Übertragung einer Pferdepension unter Nießbrauchsvorbehalt

Eine gen­er­a­tio­nenüber­greifende Total­gewin­nprog­nose unter Ein­beziehung des unent­geltlichen Recht­snach­fol­gers kommt bei einem Land­wirtschafts­be­trieb in Betra­cht, wenn der aktuell zu beurteilende Steuerpflichtige infolge umfan­gre­ich­er Investi­tio­nen die wirtschaftliche Grund­lage des späteren Erfol­gs in Form von pos­i­tiv­en Einkün­ften bei seinem unent­geltlichen Recht­snach­fol­ger gelegt hat.

Übertragung einer Pferdepension unter Nießbrauchsvorbehalt

Dies gilt zugle­ich betrieb­süber­greifend auch dann, wenn der Land­wirtschafts­be­trieb zunächst unter Nießbrauchsvor­be­halt an die näch­ste Gen­er­a­tion über­tra­gen wird. Die Total­gewin­nprog­nose ist dann ungeachtet der Entste­hung zweier land­wirtschaftlich­er Betriebe für einen fik­tiv­en kon­so­li­dierten Land­wirtschafts­be­trieb zu erstellen1.

Gewinne und Ver­luste, die einem Steuerpflichti­gen aus ein­er Betä­ti­gung erwach­sen, sind nur dann bei der Bemes­sung sein­er Einkom­men­steuer zu berück­sichti­gen, wenn sie sich ein­er der in § 2 Abs. 1 EStG genan­nten Einkun­ft­sarten zurech­nen lassen. Deshalb set­zt die Berück­sich­ti­gung der Ver­luste aus dem Pfer­de­pen­sions­be­trieb voraus, dass sie aus der Unter­hal­tung eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs i.S. von § 13 Abs. 1 EStG ent­standen sind.

Ein land- und forstwirtschaftlich­er Betrieb erfordert eine selb­ständi­ge nach­haltige Betä­ti­gung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzie­len, unter­nom­men wird. Das Merk­mal der Gewin­nerzielungsab­sicht als Voraus­set­zung für eine einkom­men­steuer­rel­e­vante betriebliche Tätigkeit ergibt sich aus § 15 Abs. 2 EStG, der auch auf die Einkün­fte aus Land- und Forstwirtschaft i.S. des § 13 EStG anzuwen­den ist2.

Gewin­nerzielungsab­sicht ist das Bestreben, das Betrieb­sver­mö­gen zu mehren und auf Dauer einen Total­gewinn zu erzie­len3. Angestrebt wer­den muss ein pos­i­tives Ergeb­nis in der Regel zwis­chen Betrieb­s­grün­dung und Betrieb­s­beendi­gung, und zwar auf­grund ein­er Betä­ti­gung, die, über eine größere Zahl von Jahren gese­hen, auf die Erzielung pos­i­tiv­er Ergeb­nisse hin angelegt ist4. Die Gewin­nerzielungsab­sicht bes­timmt sich dabei nach den Beson­der­heit­en der jew­eili­gen Einkun­ft­sart5.

An der Absicht Gewinn zu erzie­len fehlt es, wenn die Prog­nose des zu erwirtschaf­ten­den Total­gewinns neg­a­tiv ist und der Steuerpflichtige die ver­lust­brin­gende Tätigkeit nur aus im Bere­ich sein­er Lebens­führung liegen­den per­sön­lichen Grün­den und Nei­gun­gen ausübt6. Als innere Tat­sache lässt sich die Gewin­nerzielungsab­sicht nur anhand äußer­er Umstände fest­stellen. Einzelne Umstände kön­nen dabei einen Anscheins­be­weis liefern7. Für die Beurteilung ist ins­beson­dere von Bedeu­tung, ob der Betrieb bei objek­tiv­er Betra­ch­tung nach sein­er Art, der Gestal­tung der Betrieb­s­führung und den gegebe­nen Ertragsaus­sicht­en einen “Total­gewinn” erwarten lässt. Für diese Prog­nose kön­nen die Ver­hält­nisse der bere­its abge­laufe­nen Zeiträume wichtige Anhalt­spunk­te bieten. Ist danach bei objek­tiv­er Betra­ch­tung ein pos­i­tives Ergeb­nis nicht zu erwarten, kann der Steuerpflichtige gle­ich­wohl nach­weisen, dass er die objek­tiv­en Gegeben­heit­en verkan­nt und erwartet habe, dass zunächst ange­fal­l­ene Ver­luste im Laufe der weit­eren Entwick­lung des Betriebs durch Gewinne aus­geglichen wür­den und ins­ge­samt ein pos­i­tives Gesamtergeb­nis erzielt wer­den könne. Der Beweis, dass ein über Jahre hin mit Ver­lus­ten arbei­t­en­der Betrieb nicht mit der Absicht der Gewin­nerzielung geführt wird, der Steuerpflichtige vielmehr aus nicht wirtschaftlichen, per­sön­lichen Grün­den diese ständi­ge finanzielle Belas­tung trägt, kann aber in der Regel dann als erbracht gel­ten, wenn fest­ste­ht, dass der Betrieb nicht nach betrieb­swirtschaftlichen Grund­sätzen geführt wird und nach sein­er Wesen­sart und der Art sein­er Bewirtschaf­tung auf die Dauer gese­hen nicht nach­haltig mit Gewin­nen arbeit­en kann8.

Der für die Prü­fung der Gewin­nerzielungsab­sicht maßge­bliche Total­gewinn set­zt sich aus den in der Ver­gan­gen­heit erziel­ten und kün­ftig zu erwartenden laufend­en Gewinnen/Verlusten und dem sich bei Betrieb­s­beendi­gung voraus­sichtlich ergeben­den Veräußerungs- bzw. Auf­gabegewin­n/-ver­lust zusam­men. Kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Betrieb veräußert wird, so ist der Schätzung des Total­gewinns ein (fik­tiv­er) Auf­gabegewin­n/-ver­lust gemäß § 16 Abs. 3 EStG zugrunde zu leg­en9.

Der zeitliche Maßstab für die Beurteilung des Total­gewinns ergibt sich im Regelfall aus der Gesamt­dauer der Betä­ti­gung. Feste zeitliche Vor­gaben gibt es dabei nicht10. Der Zeitraum, inner­halb dessen ein pos­i­tives Ergeb­nis erziel­bar sein muss, ist stets einzelfall­be­zo­gen zu beurteilen11.

Für den land- und forstwirtschaftlichen Betrieb ist regelmäßig davon auszuge­hen, dass die Total­gewin­npe­ri­ode objek­t­be­zo­gen ist und deshalb mehr als eine Gen­er­a­tion umfassen muss12. Diese Recht­sprechung soll ins­beson­dere den in der Land- und Forstwirtschaft üblichen Hofüber­gabev­erträ­gen oder anderen Gestal­tun­gen zur Hofüber­gabe an die näch­ste Gen­er­a­tion (sog. Gen­er­a­tio­nen­nach­folge) Rech­nung tra­gen. Als Aus­nahme vom Grund­satz der Indi­vid­u­albesteuerung13 ist sie jedoch nicht dahin zu ver­ste­hen, dass die gen­er­a­tio­nenüber­greifende und damit objek­tive Sicht der Total­gewin­npe­ri­ode fak­tisch zu einem zeitlich unbe­fris­teten, weil mehrere Gen­er­a­tio­nen umfassenden Beurteilungszeitraum führt. Vielmehr hat der IV. Bun­des­fi­nanzhof des BFH aus­drück­lich darauf abgestellt, dass die Prü­fung der Gewin­nerzielungsab­sicht gle­ich­wohl notwendi­ger­weise auf den einzel­nen Steuerpflichti­gen und damit primär auch auf dessen Betrieb bezo­gen ist14.

Die Ein­beziehung der betrieblichen Betä­ti­gung des Recht­snach­fol­gers in den Beurteilungszeitraum der Total­gewin­npe­ri­ode hat der IV. Bun­des­fi­nanzhof des BFH nicht nur bei nach­haltig wirtschaf­ten­den forstwirtschaftlichen Betrieben im Hin­blick auf die lange Umtrieb­szeit zwis­chen Auf­forstung und Ernte von oft mehr als 100 Jahren angenom­men15. Er hat vielmehr all­ge­mein im Falle der unent­geltlichen Recht­snach­folge eine län­gere Total­gewin­npe­ri­ode unter Ein­beziehung auch des Recht­snach­fol­gers des Steuerpflichti­gen in Erwä­gung gezo­gen, wenn der dem Beurteil­er vor­liegende Beurteilungszeitraum auch diesen Zeitraum mitum­fasst, etwa weil Reak­tio­nen des Steuerpflichti­gen auf eine län­gere Ver­lust­pe­ri­ode erst bei seinem Recht­snach­fol­ger zu einem nach­halti­gen Abbau der Ver­luste führen, der damit als sicheres Beweisanze­ichen für das Vor­liegen der Gewin­nerzielungsab­sicht beim Steuerpflichti­gen her­anzuziehen ist16. Es müssen mithin “aus­nahm­sweise” bere­its in der Per­son des Rechtsvorgängers begrün­dete Besteuerungsmerk­male und Recht­spo­si­tio­nen beim unent­geltlichen Recht­snach­fol­ger fortwirken17.

Aus­gangspunkt dieser Recht­sprechung ist damit eine auf den konkreten Einzelfall bezo­gene wirtschaftliche Betra­ch­tung, wenn bere­its der aktuell zu beurteilende Steuerpflichtige die wirtschaftliche Grund­lage des späteren Erfol­gs in Form von pos­i­tiv­en Einkün­ften bei seinem unent­geltlichen Recht­snach­fol­ger gelegt hat. Die Annahme ein­er gen­er­a­tio­nenüber­greifend­en Total­gewin­npe­ri­ode set­zt daher auch die Iden­tität der Betriebe des Rechtsvorgängers und des Recht­snach­fol­gers voraus18.

Bei Her­anziehung dieser Grund­sätze kon­nte der Bun­des­fi­nanzhof im hier entsch­iede­nen Fall anhand der Fest­stel­lun­gen des in der Vorin­stanz täti­gen Finanzgerichts Mün­ster19 nicht beurteilen, ob die land­wirtschaftliche Tier­hal­tung in Form der Pfer­de­pen­sion objek­tiv geeignet gewe­sen ist, Gewinn zu erzie­len:

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finan­zamt hat das Finanzgericht jedoch zu Recht entsch­ieden, dass die Total­gewin­nprog­nose gen­er­a­tio­nenüber­greifend unter Ein­beziehung des Recht­snach­fol­gers zu erfol­gen hat und nicht auf die Ver­lust­phase während der Zeit des fün­fjähri­gen Nießbrauchs, den sich der Kläger und E im Zuge der vor­weggenomme­nen Erb­folge vor­be­hal­ten hat­ten, zu beschränken ist.

Das Finanzgericht hat in diesem Zusam­men­hang ins­beson­dere unter Ver­weis auf das BFH, Urteil in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765 zutr­e­f­fend aus­ge­führt, dass die durch den im Rah­men der Gen­er­a­tio­nen­nach­folge vor­be­hal­te­nen Nießbrauch entste­hende dop­pelte Betrieb­sstruk­tur in Gestalt des ruhen­den Eigen­tümer­be­triebs und des wirtschaf­ten­den Betriebs des Nießbrauchs­berechtigten20 der gen­er­a­tio­nenüber­greifend­en Total­gewin­nprog­nose nicht ent­ge­gen­ste­ht.

Nach den Aus­führun­gen des IV. Bun­des­fi­nanzhofs des BFH, denen sich der Bun­des­fi­nanzhof anschließt, ist die Eigen­tum­süber­tra­gung unter Nießbrauchsvor­be­halt im Hin­blick auf den wirtschaf­ten­den Betrieb im Ergeb­nis weit­ge­hend irrel­e­vant, weil die Einkün­fte mit Aus­nahme der Gewinne aus der Veräußerung von Anlagev­er­mö­gen inner­halb der­sel­ben Betrieb­sstruk­tur weit­er­hin von dem bish­eri­gen Eigen­tümer nun­mehr als Nießbrauch­er erzielt wer­den und es steuer­rechtlich keinen Unter­schied macht, ob der wirtschaf­tende Betrieb zusam­men mit dem Eigen­tum­süber­gang oder erst zu einem späteren Zeit­punkt mit dem Weg­fall des Nießbrauchs über­tra­gen wird21. Denn mit der Beendi­gung des Nießbrauchs fall­en der ruhende Eigen­tümer­be­trieb sowie der wirtschaf­tende Nießbrauchs­be­trieb weg, so dass ab diesem Zeit­punkt der Betrieb wieder in der ursprünglichen Form als aktiv bewirtschafteter Eigen­tums­be­trieb nun­mehr vom Recht­snach­fol­ger fort­ge­führt wird. Im Ergeb­nis wird der während des Nießbrauchs in zwei Betriebe (ruhen­der Eigen­tümer­be­trieb und aktiv­er Nießbrauchs­be­trieb) aufges­pal­tene Betrieb in der Per­son des Recht­snach­fol­gers wiedervere­inigt. Diese Vorgänge führen nicht zu ein­er Betrieb­sauf­gabe, son­dern zu ein­er steuerneu­tralen Betrieb­süber­tra­gung nach § 6 Abs. 3 EStG22.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finan­zamtes sind die vorste­hen­den Aus­führun­gen nicht auf Forst­be­triebe zu beschränken23. Die Beson­der­heit­en der Forstwirtschaft bei der Gewin­nung von Nutzhölz­ern und ihrer Ver­w­er­tung im Wege der Holz­ernte führen allein dazu, dass der Total­gewin­nprog­nose regelmäßig ein deut­lich län­ger­er Prog­nosezeitraum von oft mehr als 100 Jahren zugrunde zu leg­en ist als in anderen Fällen. Sie recht­fer­ti­gen es aber nicht, bei der Anwen­dung all­ge­mein­er Grund­sätze zur unent­geltlichen Über­tra­gung unter Nießbrauchsvor­be­halt im Rah­men der vor­weggenomme­nen Erb­folge zwis­chen Forst­be­trieben ein­er­seits und land­wirtschaftlichen Betrieben ander­er­seits zu unter­schei­den. Denn bei bei­den Betrieb­sarten ist diese Art der Betrieb­süber­tra­gung darauf angelegt, den vorüberge­hend aufges­pal­te­nen Betrieb später in der Hand des neuen Eigen­tümers wieder zusam­men­zuführen, weshalb auch der zwis­chen­zeitliche Betrieb des Nießbrauch­ers bei Ende des Nießbrauchs nicht unterge­ht, son­dern in Fort­führung der Buch­w­erte nach § 6 Abs. 3 EStG auf den Eigen­tümer über­tra­gen wird24.

Die hier­nach gebotene gen­er­a­tio­nen- und betrieb­süber­greifende Betra­ch­tung führt dazu, dass in die Total­gewin­nprog­nose sämtliche Betriebe, d.h. der ursprüngliche, wirtschaf­tende Eigen­tümer­be­trieb des Klägers und der E, der ruhende Eigen­tümer­be­trieb des B als Recht­snach­fol­ger, der Nießbrauchs­be­trieb und der wirtschaf­tende Eigen­tümer­be­trieb des B, einzubeziehen sind. Soweit während der Zeit der Nießbrauchs­bestel­lung zwei Betriebe existieren, sind diese im Rah­men der Total­gewin­npro­gose fik­tiv zu kon­so­li­dieren. Dies hat aber lediglich zur Folge, dass etwaige Leis­tungs­beziehun­gen zwis­chen diesen Betrieben zur Ermit­tlung eines Total­gewinns eli­m­iniert wer­den25.

Das Finanzgericht hat auf dieser Grund­lage aus­ge­führt, es könne nicht fest­gestellt wer­den, dass die Pfer­de­pen­sion nach ihrer Wesen­sart und der Art ihrer Bewirtschaf­tung auf die Dauer gese­hen nicht nach­haltig mit Gewin­nen arbeit­en könne. Dabei hat sich das Finanzgericht zum einen auf die einge­holten Gutacht­en der Land­wirtschaft­skam­mer zur Doku­men­ta­tion der Gewin­nerzielungsab­sicht gestützt. Zum anderen hat es maßge­blich auf die konkrete Betrieb­s­führung abgestellt, die auf die Ver­lust­si­t­u­a­tion reagiert habe, indem sie die zunächst unzure­ichende Ein­nahme­seite durch die Umstel­lung auf die Ver­mi­etung der Pfer­de­box­en in Eigen­regie stetig verbessert und auch die Attrak­tiv­ität des Ange­bots des Pen­sion­sstalls durch die weit­ere Rei­thalle gesteigert habe, zumal sich der Betrieb auch zum Ende des Stre­itzeitraums noch im Auf- und Aus­bau befun­den habe und erhe­bliche stille Reser­ven bein­halte. Anhalt­spunk­te dafür, dass die Unter­hal­tung ein­er Pfer­de­pen­sion per­sön­lichen Nei­gun­gen des Klägers und der E entsprun­gen wäre, kon­nte das Finanzgericht nicht fest­stellen.

Zwar unter­liegen sowohl die Fest­stel­lung, ob im Einzelfall Einkün­f­teerzielungsab­sicht vor­liegt, als auch die in diesem Zusam­men­hang vom Finanzgericht zu tre­f­fende Prog­nose als Tat­frage regelmäßig der Bindungswirkung des § 118 Abs. 2 FGO26. Die tatrichter­liche Bindungswirkung beste­ht jedoch dann nicht, wenn aus den Grün­den des ange­focht­e­nen Urteils nicht nachvol­lziehbar ist, aus welchen Tat­sachen das Finanzgericht eine Schlussfol­gerung tat­säch­lich­er Art abgeleit­et hat27.

Angesichts der bis zum Ende des Stre­itzeitraums und auch darüber hin­aus aufge­laufe­nen Ver­luste ist vor­liegend nicht erkennbar, worauf das Finanzgericht seine Überzeu­gung stützt, der Betrieb sei im Stre­it­fall in der Lage, einen Total­gewinn zu erzie­len. Eine belast­bare Schätzung unter Zugrun­dele­gung der bere­its ange­fal­l­enen Ver­luste, der kün­fti­gen Ertragsen­twick­lung sowie eines (fik­tiv­en) Veräußerungs- oder Auf­gabegewinns hat das Finanzgericht nicht vorgenom­men.

Das Finanzgericht wird im zweit­en Rechts­gang daher zunächst zu prüfen haben, ob der Pfer­de­pen­sions­be­trieb im Stre­it­fall in der Lage war, die aufge­laufe­nen Ver­luste durch kün­ftige Gewinne zu kom­pen­sieren und ins­ge­samt einen Total­gewinn zu erzie­len. Unter den Umstän­den des Stre­it­falls ‑ins­beson­dere der Umstruk­turierung des zuvor aus Acker­bau und Viehhal­tung beste­hen­den land­wirtschaftlichen Betriebs in den stre­it­ge­gen­ständlichen Pen­sions­be­trieb ab dem Jahr 1996 mit Neuer­rich­tung der hier­für erforder­lichen Gebäude- beste­hen aus Sicht des Bun­des­fi­nanzhofs keine Bedenken, den mit der Umstruk­turierung begin­nen­den Prog­nosezeitraum vor­liegend mit 30 Jahren zu ver­an­schla­gen28.

Sollte die Total­gewin­nprog­nose neg­a­tiv aus­fall­en, so wird das Finanzgericht zu prüfen haben, ob die Ver­luste der Stre­it­jahre gle­ich­wohl (noch) als Anlaufver­luste zu berück­sichti­gen sind. Dies wäre dann nicht der Fall, wenn auf Grund der bekan­nten Entwick­lung des Betriebs ein­deutig fest­ste­ht, dass er, so wie er von den Steuerpflichti­gen betrieben wurde, von vorn­here­in nicht in der Lage war, nach­haltige Gewinne zu erzie­len und deshalb nach objek­tiv­er Beurteilung von Anfang an keine Einkun­ft­squelle i.S. des Einkom­men­steuer­rechts darstellte29.

Auf die Wirtschaftlichkeits­berech­nun­gen der Land­wirtschaft­skam­mer zur Doku­men­ta­tion der Gewin­nerzielungsab­sicht kann sich das Gericht hier­bei nicht ohne weit­eres stützen. Zum einen wur­den diese vom Kläger erst nachträglich im zeitlichen Zusam­men­hang mit der ersten Außen­prü­fung im Jahre 2003 einge­holt. Zum anderen weichen die darin kalkulierten Ergeb­nisse gravierend von den tat­säch­lich erziel­ten Ver­lus­ten ab, so dass nicht erkennbar ist, auf welch­er Grund­lage die Land­wirtschaft­skam­mer zu ihrer gün­stigeren Prog­nose gelangt ist. Insoweit wäre zudem erforder­lich, die grundle­gen­den Annah­men (Erhöhung des Pen­sion­spreis­es um 27,77 € pro Pferd und Monat bzw. eine ‑durchgängige- volle Stal­laus­las­tung) auf ihre Real­isier­barkeit zu über­prüfen.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 23. Okto­ber 2018 — VI R 5/17

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 07.04.2016 — IV R 38/13, BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765 []
  2. BFH, Urteil vom 09.03.2017 — VI R 86/14, BFHE 257, 561, BSt­Bl II 2017, 981, Rz 10, m.w.N. []
  3. grundle­gend BFH, Beschluss vom 25.06.1984 — GrS 4/82, BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.IV.03.c []
  4. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.IV.03.c aa (2) []
  5. z.B. BFH, Urteil vom 29.03.2001 — IV R 88/99, BFHE 195, 267, BSt­Bl II 2002, 791, und BFH, Urteil in BFHE 257, 561, BSt­Bl II 2017, 981, Rz 12 []
  6. ständi­ge Recht­sprechung, vgl. z.B. BFH, Urteile vom 26.02.2004 — IV R 43/02, BFHE 205, 243, BSt­Bl II 2004, 455; vom 17.11.2004 — X R 62/01, BFHE 208, 522, BSt­Bl II 2005, 336; und vom 23.08.2017 — X R 27/16, BFH/NV 2018, 36, Rz 16 []
  7. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.IV.03.c bb []
  8. BFH, Urteil vom 25.11.2004 — IV R 8/03, BFH/NV 2005, 854 []
  9. BFH, Urteil vom 11.10.2007 — IV R 15/05, BFHE 219, 508, BSt­Bl II 2008, 465 []
  10. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.IV.03.c bb (1) []
  11. BFH, Urteil in BFHE 219, 508, BSt­Bl II 2008, 465 []
  12. ständi­ge Recht­sprechung, BFH, Urteile vom 24.08.2000 — IV R 46/99, BFHE 192, 542, BSt­Bl II 2000, 674; vom 30.08.2007 — IV R 12/05, BFH/NV 2008, 759; vom 07.04.2016 — IV R 38/13, BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, Rz 24, und BFH, Urteil in BFHE 257, 561, BSt­Bl II 2017, 981, Rz 12 []
  13. BFH, Beschluss vom 18.04.2018 — I R 2/16, BFHE 261, 298, BSt­Bl II 2018, 567, Rz 20 ff. auch zu weit­eren Aus­nah­men []
  14. zulet­zt BFH, Urteil in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, Rz 24; zur Ein­beziehung des unent­geltlichen Recht­snach­fol­gers in die Prü­fung der Einkün­f­teerzielungsab­sicht bei Ver­mi­etung und Ver­pach­tung s.a. BFH, Urteil vom 06.11.2001 — IX R 97/00, BFHE 197, 151, BSt­Bl II 2002, 726, unter II. 1.e cc []
  15. s. BFH, Urteil in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, Rz 24 []
  16. BFH, Urteil in BFHE 192, 542, BSt­Bl II 2000, 674; eben­so Kan­zler, NWB 2016, 2716 []
  17. s. BFH (GrS), Beschluss vom 17.12 2007 — GrS 2/04, BFHE 220, 129, BSt­Bl II 2008, 608, unter D.III. 6.b; und BFH, Beschluss in BFHE 261, 298, BSt­Bl II 2018, 567, Rz 24 []
  18. BFH, Urteil in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, Rz 24 []
  19. FG Mün­ster, Urteil vom 16.12.2016 — 4 K 2629/14 F []
  20. s. hierzu BFH, Urteile vom 15.10.1987 — IV R 66/86, BFHE 152, 62, BSt­Bl II 1988, 260, und in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, Rz 26 []
  21. BFH, Urteil in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, Rz 28 []
  22. BFH, Urteil in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, Rz 28 []
  23. s. Wendt, BFH/PR 2016, 298; eben­so Fels­mann, Einkom­mens­besteuerung der Land- und Forstwirte, A Rz 195c; Kan­zler, NWB 2016, 2716; ders. in Kanzler/Kraft/Bäuml, EStG, § 2 Rz 93; Krumm, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, § 13 Rz B 96a; Leingärtner/Krumm, Besteuerung der Land­wirte, Kap. 4, Rz 9a; Kube in Kirch­hof, EStG, 17. Aufl., § 13 Rz 8; Paul in Herrmann/Heuer/Raupach, § 13 EStG Rz 50; Stöber, Finanz-Rund­schau 2017, 801, 808 []
  24. vgl. BFH, Urteile vom 12.12 2013 — IV R 17/10, BFHE 244, 23, BSt­Bl II 2014, 316, Rz 22, und in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, Rz 28; Wendt, BFH/PR 2016, 298 []
  25. BFH, Urteil in BFHE 253, 390, BSt­Bl II 2016, 765, Rz 29 []
  26. s. BFH, Urteil in BFHE 197, 151, BSt­Bl II 2002, 726, unter II. 1.h []
  27. BFH, Urteil vom 20.09.2007 — IV R 20/05, BFH/NV 2008, 532, unter II. 2.e []
  28. zu einem entsprechen­den Prog­nosezeitraum bei Ver­pach­tung eines aus land­wirtschaftlichen Grund­stücks­flächen und Gebäu­den beste­hen­den Anwe­sens, das für den Betrieb ein­er Pfer­de­pen­sion­shal­tung und Pfer­dezucht zu dienen bes­timmt ist, s. BFH, Urteil vom 16.09.2015 — IX R 31/14, BFH/NV 2016, 188, Rz 13 []
  29. vgl. BFH, Urteile vom 06.03.1980 — IV R 182/78, BFHE 131, 18, BSt­Bl II 1980, 718; vom 15.11.1984 — IV R 139/81, BFHE 142, 464, BSt­Bl II 1985, 205, und in BFH/NV 2008, 532, unter II. 2.c []