Ein­heits­be­wer­tung eines SB-Markts im Beitrittsgebiet

Für die Ermitt­lung der Gebäu­de­nor­mal­her­stel­lungs­kos­ten eines SB-Markts im Bei­tritts­ge­biet ist der Raum unter­halb der Trau­fe voll anzu­rech­nen. Befin­den sich unter­halb der Trau­fe Ver­sor­gungs­lei­tun­gen, die mit­tels einer abge­häng­ten Decke der Sicht ent­zo­gen sind, steht dies der Voll­an­rech­nung nicht entgegen.

Ein­heits­be­wer­tung eines SB-Markts im Beitrittsgebiet

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te die Eigen­tü­me­rin eines Grund­stücks in dem in Art. 3 des Eini­gungs­ver­tra­ges (EinigVtr) benann­ten Gebiet geklagt, auf dem im Jah­re 1995 ein Gebäu­de als Lebens­mit­tel­markt errich­tet wor­den war. Durch im Jah­re 2012 fer­tig­ge­stell­te Umbau- und Erwei­te­rungs­maß­nah­men, die zu einer Ver­grö­ße­rung der Kuba­tur führ­ten, bau­te sie das Gebäu­de in einen moder­nen Selbst­be­die­nungs­markt (SB-Markt) um. Das Dach ist ein Walm­dach mit einem Pult­dach im Ein­gangs­be­reich. Die obe­re Kan­te des Ring­an­kers des Gebäu­des, die dem obe­ren Abschluss der Außen­mau­ern in Höhe der Unter­kan­te des Dach­auf­baus ent­spricht, befin­det sich in einer Höhe von 4 m ab Boden­plat­te. Dar­un­ter sind in Höhen zwi­schen 2, 75 m und ca. 3, 25 m nicht belast­ba­re und nicht begeh­ba­re abge­häng­te Decken ein­ge­zo­gen. Dar­über befin­den sich Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen für Licht und Kli­ma­ti­sie­rung. Das Finanz­amt stell­te den Ein­heits­wert ‑Wert­fort­schrei­bung- für das Geschäfts­grund­stück auf den 01.01.2014 in der Wei­se fest, dass es beim Gebäu­de­wert des Haupt­ge­bäu­des das Raum­vo­lu­men bis zur Unter­kan­te des Dach­auf­baus ansetz­te. Mit der Kla­ge begehr­te die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin, nur das Raum­vo­lu­men bis zu den abge­häng­ten Decken anzusetzen.

Das Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat die Kla­ge abge­wie­sen[1]; die Vor­schrif­ten zur Ein­heits­be­wer­tung sei­en nach dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 10.04.2018[2] wei­ter anwend­bar. Danach sei für die Abgren­zung des Dach­raums vom übri­gen Bau­kör­per die Unter­kan­te des Dach­auf­baus (Ring­an­ker) maß­ge­bend. Über § 129 BewG i.V.m. den §§ 10, 11 Abs. 1 und 2 und Abs. 3 Satz 2, §§ 50 bis 53 des Bewer­tungs­ge­set­zes der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik (BewG DDR) i.d.F. vom 18.09.1970[3] und § 3a Abs. 1, §§ 32 bis 46 der Durch­füh­rungs­ver­ord­nung zum Reichs­be­wer­tungs­ge­setz (RBewDV) vom 02.02.1935[4] sei gemäß § 32 Abs. 1 Nr. 2 RBewDV das Geschäfts­grund­stück mit dem gemei­nen Wert i.S. des § 10 Abs. 1 BewG DDR zu bewer­ten. Für die Wert­rück­rech­nung auf den 01.01.1935 böten die gleich­lau­ten­den Län­der­erlas­se vom 25.06.1993 zur Bewer­tung von Waren­haus­grund­stü­cken, Ein­kaufs­zen­tren sowie Grund­stü­cken mit Groß­märk­ten, SB-Märk­ten, Ver­brau­cher­märk­ten und Mes­se­hal­len im Bei­tritts­ge­biet ab 01.01.1991[5] in der Fas­sung der Ände­rung durch die gleich­lau­ten­den Län­der­erlas­se vom 16.02.2011[6] eine sach­ge­rech­te Schät­zungs­me­tho­de. Nach deren Tz.04.02.1 sowie der Zeich­nung 4 der Anla­ge 1 (bild­li­che Erläu­te­run­gen der hier maß­geb­li­chen DIN 277 (1934) ‑abge­lei­tet-) sei der Raum zwi­schen abge­häng­ter Decke und der Ebe­ne durch die Auf­la­ge­punk­te des Dachs kein „nicht aus­ge­bau­ter Dach­raum“, son­dern gehö­re voll­um­fäng­lich zur Kuba­tur. Abschn. 37 Abs. 1 Sät­ze 3 und 4 der All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift über die Richt­li­ni­en für die Bewer­tung des Grund­ver­mö­gens (BewR­Gr) sei im Bei­tritts­ge­biet nicht anwend­bar. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te die­se Rechts­an­sicht und wies die gegen das finanz­ge­richt­li­che Urteil gerich­te­te Revi­si­on als unbe­grün­det zurück:

Der Bun­des­fi­nanz­hof wen­det § 129 BewG ein­schließ­lich der in § 129 Abs. 2 BewG ent­hal­te­nen Bezug­nah­men an. Er ver­mag sich kei­ne Über­zeu­gung von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit die­ser Vor­schrif­ten zu bilden.

Das BVerfG hat bis­her über die Fra­ge der Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät die­ser Vor­schrif­ten nicht ent­schie­den. Die durch BVerfG, Urteil in BVerfGE 148, 147, BGBl I 2018, 531 ent­schie­de­nen Ver­fah­ren betra­fen aus­schließ­lich das außer­halb des Art. 3 EinigVtr genann­te Gebiet. Das BVerfG hat aus­drück­lich die Nor­men­kon­trol­le nicht auf die Bewer­tung von Grund­ver­mö­gen im Bei­tritts­ge­biet erstreckt.

Der Bun­des­fi­nanz­hof ist nicht von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der ange­wand­ten Nor­men des mate­ri­el­len Rechts über­zeugt, so dass eine Vor­la­ge an das BVerfG nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 des Grund­ge­set­zes (GG) i.V.m. § 13 Nr. 11 des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ge­set­zes (BVerfGG) und § 80 BVerfGG nicht in Betracht kommt. Er hält es schon für zwei­fel­haft, ob die Regeln für die Ein­heits­be­wer­tung im Bei­tritts­ge­biet ver­fas­sungs­wid­rig wären, wenn sie auf Dau­er Gel­tung bean­spruch­ten. Jeden­falls lau­fen sie mitt­ler­wei­le in zuläs­si­ger Wei­se aus[7].

Der Wert kann nicht berech­net wer­den, son­dern ist in Anleh­nung an die hier­für erlas­se­nen gleich­lau­ten­den Erlas­se in BStBl I 1993, 528 als Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen der Län­der zu schätzen.

Es ist § 129 BewG in der aktu­ell noch gel­ten­den Fas­sung des BewG anzu­wen­den. Das durch das Grund­steu­er-Reform­ge­setz vom 26.11.2019[8] (GrStRefG) geän­der­te Bewer­tungs­recht, in dem u.a. §§ 129 bis 133 BewG weg­ge­fal­len sind (vgl. Art. 2 Nr. 1 Buchst. v GrStRefG), fin­det nach dem neu­en § 266 BewG erst vom Jah­re 2022 (Haupt­fest­stel­lung) bzw.2025 (Haupt­ver­an­la­gung) an Anwendung.

Nach § 129 Abs. 1 BewG gel­ten für die im Bei­tritts­ge­biet lie­gen­den wirt­schaft­li­chen Ein­hei­ten des Grund­ver­mö­gens und für Betriebs­grund­stü­cke die fest­ge­stell­ten oder noch fest­zu­stel­len­den Ein­heits­wer­te nach den Wert­ver­hält­nis­sen zum 01.01.1935 wei­ter. Nach Abs. 2 die­ser Vor­schrift wer­den ‑vor­be­halt­lich der §§ 129a bis 131 BewG- für die Ermitt­lung der Ein­heits­wer­te 1935 statt der §§ 27, 68 bis 94 BewG u.a. im Ein­zel­nen genann­te Bestim­mun­gen des BewG DDR und der RBewDV mit spä­te­ren Ände­run­gen wei­ter angewandt.

Nach § 10 Abs. 1 Satz 1 BewG DDR ist bei Bewer­tun­gen, soweit nichts ande­res vor­ge­schrie­ben ist, der Preis anzu­set­zen, der im gewöhn­li­chen Geschäfts­ver­kehr nach der Beschaf­fen­heit des Wirt­schafts­gu­tes bei einer Ver­äu­ße­rung zu erzie­len wäre. Nach § 10 Abs. 1 Satz 2 BewG DDR sind alle Umstän­de, die den Preis beein­flus­sen, zu berücksichtigen.

§ 52 Abs. 1 BewG DDR ver­weist für die Bewer­tung der bebau­ten und der im Bau befind­li­chen Grund­stü­cke auf die durch den Minis­ter der Finan­zen zu erlas­sen­den Rechts­vor­schrif­ten. Nach § 3a Abs. 1 RBewDV sind bei Fort­schrei­bun­gen und bei Nach­fest­stel­lun­gen der Ein­heits­wer­te für Grund­be­sitz der tat­säch­li­che Zustand des Grund­be­sit­zes vom Fort­schrei­bungs-/Nach­fest­stel­lungs­zeit­punkt und die Wert­ver­hält­nis­se vom 01.01.1935 zugrun­de zu legen. § 32 Abs. 1 RBewDV unter­schei­det fünf ver­schie­de­ne Grund­stücks­haupt­grup­pen, zu denen nach § 32 Abs. 1 Nr. 2 RBewDV die Geschäfts­grund­stü­cke zäh­len. Das sind bebau­te Grund­stü­cke, die zu mehr als 80 % unmit­tel­bar eige­nen oder frem­den gewerb­li­chen oder öffent­li­chen Zwe­cken dienen.

§ 33 Abs. 2 Satz 1 RBewDV schreibt vor, dass alle übri­gen bebau­ten Grund­stü­cke (§ 33 Abs. 1 RBewDV nennt Miet­wohn­grund­stü­cke und gemischt­ge­nutz­te Grund­stü­cke) mit dem gemei­nen Wert zu bewer­ten sind. Lässt sich die Jah­res­roh­mie­te in der Regel unschwer ermit­teln oder schät­zen, ermög­licht § 33 Abs. 2 Satz 2 RBewDV die Bestim­mung des Werts über ein durch die Ober­fi­nanz­prä­si­den­ten bestimm­tes Viel­fa­ches der Jah­res­roh­mie­te. Lässt sich hin­ge­gen aus­nahms­wei­se die Roh­mie­te nur schwer ermit­teln oder schät­zen, ist das Grund­stück nach § 33 Abs. 3 RBewDV mit dem gemei­nen Wert zu bewerten.

Der gemei­ne Wert ist dort nicht defi­niert. Indes ent­hielt bereits § 138 Abs. 1 der Reichs­ab­ga­ben­ord­nung vom 13.12.1919[9] eine Bestim­mung des gemei­nen Werts, die ihrer­seits im Wesent­li­chen wort­gleich mit § 10 Abs. 1 Satz 1 BewG DDR (wie auch mit § 9 Abs. 2 BewG) ist. Inso­fern führt § 33 Abs. 3 RBewDV auf den Maß­stab des § 10 Abs. 1 Satz 1 BewG DDR zurück.

Fehlt eine Roh­mie­te und feh­len auch Ver­käu­fe auf den Stich­tag 01.01.1935, kann der maß­ge­ben­de gemei­ne Wert nach § 162 der Abga­ben­ord­nung (AO) geschätzt wer­den[10].

Das Finanz­ge­richt hat zutref­fend erkannt, dass die Schät­zung auf die nach dem 03.10.1990 ergan­ge­nen gleich­lau­ten­den Län­der­erlas­se (hier: gleich­lau­ten­de Erlas­se in BStBl I 1993, 528 und BStBl I 2011, 283) zu stüt­zen ist.

Für die Schät­zung eines Grund­stücks­werts ist auf die Grund­zü­ge des Sach­wert­ver­fah­rens in Anleh­nung an die Rege­lun­gen der §§ 83 ff. BewG zurück­zu­grei­fen, die jedoch gemäß § 129 Abs. 2 BewG nicht unmit­tel­bar anwend­bar sind[11].

Zur Durch­füh­rung der Bewer­tung im Bei­tritts­ge­biet sind nach dem 03.10.1990 eine Rei­he gleich­lau­ten­der Län­der­erlas­se ergan­gen. Für das Grund­ver­mö­gen zäh­len dar­un­ter u.a. die gleich­lau­ten­den Erlas­se in BStBl I 1993, 528.

Der BFH hat die den gleich­lau­ten­den Erlas­sen in BStBl I 1993, 528 zugrun­de­lie­gen­de Schät­zungs­me­tho­de für die Ermitt­lung des gemei­nen Werts von bebau­ten Grund­stü­cken auf der Grund­la­ge des Boden­werts, des Gebäu­de­werts und des Werts der Außen­an­la­gen nicht bean­stan­det[12].

Der BFH hält an die­ser Ein­schät­zung fest. Die gleich­lau­ten­den Erlas­se in BStBl I 1993, 528 set­zen den von § 10 Abs. 1 BewG DDR erteil­ten gene­rel­len Schät­zungs­auf­trag in zuläs­si­ger Wei­se im Inter­es­se der Ein­heit­lich­keit und Prak­ti­ka­bi­li­tät um. Es ist nicht nur ver­tret­bar, son­dern im Regel­fall gebo­ten, die­se auch anzu­wen­den. Abwei­chun­gen kom­men nur unter engen Vor­aus­set­zun­gen in Betracht, da andern­falls die Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten ihrer Auf­ga­be nicht nach­kom­men könn­ten, eine mög­lichst gleich­mä­ßi­ge Besteue­rung sowie Rechts­si­cher­heit zu gewähr­leis­ten und die im all­sei­ti­gen Inter­es­se lie­gen­de Prak­ti­ka­bi­li­tät des Bewer­tungs­ver­fah­rens sicher­zu­stel­len. Abwei­chun­gen sind daher nur mög­lich, wenn der sich erge­ben­de Grund­stücks­wert außer­halb jeder noch ver­tret­ba­ren Tole­ranz liegt. Es besteht ein Kor­ri­dor zuläs­si­ger Wer­te[13].

Im Streit­fall sind die gleich­lau­ten­den Erlas­se in BStBl I 1993, 528, sach­lich ein­schlä­gig. Zu deren Anwen­dungs­be­reich gehö­ren seit der Ände­rung in Tz.02.01.1 durch die gleich­lau­ten­den Län­der­erlas­se in BStBl I 2011, 283, auch SB-Märk­te (Dis­coun­ter) und Verbrauchermärkte.

Für die Ermitt­lung des im Streit­fall allein strei­ti­gen Gebäu­de­werts ist nach Tz.04.2 der Erlas­se von dem Gebäu­de­nor­mal­her­stel­lungs­wert aus­zu­ge­hen, der sich aus dem nach Tz.04.02.1 ermit­tel­ten umbau­ten Raum und den unter Tz.04.02.2 auf­ge­führ­ten durch­schnitt­li­chen Raum­me­ter­prei­sen und Flä­chen­prei­sen ermit­telt. Der umbau­te Raum ist gemäß Tz.04.02.1 nach Anla­ge 1 zu ermitteln.

Anla­ge 1 zu den gleich­lau­ten­den Erlas­sen in BStBl I 1993, 528, schreibt die „Berech­nung des umbau­ten Raums nach DIN 277 (1934) – abge­lei­tet -“ vor. Der Bun­des­fi­nanz­hof stellt klar, dass er nicht die in BStBl I 1993, 534, 535, abge­druck­te, offen­kun­dig die DIN 277 (1934) unvoll­stän­dig ent­hal­ten­de Ver­si­on der Anla­ge 1 (Bruch zwi­schen S. 534 und S. 535) anwen­det, son­dern sich für den Inhalt der DIN 277 (1934) auf die voll­stän­di­ge Anla­ge 2 zu den gleich­lau­ten­den Län­der­erlas­sen vom 09.11.1992 betr. die Bewer­tung von Tank­stel­len­grund­stü­cken im Bei­tritts­ge­biet ab 01.01.1991[14] stützt, die eben­falls die „Berech­nung des umbau­ten Raums nach DIN 277 (1934) – abge­lei­tet -“ ent­hält. Allein die­se nimmt als sach­ge­rech­te Schät­zungs­grund­la­ge an der Bin­dungs­wir­kung der Län­der­erlas­se in dem geschil­der­ten Umfan­ge teil.

Die DIN 277 (1934) ent­hält Zeich­nun­gen, die u.a. durch unter­schied­li­che Schraf­fu­ren den voll anzu­rech­nen­den umbau­ten Raum sowie den nicht hin­zu­zu­rech­nen­den umbau­ten Raum aus­wei­sen. Neben die Zeich­nun­gen sind Berech­nungs­an­wei­sun­gen in Text­form gestellt. Ein Rang­ver­hält­nis zwi­schen Beschrei­bun­gen und Zeich­nun­gen ist dem nicht zu entnehmen.

Danach ist voll anzu­rech­nen der umbau­te Raum eines Gebäu­des, der umschlos­sen wird u.a. seit­lich von den Außen­flä­chen der Umfas­sun­gen sowie oben bei nicht aus­ge­bau­tem Dach­ge­schoss von der Ober­flä­che des Fuß­bo­dens über dem obers­ten Voll­ge­schoss, bei nicht aus­ge­bau­tem Dach­ge­schoss mit Drem­pel von der Trau­fe. Bei aus­ge­bau­tem Dach­ge­schoss und bei teil­aus­ge­bau­tem Dach­ge­schoss ist die Ermitt­lung des voll anzu­rech­nen­den umbau­ten Raums näher beschrie­ben. Bei Dach­de­cken, die gleich­zei­tig die Decke des obers­ten Voll­ge­schos­ses bil­den, und bei Gebäu­den oder Bau­tei­len ohne Geschoss­de­cken ist die Trau­fe maß­ge­bend. Nicht anzu­set­zen ist u.a. der umbau­te Raum der Dach­auf­bau­ten. Die unte­re Umschlie­ßung ist im Streit­fall unproblematisch.

Die bei­gefüg­ten Zeich­nun­gen zei­gen Quer­schnit­te mit ver­schie­de­nen Dach­for­men. Der Raum­in­halt, der sich unter­halb des tiefs­ten Schnitt­punkts zwi­schen Dach und Gebäu­de­wand befin­det, ist durch­ge­hend voll anzu­rech­nen. Das gilt sowohl dann, wenn an die­sem Schnitt­punkt Zwi­schen­de­cken ein­ge­zo­gen sind, als auch dann, wenn Zwi­schen­de­cken feh­len, und zwar auch dann, wenn die­ser Raum durch eine Dach­kon­struk­ti­on durch­zo­gen ist. Es gilt wei­ter dort, wo Zwi­schen­de­cken vor­han­den sind, aber unter einem nur mini­mal geneig­ten Dach ersicht­lich kei­ne Benut­zung durch Betre­ten zulassen.

Der dar­über befind­li­che Raum­in­halt ist ‑mit einer Berech­nungs­ver­ein­fa­chung bei einer durch Dach­schrä­gen beding­ten varia­blen Innen­hö­he- in den Fäl­len voll anzu­rech­nen, in denen durch zusätz­li­che Zwi­schen­de­cken oder Sei­ten­wän­de ein Aus­bau des Dach­raums ver­deut­licht ist (alle Zeich­nun­gen zum aus­ge­bau­ten und zum teil­aus­ge­bau­ten Dachgeschoss).

Dem­ge­gen­über sind weder §§ 27, 68 bis 94 BewG noch die BewR­Gr auf die Ein­heits­be­wer­tung im Bei­tritts­ge­biet anwend­bar. § 129 Abs. 2 BewG ord­net die Nicht­an­wen­dung der §§ 27, 68 bis 94 BewG aus­drück­lich an[15]. Dem­entspre­chend sind auch die BewR­Gr, nament­lich Abschn. 37, auf den sich die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin beruft, nicht anwend­bar. Sie inter­pre­tie­ren ledig­lich die Vor­schrif­ten des BewG und haben des­halb kei­nen ver­selb­stän­dig­ten Geltungsanspruch.

Aus dem Form­blatt EW 316/​35, das die Finanz­ver­wal­tung her­aus­gibt, ergibt sich nichts ande­res. Wie sich aus den bei­gefüg­ten Erläu­te­run­gen ergibt, wen­det die Finanz­ver­wal­tung die BewR­Gr nicht an, son­dern rech­net die Anga­ben des Steu­er­pflich­ti­gen zur Kuba­tur selb­stän­dig auf die Anfor­de­run­gen des Bei­tritts­ge­biets um. Das Form­blatt eröff­net zwar eine Ermitt­lung der Kuba­tur in Anleh­nung an die DIN 1950, erach­tet die­se jedoch nicht abschlie­ßend für maß­ge­bend. Viel­mehr heißt es dort, dass das Finanz­amt „aus Ihren Anga­ben zum umbau­ten Raum nach der DIN 277 (Fas­sung 1950) den umbau­ten Raum für die Ermitt­lung des Ein­heits­werts nach den Wert­ver­hält­nis­sen vom 01.01.1935 ablei­ten“ wer­de. Fol­ge­rich­tig wird der Steu­er­pflich­ti­ge in dem Erläu­te­rungs­text zu den Gebäu­de­quer­schnit­ten jeweils auf­ge­for­dert, die kleins­ten Höhen bzw. die Trauf­hö­hen kennt­lich zu machen. Sind kei­ne Zwi­schen­de­cken vor­han­den, spie­len die­se Daten für die Bewer­tung im Alt­bun­des­ge­biet kei­ne Rol­le, da unter­schied­li­che Bewer­tungs­an­sät­ze dort bau­li­che Abtren­nun­gen vor­aus­set­zen. Sie wer­den nur für die Bewer­tung im Bei­tritts­ge­biet benötigt.

Zu dem nicht zu bewer­ten­den Dach­raum gehört der­je­ni­ge Teil des Raum­vo­lu­mens, der auf Höhe des tiefs­ten Schnitt­punkts zwi­schen Außen­wand und Dach beginnt. Er ent­spricht dem Trauf­punkt. Ein auf allen Sei­ten von den Außen­flä­chen der bau­lich untrenn­bar zum Gebäu­de­kör­per gehö­ren­den Gebäu­de­um­fas­sun­gen umschlos­se­ner Raum ist voll anzurechnen.

Die Maß­geb­lich­keit der Trauf­hö­he ergibt sich aus Text und Zeich­nun­gen der DIN 277 (1934).

Bereits der Text lässt erken­nen, dass aus­nahms­los die Höhe der Trau­fe die unters­te denk­ba­re Ebe­ne ist, an der das nicht hin­zu­zu­rech­nen­de Raum­vo­lu­men des Dachs beginnt. Das gilt auch dann, wenn unter­halb der Trau­fe eine abge­häng­te Decke ein­ge­zo­gen ist. Es kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob der Raum zwi­schen einer der­ar­ti­gen Decke und dem Dach als „Dach­ge­schoss“ i.S. der DIN 277 (1934) bezeich­net wer­den kann. Han­delt es sich um ein Dach­ge­schoss, ist nach Maß­ga­be der Zeich­nung 1 „bei nicht aus­ge­bau­tem Dach­ge­schoss mit Drem­pel von der Trau­fe“ der Raum bis zur Trau­fe anzu­rech­nen. Han­delt es sich nicht um ein Dach­ge­schoss, wäre die abge­häng­te Decke auch kei­ne Geschoss­de­cke, so dass nach Maß­ga­be der Zeich­nung 4 „bei Gebäu­den oder Bau­tei­len ohne Geschoss­de­cken von der Trau­fe“ eben­falls die Trau­fe maß­ge­bend wäre.

Die bei­gefüg­ten Zeich­nun­gen zei­gen eben­falls, dass sich ein nicht hin­zu­zu­rech­nen­der umbau­ter Raum aus­schließ­lich ober­halb des tiefs­ten Trauf­punkts befin­den kann. Tei­le des umbau­ten Raums, die nach allen Sei­ten von Außen­wän­den des Gebäu­des ein­ge­schlos­sen sind, sind unab­hän­gig von der inne­ren bau­li­chen Gestal­tung des Gebäu­des stets voll anzu­rech­nen. Soweit die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin dem­ge­gen­über auf das Pult­dach tra­pez­för­mi­gen Quer­schnitts ver­weist, geht der Ein­wand fehl. Das Tra­pez weist in sei­ner Stan­dard­form zwei nicht par­al­le­le Schen­kel auf. Ein der­ar­ti­ges Dach ver­fügt einer­seits über einen Flach­dach­be­reich, ande­rer­seits über zwei Schrä­gen mit ent­spre­chen­den Trauf­punk­ten. Wie ein sol­ches Dach zu beur­tei­len wäre, ist im Streit­fall nicht zu entscheiden.

Soweit sich das BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 1244 auf Rechts­vor­schrif­ten bezieht, die im Bei­tritts­ge­biet nicht anwend­bar sind, sind die dort ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze auch nicht anwend­bar. Das betrifft das Ver­ständ­nis des Abschn. 37 BewR­Gr. Im Übri­gen hat­te sich der BFH zu Raum­tei­len, die all­sei­tig von Gebäu­de­au­ßen­wän­den umschlos­sen sind, auch nicht geäußert.

Die tat­säch­li­che Nut­zung des zwi­schen der abge­häng­ten Decke und der Ebe­ne durch den Trauf­punkt befind­li­chen Raum­vo­lu­mens ist nicht erheblich.

Die­ses Ergeb­nis ist schließ­lich auch mit Blick dar­auf sys­tem­ge­recht, dass Aus­gangs­grö­ße des Sach­wert­ver­fah­rens nach den gleich­lau­ten­den Län­der­erlas­sen in BStBl I 1993, 528 die Gebäu­de­nor­mal­her­stel­lungs­kos­ten sind. Zum einen spie­len die tat­säch­li­chen Her­stel­lungs­kos­ten kei­ne Rol­le. Zum ande­ren sind die Her­stel­lungs­kos­ten des umbau­ten Raums nicht des­halb nied­ri­ger, weil zusätz­lich eine abge­häng­te Decke ein­ge­zo­gen wur­de, um tech­ni­sche Instal­la­tio­nen zu ver­ber­gen. Die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin ver­gleicht zu Unrecht die Her­stel­lungs­kos­ten einer abge­häng­ten Decke mit denen einer begeh­ba­ren Geschoss­de­cke. Inwie­weit die Finanz­ver­wal­tung in ande­ren ver­gleich­ba­ren Fäl­len das Raum­vo­lu­men ober­halb der abge­häng­ten Decke nicht hin­zu­ge­rech­net hat, ent­zieht sich der Kennt­nis des Bun­des­fi­nanz­hofs und ist für die Ent­schei­dung des vor­lie­gen­den Rechts­streits auch nicht erheb­lich. Die Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung bezieht sich auf die gleich­lau­ten­den Län­der­erlas­se in BStBl I 1993, 528, ein­schließ­lich ihrer zutref­fen­den Anla­gen, nicht hin­ge­gen auf Ent­schei­dun­gen in Einzelfällen.

Nach die­sen Maß­stä­ben hat das Finanz­amt zu Recht den Raum zwi­schen den abge­häng­ten Decken und dem tiefs­ten Schnitt­punkt zwi­schen Außen­wand und Dach bei der Bewer­tung berück­sich­tigt und ledig­lich den dar­über befind­li­chen Dach­raum aus­ge­klam­mert. Wei­te­re Para­me­ter der Bewer­tung ste­hen nicht im Streit.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Okto­ber 2020 – II R 4/​19

  1. FG Ber­lin-Bran­den­burg , Urteil vom 12.12.2018 – 3 K 3323/​15, EFG 2019, 754[]
  2. BVerfG, Urteil vom 10.04.2018 – 1 BvL 11/​14 u.a., BVerfGE 148, 147, BGBl I 2018, 531[]
  3. Gesetz­blatt der DDR, Son­der­druck Nr. 674[]
  4. RGBl I 1935, 81[]
  5. BStBl I 1993, 528[]
  6. BStBl I 2011, 283[]
  7. vgl. zur Begrün­dung im Ein­zel­nen BFH, Urteil vom 27.05.2020 – II R 38/​18, BFHE 269, 352, Rz 50 bis 60[]
  8. BGBl I 2019, 1794[]
  9. RGBl I 1919, 1993[]
  10. vgl. BFH, Urtei­le vom 28.10.1998 – II R 37/​97, BFHE 187, 99, BStBl II 1999, 51; vom 31.03.2004 – II R 2/​02, BFH/​NV 2004, 1626, unter II. 1., m.w.N.; vom 24.05.2005 – II R 2/​03, BFH/​NV 2006, 29; und vom 02.04.2008 – II R 59/​06, BFHE 225, 482, BStBl II 2009, 983, unter II. 1.b, m.w.N.[]
  11. BFH, Urteil in BFHE 225, 482, BStBl II 2009, 983, unter II. 1.c, m.w.N.[]
  12. BFH, Urteil in BFHE 187, 99, BStBl II 1999, 51; eben­so BFH, Urteil in BFH/​NV 2004, 1626, für die par­al­lel auf­ge­bau­ten gleich­lau­ten­den Erlas­se betref­fend die Bewer­tung von Fabrik­grund­stü­cken, Lager­haus­grund­stü­cken, Grund­stü­cken mit Werk­stät­ten und ver­gleich­ba­ren Grund­stü­cken (Gewer­be­grund­stü­cken) im Bei­tritts­ge­biet ab 01.01.1991 vom 21.05.1993, BStBl I 1993, 467; eben­so BFH, Urteil in BFH/​NV 2006, 29, für bei­de Erlas­se[]
  13. so für den Thü­rin­ger Denk­ma­l­er­lass vom 22.12.1994 BFH, Urteil in BFHE 225, 482, BStBl II 2009, 983, unter II. 2.c[]
  14. BStBl I 1992, 712[]
  15. vgl. BFH, Urteil in BFHE 225, 482, BStBl II 2009, 983, unter II. 1.c, m.w.N.[]