Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die Fra­ge der grund­sätz­li­chen Bedeutung

Eine Rechts­sa­che hat grund­sätz­li­che Bedeu­tung i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO, wenn die für die Beur­tei­lung des Streit­falls maß­geb­li­che Rechts­fra­ge das Inter­es­se der All­ge­mein­heit an der ein­heit­li­chen Ent­wick­lung und Hand­ha­bung des Rechts berührt. Dabei muss die Rechts­fra­ge klä­rungs­be­dürf­tig und in dem ange­streb­ten Revi­si­ons­ver­fah­ren klä­rungs­fä­hig sein [1].

Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die Fra­ge der grund­sätz­li­chen Bedeutung

Eine Rechts­fra­ge ist klä­rungs­be­dürf­tig, wenn ihre Beant­wor­tung zu Zwei­feln Anlass gibt, so dass meh­re­re Lösun­gen ver­tret­bar sind [2]. An der Klä­rungs­be­dürf­tig­keit fehlt es jedoch, wenn sich die Beant­wor­tung der Rechts­fra­ge ohne wei­te­res aus dem kla­ren Wort­laut und Sinn­ge­halt des Geset­zes ergibt oder die Rechts­fra­ge offen­sicht­lich so zu beant­wor­ten ist, wie es das Finanz­ge­richt (FG) in sei­ner Ent­schei­dung getan hat, wenn die Rechts­la­ge also ein­deu­tig ist [3]. Dar­über hin­aus ist eine Rechts­fra­ge auch dann nicht klä­rungs­be­dürf­tig, wenn sie durch die Recht­spre­chung des BFH hin­rei­chend geklärt ist und kei­ne neu­en Gesichts­punk­te erkenn­bar oder vor­ge­tra­gen sind, die eine erneu­te Prü­fung und Ent­schei­dung die­ser Fra­ge durch den Bun­des­fi­nanz­hof gebo­ten erschei­nen las­sen [4].

Die von dem Beschwer­de­füh­rer her­aus­zu­stel­len­de Rechts­fra­ge muss außer­dem in einem künf­ti­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren klä­rungs­fä­hig sein. Eine Rechts­fra­ge ist klä­rungs­fä­hig, wenn sie auf Grund­la­ge der nach § 118 Abs. 2 FGO bin­den­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt ent­schei­dungs­er­heb­lich ist [5].

Bei dem Zulas­sungs­grund der Erfor­der­lich­keit einer Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Fort­bil­dung des Rechts (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alter­na­ti­ve 1 FGO) han­delt es sich um einen Spe­zi­al­tat­be­stand der Revi­si­ons­zu­las­sung wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung. Die­ser Zulas­sungs­grund setzt damit eben­falls u.a. vor­aus, dass der Beschwer­de­füh­rer eine klä­rungs­be­dürf­ti­ge und klär­ba­re Rechts­fra­ge auf­wirft [6]

Soweit die Klä­ger mei­nen, eine Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs sei zur Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung erfor­der­lich, gehört zur schlüs­si­gen Dar­le­gung einer Diver­genz­rü­ge i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alter­na­ti­ve 2 FGO u.a. eine hin­rei­chend genaue Bezeich­nung der ver­meint­li­chen Diver­genz­ent­schei­dung sowie die Gegen­über­stel­lung tra­gen­der, abs­trak­ter Rechts­sät­ze aus dem ange­foch­te­nen Urteil des Finanz­ge­richt einer­seits und aus der behaup­te­ten Diver­genz­ent­schei­dung ande­rer­seits, um eine Abwei­chung erkenn­bar zu machen [7]. Dar­über hin­aus hat der Beschwer­de­füh­rer dar­zu­le­gen, dass das ange­foch­te­ne Urteil und die vor­geb­li­che Diver­genz­ent­schei­dung die­sel­be Rechts­fra­ge betref­fen und zu glei­chen oder ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten ergan­gen sind [8].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. August 2020 – VI B 1/​20

Nichtzulassungsbeschwerde - und die Frage der grundsätzlichen Bedeutung
  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschlüs­se vom 24.05.2012 – VI B 120/​11, Rz 5; und vom 15.01.2018 – VI B 77/​17, Rz 3[]
  2. BFH, Beschluss vom 11.11.2015 – VII B 57/​15, Rz 6[]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschlüs­se vom 18.12.1998 – VI B 215/​98, BFHE 187, 559, BStBl II 1999, 231; und vom 31.05.2000 – X B 111/​99, BFH/​NV 2000, 1461[]
  4. BFH, Beschluss vom 04.05.1999 – IX B 38/​99, BFHE 188, 395, BStBl II 1999, 587[]
  5. s. BFH, Beschlüs­se vom 08.04.2004 – VII B 110/​03, BFH/​NV 2004, 1310; vom 04.11.2009 – VI B 43/​09; und vom 27.09.2010 – II B 164/​09, Rz 3[]
  6. BFH, Beschlüs­se vom 13.11.2012 – II B 123/​11, Rz 2, m.w.N.; und vom 04.07.2018 – IX B 114/​17, Rz 4[]
  7. BFH, Beschluss vom 15.03.2011 – VI B 151/​10, Rz 9[]
  8. z.B. BFH, Beschluss vom 12.10.2011 – III B 56/​11, Rz 2[]