Steu­er­hin­ter­zie­hung mit Abdeck­rech­nun­gen – und der Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug

Betriebs­aus­ga­ben wir­ken sich ertrag­steu­er­lich wegen des Kom­pen­sa­ti­ons­ver­bots nicht auf den Schuld­um­fang aus, wenn sie durch Vor­la­ge von Schein­rech­nun­gen über in Wirk­lich­keit nicht ent­stan­de­ne Betriebs­aus­ga­ben ver­schlei­ert wer­den [1].

Steu­er­hin­ter­zie­hung mit Abdeck­rech­nun­gen – und der Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug

Die tat­säch­lich ent­stan­de­nen Betriebs­aus­ga­ben sind erst im Rah­men der Straf­zu­mes­sung zu berück­sich­ti­gen [2].

Die­se Fall­kon­stel­la­ti­on ist von der­je­ni­gen zu unter­schei­den, in der – anders als bei Abde­ckungs­rech­nun­gen – sowohl die Betriebs­ein­nah­men als auch die zuge­hö­ri­gen Betriebs­aus­ga­ben in der Steu­er­erklä­rung ver­schwie­gen wor­den sind [3].

Und die Ein­zie­hung?

Aller­dings ist der Schuld­um­fang nicht mit dem für den Umfang der Ein­zie­hung maß­geb­li­chen Wert des Tat­er­lang­ten gleich­zu­set­zen.

Für die Ein­zie­hung maß­geb­lich ist beim Delikt der Steu­er­hin­ter­zie­hung allein, ob und ggf. in wel­chem Umfang sich die für die ver­kürz­ten Steu­ern erspar­ten Auf­wen­dun­gen im Ver­mö­gen des Täters nie­der­schla­gen [4]. Im Fal­le von Schein­rech­nun­gen, die als sog. Abdeck­rech­nun­gen tat­säch­lich ent­stan­de­ne Betriebs­aus­ga­ben ver­schlei­ern, fehlt es aber im Umfang die­ser Betriebs­aus­ga­ben an einem Zuwachs im Ver­mö­gen des Täters. Für die Bestim­mung des Werts des Tat­er­lang­ten ist daher bei der Hin­ter­zie­hung von Ertrag­steu­ern die ver­kürz­te Steu­er unter Berück­sich­ti­gung die­ser Betriebs­aus­ga­ben zu berech­nen.

So ver­hält es sich auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Im Hin­blick auf die mit den Schein­rech­nun­gen der Fir­ma H. ver­schlei­er­ten, sich auf den zu ver­steu­ern­den Gewinn aus­wir­ken­den Betriebs­aus­ga­ben für „Schwarz­käu­fe“ von Palet­ten und Trans­port­be­hält­nis­sen bei Drit­ten fehlt es an einem ent­spre­chen­den Zuwachs im Ver­mö­gen des Ange­klag­ten, in dem sich die erspar­ten Auf­wen­dun­gen für die ver­kürz­ten Steu­ern nie­der­schla­gen könn­ten. Das Kom­pen­sa­ti­ons­ver­bot kann inso­weit kei­ne Anwen­dung fin­den. Aus der Vor­schrift des § 160 Abs. 1 AO ergibt sich nichts Abwei­chen­des; denn der dort gere­gel­te Fall, dass der Steu­er­pflich­ti­ge dem Ver­lan­gen der Finanz­be­hör­de nicht nach­kommt, die Gläu­bi­ger oder Emp­fän­ger genau zu benen­nen, liegt hier nicht vor.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. August 2020 – 1 StR 198/​20

Steuerhinterziehung mit Abdeckrechnungen - und der Betriebsausgabenabzug
  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.09.1990 – 3 StR 188/​90 Rn. 4, BGHR AO § 370 Abs. 4 Satz 3 Ein­kom­men­steu­er 4; Urteil vom 08.05.1979 – 1 StR 51/​79 Rn. 7 f.; zum anders gela­ger­ten Sach­ver­halt der blo­ßen Falsch­be­zeich­nung des Zah­lungs­emp­fän­gers infol­ge der Anga­be fin­gier­ter Lie­fe­ran­ten: BGH, Urteil vom 22.11.1985 – 2 StR 64/​85 Rn. 32 ff., 45 f., BGHSt 33, 383, 385 ff.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 06.09.2011 – 1 StR 633/​10 Rn. 120; Beschluss vom 12.09.1990 – 3 StR 188/​90 Rn. 4[]
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 31.01.1978 – 5 StR 458/​77; Beschlüs­se vom 19.07.2007 – 5 StR 251/​07 Rn. 10; und vom 04.05.1990 – 3 StR 72/​90 Rn. 10; Jäger in Klein, AO, 15. Aufl., § 370 Rn. 135; vgl. auch BGH, Beschluss vom 05.09.2019 – 1 StR 12/​19 Rn. 21 f.[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 11.07.2019 – 1 StR 620/​18 Rn.19 f.[]