Steu­er­schuld des Leis­tungs­emp­fän­gers bei bestehen­der Organschaft

Bei einer Organ­schaft bezieht der Organ­trä­ger die Ein­gangs­leis­tung, so dass es für § 13b Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 2 Nr. 4 UStG auf die Außen­um­sät­ze des Organ­krei­ses ankommt.

Steu­er­schuld des Leis­tungs­emp­fän­gers bei bestehen­der Organschaft

Der Organ­trä­ger ist mit­hin für die von der Organ­ge­sell­schaft bezo­ge­nen Bau­leis­tun­gen nicht Steu­er­schuld­ner. Bei einer Organ­schaft bezieht der Organ­trä­ger, nicht aber die Organ­ge­sell­schaft die Ein­gangs­leis­tung, so dass es bei § 13b Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 2 Nr. 4 UStG auf die dem Organ­trä­ger zuzu­ord­nen­den Außen­um­sät­ze und nicht auf nicht­steu­er­ba­re Innen­um­sät­ze der Unter­neh­men des Organ­krei­ses ankommt.

Nach § 13b Abs. 2 Satz 2 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 UStG (ab 01.07.2010: § 13b Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 2 Nr. 4 UStG) ist der Leis­tungs­emp­fän­ger Steu­er­schuld­ner für Werk­lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die der Her­stel­lung, Instand­set­zung, Instand­hal­tung, Ände­rung oder Besei­ti­gung von Bau­wer­ken die­nen, wenn er ein Unter­neh­mer ist, der die­se Leis­tun­gen erbringt. Aus­ge­nom­men sind Pla­nungs- und Überwachungsleistungen.

Für die Ent­ste­hung der Steu­er­schuld beim Leis­tungs­emp­fän­ger kommt es dar­auf an, dass der Leis­tungs­emp­fän­ger die an ihn erbrach­te Werk­lie­fe­rung oder sons­ti­ge Leis­tung, die der Her­stel­lung, Instand­set­zung, Instand­hal­tung, Ände­rung oder Besei­ti­gung von Bau­wer­ken dient, sei­ner­seits zur Erbrin­gung einer der­ar­ti­gen Leis­tung ver­wen­det [1]. Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an die­ser Recht­spre­chung zur dama­li­gen Rechts­la­ge wei­ter fest.

Bezieht eine Organ­ge­sell­schaft eine Bau­leis­tung und ver­wen­det sie die­se für eine Bau­leis­tung an eine ande­re mit ihr organ­schaft­lich ver­bun­de­nen Gesell­schaft, so kommt es für die Leis­tungs­ver­wen­dung i.S. des BFH, Urteils in BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128 nicht auf die­sen Innen­um­satz, son­dern dar­auf an, für wel­chen ‑dem Organ­trä­ger zuor­den­ba­ren- Außen­um­satz die bezo­ge­ne Bau­leis­tung ver­wen­det wird.

Nach stän­di­ger BFH-Recht­spre­chung führt die durch § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG ange­ord­ne­te Unselb­stän­dig­keit der Organ­ge­sell­schaft dazu, dass deren Tätig­keit dem Organ­trä­ger zuzu­rech­nen ist. Im Rah­men der Organ­schaft kommt der in § 2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 3 UStG ange­ord­ne­ten Behand­lung der inlän­di­schen Unter­neh­mens­tei­le als ein Unter­neh­men Vor­rang gegen­über der sich aus § 2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 2 UStG erge­ben­den Beschrän­kung der Organ­schaft auf Innen­leis­tun­gen zwi­schen den im Inland gele­ge­nen Unter­neh­mens­tei­len des Organ­krei­ses zu [2]. Dar­aus folgt nicht nur die Nicht­steu­er­bar­keit von sog. Innen­um­sät­zen zwi­schen den Mit­glie­dern des Organ­krei­ses; viel­mehr hat der Organ­trä­ger auch die Umsät­ze der Organ­ge­sell­schaf­ten als Außen­um­sät­ze zu ver­steu­ern. Damit wirkt sich die organ­schaft­li­che Ver­bin­dung nicht nur im Innen­ver­hält­nis aus ‑z.B. bei der Inan­spruch­nah­me des Vor­steu­er­ab­zugs, der sich nach der Ver­wen­dung von Ein­gangs­leis­tun­gen für Außen­um­sät­ze des Organ­krei­ses (und nicht nach der Ver­wen­dung für Innen­um­sät­ze) richtet‑, son­dern auch auf die dem Organ­trä­ger zuzu­ord­nen­den Außen­um­sät­ze und deren umsatz­steu­er­recht­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on [3].

Die organ­schaft­li­che Zusam­men­fas­sung ist auch bei § 13b Abs. 2 Satz 2 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 UStG (ab 01.07.2010: § 13b Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 2 Nr. 4 UStG) zu beach­ten, so dass es auf die dem Organ­trä­ger zuzu­ord­nen­den Außen­um­sät­ze und nicht auf nicht­steu­er­ba­re Innen­um­sät­ze der Unter­neh­men des Organ­krei­ses ankommt.

Bestä­tigt wird dies durch den Wort­laut der gesetz­li­chen Rege­lung. Steu­er­schuld­ner nach § 13b Abs. 2 Satz 2 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 UStG (ab 01.07.2010: § 13b Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 2 Nr. 4 UStG) ist der Leis­tungs­emp­fän­ger, wenn er ein Unter­neh­mer ist, der die dort beschrie­be­nen Bau­leis­tun­gen erbringt. Die Unter­nehmer­ei­gen­schaft rich­tet sich dabei nach der all­ge­mei­nen Unter­neh­mer­de­fi­ni­ti­on in § 2 UStG. Mit­hin ist auch inso­weit die Son­der­re­ge­lung zur Organ­schaft nach § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG zu beach­ten. Unter­neh­mer im Rah­men der Organ­schaft ist nur der Organ­trä­ger, da die Organ­ge­sell­schaf­ten ihre Tätig­kei­ten nicht selb­stän­dig aus­üben. Daher hat im Streit­fall auf­grund der Organ­schaft der Organ­trä­ger als Organ­trä­ger, nicht aber die GmbH als Organ­ge­sell­schaft die Bau­leis­tung, auf die das Finanz­amt § 13b UStG anwen­den will, bezogen.

Hier­für spricht auch die uni­ons­recht­li­che Grund­la­ge der Organ­schaft in Art. 11 der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem, wonach die mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Per­so­nen als ein Steu­er­pflich­ti­ger zu behan­deln sind. Der Gegen­auf­fas­sung von Sta­die, in Rau/​Dürrwächter, Umsatz­steu­er­ge­setz, § 13b Rz 384, auf die sich das Finanz­amt bezo­gen hat, schließt sich der Bun­des­fi­nanz­hof daher nicht an.

Die hier­ge­gen gerich­te­ten Ein­wen­dun­gen grei­fen nicht durch. Ins­be­son­de­re kommt es nach dem BFH, Urteil in BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128 nicht auf die Über­le­gun­gen zu einem Welt­um­satz an. Soweit das Finanz­amt auf Abschn. 13b.3 Abs. 7 UStAE hin­weist, ergibt sich dar­aus nur ein Erfor­der­nis des (nach­hal­ti­gen) Erbrin­gens von Bau­leis­tun­gen, ohne dass sich die Finanz­ver­wal­tung wei­ter­ge­hend dazu äußert, ob sie damit bei einer Organ­schaft deren Innen- oder Außen­um­sät­ze meint. Soll­te sie dabei auf Innen­um­sät­ze abstel­len, folgt dem der Bun­des­fi­nanz­hof aus den vor­ste­hend auf­ge­führ­ten Grün­den nicht. Die vom Finanz­amt ange­führ­te Pro­ble­ma­tik der rechts­si­che­ren Bestim­mung des Steu­er­schuld­ners bestand im Übri­gen nach der in den Streit­jah­ren bestehen­den Rechts­la­ge all­ge­mein [4] und ist erst auf­grund der Ein­füh­rung eines Beschei­ni­gungs­ver­fah­rens durch § 13b Abs. 5 Satz 2 UStG in sei­ner ab 01.10.2014 gel­ten­den Fas­sung (Art. 8 Nr. 2 Buchst. b Dop­pel­buchst. bb des Geset­zes zur Anpas­sung des natio­na­len Steu­er­rechts an den Bei­tritt Kroa­ti­ens zur EU und zur Ände­rung wei­te­rer steu­er­li­cher Vor­schrif­ten vom 25.07.2014 [5]) gemin­dert. Die­ses Beschei­ni­gungs­ver­fah­ren ermög­licht nun­mehr auch in Fäl­len der Organ­schaft eine rechts­si­che­re Bestim­mung des Steuerschuldners.

Auf die Fra­ge der Ver­ein­bar­keit der Organ­schaft mit dem Uni­ons­recht [6] kommt es im hier ent­schie­de­nen Streit­fall, in dem der vom Finanz­amt gel­tend gemach­te Steu­er­an­spruch auch auf der Grund­la­ge einer Organ­schaft nicht besteht, nicht an.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Juli 2020 – V R 32/​19

Steuerschuld des Leistungsempfängers bei bestehender Organschaft
  1. BFH, Urteil in BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128[]
  2. BFH, Urteil vom 29.10.2008 – XI R 74/​07, BFHE 223, 498, BStBl II 2009, 256, unter II. 2.d[]
  3. vgl. bei­spiel­haft die BFH, Urtei­le in BFHE 223, 498, BStBl II 2009, 256, unter II. 2.d; vom 06.05.2010 – V R 26/​09, BFHE 230, 256, BStBl II 2010, 1114, Leit­satz 3; vom 10.08.2017 – V R 64/​16, BFHE 259, 166, BStBl II 2019, 455, unter II. 2.b; und vom 01.03.2018 – V R 23/​17, BFHE 261, 369, BStBl II 2018, 503, unter II. 2.a bb[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128, unter II. 3.b cc[]
  5. BGBl I 2014, 1266[]
  6. vgl. hier­zu BFH, Beschlüs­se vom 11.12.2019 – XI R 16/​18,DStR 2020, 645; und vom 07.05.2020 – V R 40/​19, DStR 2020, 1367[]