Der Kla­ge­an­trag – und das wei­ter­ge­hen­de Urteil des Finanz­ge­richts

Das Finanz­ge­richt darf sei­ner Ent­schei­dung nicht ein Kla­ge­be­geh­ren zugrun­de legen, wel­ches über das Begeh­ren des Klä­gers hin­aus­geht.

Der Kla­ge­an­trag – und das wei­ter­ge­hen­de Urteil des Finanz­ge­richts

Nach § 96 Abs. 1 Satz 2 FGO darf das Gericht über das Kla­ge­be­geh­ren nicht hin­aus­ge­hen, ist aber an die Fas­sung der Anträ­ge nicht gebun­den. Das Gericht darf dem Klä­ger nicht etwas zuspre­chen, was die­ser nicht bean­tragt hat, und auch nicht über etwas ande­res ent­schei­den, als was der Klä­ger zur Ent­schei­dung gestellt hat [1].

Dabei wird der Gegen­stand des Kla­ge­be­geh­rens nicht durch den Kla­ge­an­trag, son­dern durch den begehr­ten rich­ter­li­chen Aus­spruch bestimmt [2].

Kommt das Kla­ge­be­geh­ren im Kla­ge­an­trag nicht zutref­fend zum Aus­druck, hat das Gericht den wah­ren Wil­len der Kla­ge­par­tei anhand der erkenn­ba­ren Umstän­de zu ermit­teln. Der Vor­sit­zen­de hat sodann dar­auf hin­zu­wir­ken, dass sach­dien­li­che Anträ­ge gestellt wer­den (§ 76 Abs. 2 Satz 1 FGO).

Im Revi­si­ons­ver­fah­ren kann der Bun­des­fi­nanz­hof das Kla­ge­be­geh­ren ohne Bin­dung an die Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt selbst ermit­teln [3].

Der Grund­satz der Bin­dung an das Kla­ge­be­geh­ren (§ 96 Abs. 1 Satz 2 FGO) gehört zur Grund­ord­nung des Ver­fah­rens [4]. Ein Ver­stoß führt des­halb auch ohne Rüge zur Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Urteils.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. April 2017 – IX R 50/​15

  1. vgl. nur BFH, Urteil vom 14.05.2014 – VIII R 31/​11, BFHE 245, 531, BStBl II 2014, 995[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 31.01.2013 – III R 15/​10, BFH/​NV 2013, 1071, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 20.08.2015 – IV R 12/​12, BFH/​NV 2016, 412[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 19.02.2009 – II R 49/​07, BFHE 225, 1, BStBl II 2009, 932[]