Zurück­ver­wei­sung an einen ande­ren Senat – und der gesetz­li­che Rich­ter

Da die Zurück­ver­wei­sung an einen ande­ren Bun­des­ge­richts­hof (§ 155 FGO i.V.m. § 563 Abs. 1 Satz 2 ZPO) das Recht auf den gesetz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) berührt, setzt sie beson­de­re sach­li­che Grün­de vor­aus, um eine will­kürfreie Ermes­sens­aus­übung zu gewähr­leis­ten.

Zurück­ver­wei­sung an einen ande­ren Senat – und der gesetz­li­che Rich­ter

So kommt die Zurück­ver­wei­sung an einen ande­ren Bun­des­ge­richts­hof in Betracht, wenn ernst­li­che Zwei­fel an der Unvor­ein­ge­nom­men­heit des Bun­des­ge­richts­hofs des FG bestehen, der das ange­foch­te­ne Urteil gespro­chen hat [1].

Von einer Zurück­ver­wei­sung an einen ande­ren Bun­des­ge­richts­hof ist ins­be­son­de­re dann Gebrauch zu machen, wenn das Revi­si­ons­ge­richt auf­grund der beson­de­ren Umstän­de befürch­ten muss, dass es dem Vor­der­ge­richt schwer­fal­len wird, sich die recht­li­che Beur­tei­lung, die zur Auf­he­bung des tatrich­ter­li­chen Urteils führ­te, voll zu eigen zu machen [2].

Da sich die Fra­ge einer Zurück­ver­wei­sung nur bei rechts­feh­ler­haf­ter Vor­ent­schei­dung stellt, kann die Zurück­ver­wei­sung an einen ande­ren Bun­des­ge­richts­hof des FG nicht mit der Unrich­tig­keit des Urteils („greif­ba­re Rechts­wid­rig­kei­ten“) begrün­det wer­den [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. April 2017 – IX R 24/​15

  1. BFH, Urtei­le vom 28.10.2015 – X R 47/​13, BFH/​NV 2016, 171; und vom 10.05.2016 – IX R 13/​15, BFH/​NV 2016, 1556[]
  2. BFH, Urteil vom 10.11.1993 – I R 68/​93, BFH/​NV 1994, 798[]
  3. BFH, Urteil in BFH/​NV 2016, 171[]