Nach­trags­ver­tei­lung nach Auf­he­bung des Insol­venz­ver­fah­rens – und die Wie­der­auf­nah­me des finanz­ge­richt­li­chen Verfahrens

Ord­net das Insol­venz­ge­richt nach Auf­he­bung des Insol­venz­ver­fah­rens Nach­trags­ver­tei­lung durch den frü­he­ren Insol­venz­ver­wal­ter an, tritt für den im Beschluss genann­ten Gegen­stand der Nach­trags­ver­tei­lung wie­der Insol­venz­be­schlag ein mit der Fol­ge, dass inso­weit die Ver­wal­tungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis beim frü­he­ren Insol­venz­ver­wal­ter liegt. Die durch die Auf­he­bung des Insol­venz­ver­fah­rens ein­ge­tre­te­ne Unter­bre­chung eines finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens wird spä­tes­tens durch das Fort­set­zungs­be­geh­ren des frü­he­ren Insol­venz­ver­wal­ters beendet.

Nach­trags­ver­tei­lung nach Auf­he­bung des Insol­venz­ver­fah­rens – und die Wie­der­auf­nah­me des finanz­ge­richt­li­chen Verfahrens

Zwar ent­fällt mit Been­di­gung des Insol­venz­ver­fah­rens neben der Ver­wal­tungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Insol­venz­ver­wal­ters zugleich sei­ne Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis, und zwar auch dann, wenn er Adres­sat der ange­foch­te­nen Beschei­de war, die Gegen­stand des Ver­fah­rens sind; wird jedoch eine Nach­trags­ver­tei­lung (§ 203 InsO) ange­ord­net, bleibt der Insol­venz­ver­wal­ter u.a. aus­nahms­wei­se befugt, anhän­gi­ge Pro­zes­se fort­zu­set­zen, mit denen die der Nach­trags­ver­tei­lung vor­be­hal­te­nen Mas­se­ak­ti­va rea­li­siert wer­den sol­len[1].

So lag es auch in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Rechtsstreit:

Zwar war durch den Beschluss des Insol­venz­ge­richts vom 28.05.2019, der kei­nen Vor­be­halt der Nach­trags­ver­tei­lung ent­hielt, die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis des Insol­venz­ver­wal­ters zunächst ent­fal­len. Mit der Auf­he­bung des Insol­venz­ver­fah­rens ging außer­dem zunächst die Unter­bre­chung des Revi­si­ons­ver­fah­rens ein­her[2].

Mit der Anord­nung der Nach­trags­ver­tei­lung durch Beschluss des Insol­venz­ge­richts vom 13.06.2019 trat aller­dings eine erneu­te Insol­venz­be­schlag­nah­me für den dar­in genann­ten Gegen­stand der Nach­trags­ver­tei­lung ein mit der Fol­ge, dass inso­weit nun­mehr die Ver­wal­tungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis (wie­der) beim Klä­ger als (frü­he­rem) Insol­venz­ver­wal­ter liegt[3].

Der Beschluss des Insol­venz­ge­richts vom 13.06.2019, der als Gegen­stand der Nach­trags­ver­tei­lung „mög­li­che Ansprü­che bzgl. der Ableh­nung der Ver­an­la­gung 2008 (Ver­lust­rück­trag 2007), Finanz­ge­richt Nürn­berg, Az.: 1 K 488/​17″ nennt, ist dahin aus­zu­le­gen, dass er auch das ‑damals bereits anhän­gi­ge- Revi­si­ons­ver­fah­ren umfasst. Aus­ge­hend von die­ser Aus­le­gung ist der Beschluss hin­rei­chend bestimmt[4]. Ins­be­son­de­re bestehen auf­grund der Anga­be des Akten­zei­chens des Finanz­ge­richt kei­ne Unsi­cher­hei­ten bei der Iden­ti­fi­zie­rung der von der Nach­trags­ver­tei­lung erfass­ten (mög­li­chen) Ansprüche.

Die Unter­bre­chung des Revi­si­ons­ver­fah­rens ist spä­tes­tens durch das Fort­set­zungs­be­geh­ren des Klä­gers (Insol­venz­ver­wal­ters) been­det wor­den. Ob die Been­di­gung bereits durch den Beschluss des Insol­venz­ge­richts vom 13.06.2019 ein­ge­tre­ten ist, bedarf kei­ner Entscheidung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2020 – XI R 1/​19

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 06.07.2011 – II R 34/​10, BFH/​NV 2012, 10, Rz 10 f.; vom 26.02.2014 – I R 12/​14, BFH/​NV 2014, 1544, Rz 14; vom 20.09.2016 – VII R 10/​15, BFH/​NV 2017, 442, Rz 15 f.; BFH, Beschluss vom 26.02.2014 – I R 59/​12, BFHE 246, 27, BStBl II 2014, 1016, Rz 9[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2012, 10, Rz 16[]
  3. vgl. all­ge­mein BFH, Urteil vom 28.02.2012 – VII R 36/​11, BFHE 236, 202, BStBl II 2012, 451, Rz 12; BFH, Beschluss vom 04.09.2008 – VII B 239/​07, BFH/​NV 2009, 6, unter II. 1., Rz 8[]
  4. vgl. zu den Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit des Beschlus­ses BFH, Urteil in BFH/​NV 2017, 442, Rz 22 ff.[]