Die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts – und die Bin­dung des Bundesfinanzhofs

Nach § 118 Abs. 2 FGO ist der BFH an die in dem ange­foch­te­nen Urteil getrof­fe­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen gebun­den, es sei denn, dass in Bezug auf die­se Fest­stel­lun­gen zuläs­si­ge und begrün­de­te Revi­si­ons­grün­de vor­ge­bracht sind.

Die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts – und die Bin­dung des Bundesfinanzhofs

Tat­sa­chen­fest­stel­lung und Beweis­wür­di­gung des Finanz­ge­richt sind nur inso­weit revi­si­bel, als Ver­stö­ße gegen die Ver­fah­rens­ord­nung, gegen Denk­ge­set­ze oder gegen all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze vor­lie­gen[1].

Dar­an fehl­te es in dem hier ent­schie­de­nen Fall:

Das Finanz­ge­richt hat nicht ent­ge­gen § 76 Abs. 1 Satz 1 FGO den Sach­ver­halt unzu­rei­chend auf­ge­klärt. Das Finanz­ge­richt hät­te bereits ent­spre­chen­de Beweis­an­trä­ge als Aus­for­schungs­an­trä­ge ableh­nen dür­fen; ohne Antrag hat sich eine der­ar­ti­ge Beweis­erhe­bung erst recht nicht auf­ge­drängt. Von einer bean­trag­ten Beweis­erhe­bung kann abge­se­hen wer­den, wenn der Beweis­an­trag ledig­lich auf eine wei­te­re Ermitt­lung bzw. Aus­for­schung abzielt und nicht erken­nen lässt, wel­che ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen bezeugt wer­den sol­len, oder die unter Beweis gestell­ten Tat­sa­chen so unge­nau bezeich­net, dass ihre Erheb­lich­keit nicht beur­teilt wer­den kann oder so unbe­stimmt ist, dass im Grun­de erst die Beweis­erhe­bung selbst die ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen und Behaup­tun­gen auf­de­cken kann[2]. Die Klä­ger haben mit ihrer Rüge ledig­lich das gewünsch­te Ergeb­nis der Sach­ver­halts­wür­di­gung durch das Finanz­ge­richt benannt ‑die Durch­set­zung des ein­heit­li­chen geschäft­li­chen Wil­lens des A auch in der GmbH‑, ohne dass erkenn­bar wäre, wel­che Tat­sa­chen die Klä­ger und die Zeu­gen hät­ten bekun­den sol­len. Das wäre ein auf Aus­for­schung des Sach­ver­halts gerich­te­ter Beweis­er­mitt­lungs­an­trag gewesen.

Das Finanz­ge­richt hat auch nicht ent­ge­gen § 119 Nr. 3 FGO recht­li­ches Gehör ver­letzt, indem es die Absen­kung der Ver­sor­gungs­ver­pflich­tung ohne Hin­weis und ohne Erör­te­rung zu Las­ten der Klä­ger gewür­digt hat. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH ist ein Finanz­ge­richt weder zu einem[3] Rechts­ge­spräch noch zu einem Hin­weis auf sei­ne Rechts­auf­fas­sung ver­pflich­tet[4]. Vor allem gilt die all­ge­mei­ne Ver­mu­tung des § 119 Nr. 3 FGO, nach der ein Urteil stets auf der Ver­let­zung von Bun­des­recht beru­hend anzu­se­hen ist, wenn einem Betei­lig­ten das recht­li­che Gehör ver­sagt war, dann nicht, wenn der gerüg­te Ver­stoß nur ein­zel­ne Fest­stel­lun­gen bzw. recht­li­che Gesichts­punk­te betrifft, auf die es aus der Sicht des Revi­si­ons­ge­richts unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt ankommt[5]. So ver­hält es sich im Streit­fall. Die bei­den Ver­sor­gungs­ver­pflich­tun­gen ste­hen im Zusam­men­hang mit der Über­ga­be des betrieb­li­chen Ver­mö­gens des A an die Klä­ger. Deren Kon­di­tio­nen haben mit der Fra­ge, ob A in bei­den Betrie­ben einen ein­heit­li­chen geschäft­li­chen Betä­ti­gungs­wil­len durch­set­zen konn­te, nichts zu tun.

chließ­lich sind kei­ne denklo­gi­schen oder ande­ren mate­ri­el­len Feh­ler erkenn­bar. Die Klä­ger ver­wei­sen dar­auf, dass die Grün­dung einer GbR mit A auch kon­klu­dent mög­lich sei. Das Finanz­ge­richt hat dies nicht in Abre­de genom­men. Eine der­ar­ti­ge Mög­lich­keit erbringt aber noch kei­nen Beweis dafür, dass eine sol­che Grün­dung tat­säch­lich statt­ge­fun­den hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 2. Dezem­ber 2020 – II R 22/​18

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 14.06.2005 – VII R 17/​04, BFHE 210, 83, unter II. 3.c; und vom 23.08.2017 – X R 7/​15, BFH/​NV 2018, 325, Rz 34, jeweils m.w.N.[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. etwa BFH, Beschluss vom 31.01.2019 – VIII B 41/​18, BFH/​NV 2019, 702, Rz 16, m.w.N.[]
  3. umfas­sen­den und ins Ein­zel­ne gehen­den[]
  4. vgl. etwa BFH, Beschluss vom 08.08.2011 – XI B 53/​11, BFH/​NV 2011, 2081, Rz 13, m.w.N.[]
  5. BFH, Urteil vom 16.11.2016 – II R 29/​13, BFHE 256, 364, BStBl II 2017, 413, Rz 79, m.w.N.[]