Unter­neh­mens­pacht oder Unter­neh­mens­ver­äu­ße­rung?

Vor­aus­set­zung für das Vor­lie­gen einer Geschäfts­ver­äu­ße­rung ist gemäß § 1 Abs. 1a Satz 2 UStG, dass ein Unter­neh­men oder ein in der Glie­de­rung eines Unter­neh­mens geson­dert geführ­ter Betrieb im Gan­zen ent­gelt­lich oder unent­gelt­lich über­eig­net oder in eine Gesell­schaft ein­ge­bracht wird.

Unter­neh­mens­pacht oder Unter­neh­mens­ver­äu­ße­rung?

Die­se Vor­schrift beruh­te in den Jah­ren 2005 und 2006 uni­ons­recht­lich auf Art. 5 Abs. 8 und Art. 6 Abs. 5 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG. Nach Art. 5 Abs. 8 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG kön­nen die Mit­glied­staa­ten die Über­tra­gung des Gesamt­ver­mö­gens oder eines Teil­ver­mö­gens, die ent­gelt­lich oder unent­gelt­lich oder durch Ein­brin­gung in eine Gesell­schaft erfolgt, so behan­deln, als ob kei­ne Lie­fe­rung von Gegen­stän­den vor­liegt, und den Begüns­tig­ten der Über­tra­gung als Rechts­nach­fol­ger des Über­tra­gen­den anse­hen. Gemäß Art. 6 Abs. 5 gilt Art. 5 Abs. 8 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG „unter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen für Dienst­leis­tun­gen“.

Im Streit­fall schei­det in Bezug auf den Pacht­ver­trag eine Geschäfts­ver­äu­ße­rung schon des­halb aus, weil ‑wor­auf das Finanz­amt zu Recht hin­ge­wie­sen hat- ein Pati­en­ten­stamm „ver­pach­tet“ wor­den ist. Wer­den kei­ne Gegen­stän­de „über­eig­net“ oder in eine Gesell­schaft ein­ge­bracht, fehlt es an einer Geschäfts­ver­äu­ße­rung i.S. des § 1 Abs. 1a Satz 2 UStG [1].

Außer­dem hät­te der Pfle­ge­dienst­leis­ter bei ande­rer Sicht­wei­se nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt nur die Ver­trä­ge mit bestimm­ten im Rah­men der sog. 24-Stun­den-Pfle­ge betreu­ten Per­so­nen und damit kein Teil- oder Gesamt­ver­mö­gen [2] auf W über­tra­gen. Es wären danach, wovon das Finanz­ge­richt im Rah­men der ihm oblie­gen­den Gesamt­wür­di­gung (§ 118 Abs. 2 FGO) zu Recht aus­ge­gan­gen ist, nur ein­zel­ne zum Betrieb eines ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­tes not­wen­di­ge Ver­trä­ge vom Pfle­ge­dienst­leis­ter auf W über­tra­gen wor­den. Das reicht nicht aus [3]. Ein oder meh­re­re Kun­den, Ver­trags­part­ner oder Man­dan­ten sind kein „geson­dert geführ­ter Betriebs­teil“ oder „Teil­ver­mö­gen“ [4].

Aus dem EuGH, Urteil Schrie­ver [5] ergibt sich schon des­halb nichts ande­res, weil danach zwar die Über­tra­gung der nicht ver­pach­te­ten Gegen­stän­de eine Geschäfts­ver­äu­ße­rung sein kann. Die Ver­pach­tung selbst bleibt jedoch steu­er­bar [6].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Juni 2017 – XI R 23/​14

  1. vgl. BFH, Urteil vom 21.05.2014 – V R 20/​13, BFHE 246, 226, BStBl II 2014, 1029, Rz 21; s.a. BFH, Urteil vom 26.08.2014 – XI R 26/​10, BFHE 247, 269, BFH/​NV 2015, 121, Rz 34[]
  2. vgl. dazu EuGH, Urtei­le Zita Modes vom 27.11.2003 – C‑497/​01, EU:C:2003:644, UR 2004, 19, Rz 40; Schrie­ver vom 10.11.2011 – C‑444/​10, EU:C:2011:724, BStBl II 2012, 848, Rz 25; BFH, Urteil vom 06.07.2016 – XI R 1/​15, BFHE 254, 283, BStBl II 2016, 909, Rz 31[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 04.02.2015 – XI R 42/​13, BFHE 248, 472, BStBl II 2015, 616, Rz 22[]
  4. vgl. dazu auch BFH, Beschluss vom 11.11.2009 – V B 46/​09, Zeit­schrift für Steu­ern & Recht 2010, R165, Rz 4[]
  5. EU:C:2011:724, BStBl II 2012, 848[]
  6. vgl. Oel­mai­er in Sölch/​Ringleb, a.a.O., § 1 Rz 183 a.E.[]