tung einer Feri­en­woh­nung die Aus­las­tung nach Ver­mie­tungs­ta­gen allen­falls ‑zu Las­ten des Steu­er­pflich­ti­gen- unter­schrei­ten, nicht aber ‑zuguns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen- über­stei­gen. Als Ver­mie­tungs­ta­ge wer­den näm­lich (pau­schal) alle Tage erfasst, in denen die Feri­en­woh­nung ver­mie­tet wird; ob dabei die zuläs­si­ge Gäs­te­zahl erreicht wird, ist ohne Bedeu­tung. Hin­ge­gen gibt die Bet­ten­aus­las­tung per­so­nen­be­zo­gen Aus­kunft über die Bele­gung der Ferienwohnung.

Soweit der Bun­des­fi­nanz­hof im Urteil in BFH/​NV 2019, 390 in Rz 24 dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass zur Prü­fung der Aus­las­tung der Feri­en­woh­nung „die indi­vi­du­el­len Ver­mie­tungs­zei­ten jedes ein­zel­nen Objekts, nicht aber des­sen Bet­ten­aus­las­tung“ mit denen ver­gli­chen wer­den, die bezo­gen auf den gesam­ten Ort im Durch­schnitt erzielt wer­den, ergibt sich dar­aus nichts ande­res. In dem dort in Bezug genom­me­nen BFH, Beschluss in BFH/​NV 2016, 917 hat es der Bun­des­fi­nanz­hof als im Ein­klang mit der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ste­hend ange­se­hen, wenn das Finanz­ge­richt zur Über­prü­fung der Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht des Steu­er­pflich­ti­gen vor­dring­lich auf die ihm vor­lie­gen­den sta­tis­ti­schen Daten zu den durch­schnitt­li­chen ört­li­chen Ver­mie­tungs­zei­ten und nicht auf die­je­ni­gen zur Bet­ten­aus­las­tung abstellt. Auch soweit der genann­te BFH, Beschluss in BFH/​NV 2016, 917 sich auf das ‑zur ledig­lich halb­jäh­ri­gen Feri­en­ver­mie­tung ergan­ge­ne- BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 850 bezieht, liegt dar­in kein Wider­spruch. In jenem Fall hat­te das Finanz­ge­richt eine nur unter­durch­schnitt­li­che Aus­las­tung des Feri­en­hau­ses im Ver­gleich zur Regi­on ange­nom­men; der Bun­des­fi­nanz­hof hat in sei­ner Revi­si­ons­ent­schei­dung u.a. aus­ge­führt, „das Finanz­ge­richt ist ‑unge­ach­tet feh­len­der Fest­stel­lun­gen zu ört­li­chen Ver­mie­tungs­zei­ten im Unter­schied zur regio­na­len Bet­ten­aus­las­tung- im Ergeb­nis zu Recht von der Not­wen­dig­keit einer Über­schuss­pro­gno­se aus­ge­gan­gen“. Damit hat der Bun­des­fi­nanz­hof ledig­lich klar­ge­stellt, dass räum­li­cher Bezugs­punkt der Ver­gleichs­prü­fung ört­li­che, nicht aber regio­na­le Ver­mie­tungs­zei­ten sein müssen.

Beson­de­re Umstän­de, die gegen das Vor­lie­gen der Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht spre­chen, sind im Streit­fall nicht ersicht­lich. Daher ist es uner­heb­lich, ob die Ehe­leu­te mit ihrer auf Dau­er ange­leg­ten Fremd­ver­mie­tung tat­säch­lich einen Total­über­schuss erzie­len kön­nen. Denn zu einer dies über­prü­fen­den Pro­gno­se kommt es nicht. Es ist für die typi­sie­ren­de Annah­me der Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht kenn­zeich­nend, auf den typi­schen statt auf den ver­wirk­lich­ten Gesche­hens­ab­lauf abzu­stel­len [15].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Mai 2020 – IX R 33/​19

  1. FG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 23.10.2019 – 3 K 276/​15, EFG 2020, 363[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 215, 112, BStBl II 2007, 256; vom 19.08.2008 – IX R 39/​07, BFHE 222, 478, BStBl II 2009, 138; BFH, Beschluss vom 14.01.2010 – IX B 146/​09, BFH/​NV 2010, 869[]
  3. ein­ge­hend dazu BFH, Urteil vom 26.10.2004 – IX R 57/​02, BFHE 208, 151, BStBl II 2005, 388, begin­nend ab II. 2.c, Rz 15 f., m.w.N.[]
  4. vgl. zur Woh­nungs­ver­mie­tung BFH, Urteil vom 30.09.1997 – IX R 80/​94, BFHE 184, 406, BStBl II 1998, 771, unter 2.c, Rz 22; s.a. Thür­mer, DB 2002, 444, 447[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2008, 1484; vom 31.01.2017 – IX R 23/​16, BFH/​NV 2017, 897, Rz 19[]
  6. s. all­ge­mein BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2019, 390, Rz 24, und in BFHE 222, 478, BStBl II 2009, 138; zur Prü­fung der Aus­las­tung eines dau­er­haft im Rah­men eines Zwi­schen­miet­ver­hält­nis­ses über­las­se­nen Hotel­ap­par­te­ments s. BFH, Urteil vom 02.07.2019 – IX R 18/​18, BFH/​NV 2020, 9, Rz 17; s. fer­ner Pfirr­mann in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 21 EStG Rz 72[]
  7. BFH, Urtei­le in BFHE 208, 151, BStBl II 2005, 388, unter II. 4.c, Rz 22; vom 15.02.2005 – IX R 53/​03, BFH/​NV 2005, 1059, unter II. 5.b, Rz 15; in BFH/​NV 2008, 1484, unter II. 2.a, Rz 13[]
  8. BFH, Urteil in BFHE 222, 478, BStBl II 2009, 138, unter II. 1.c, Rz 15: Wer­te von ein bis zwei Ver­mie­tern unzu­rei­chend[]
  9. BFH, Urteil vom 06.11.2001 – IX R 97/​00, BFHE 197, 151, BStBl II 2002, 726[]
  10. Blümich/​Schallmoser, § 21 EStG Rz 178; Drüen in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, § 21 EStG Rz B 154[]
  11. BFH, Urteil in BFH/​NV 2017, 897, Rz 20; Beck­OK EStG/​Spilker, 7. Ed. [01.05.2020], EStG § 21 Rz 278.1[]
  12. BFH, Urteil in BFHE 197, 151, BStBl II 2002, 726, unter II. 1.h, Rz 32, m.w.N.[]
  13. s. BFH, Urteil in BFHE 208, 151, BStBl II 2005, 388, m.w.N.[]
  14. vgl. hier­zu auch Thür­mer, DB 2002, 444, 447, zur zeit­raum­be­zo­ge­nen Betrach­tung bei der Beur­tei­lung, ob eine Feri­en­woh­nung aus­schließ­lich an wech­seln­de Feri­en­gäs­te ver­mie­tet und in der übri­gen Zeit hier­für bereit­ge­hal­ten wird[]
  15. BFH, Urteil in BFHE 215, 112, BStBl II 2007, 256, Rz 9[]