Nachträgliche Berichtigung auf der Zustellungsurkunde

Nach § 182 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 418 Abs. 1 ZPO, der auch im finanzgerichtlichen Verfahren gilt[1], begründet die Zustellungsurkunde vollen Beweis des darin bezeugten Zustellungsvorgangs.

Nachträgliche Berichtigung auf der Zustellungsurkunde

Inwiefern Durchstreichungen die Beweiskraft der Urkunde ganz oder teilweise aufheben oder mindern, entscheidet das Gericht gemäß § 419 ZPO nach freier Überzeugung.

Eine nachträgliche Berichtigung, etwa durch einen von dem Zusteller unterzeichneten Vermerk auf der Urkunde, ist möglich[2] und ebenfalls nach § 419 ZPO zu würdigen[3].

Die Beweiskraft einer Zustellungsurkunde kann nicht durch die bloße Behauptung, das Schriftstück nicht erhalten zu haben, beseitigt werden[4]. Ein Gegenbeweis erfordert vielmehr den Beweis der Unrichtigkeit der in der Zustellungsurkunde bezeugten Tatsachen[5].

Das Gericht hat die Beweiskraft der Zustellungsurkunde und die Beweiskraft etwaiger Gegenbeweismittel gegeneinander abzuwägen[6].

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 23. November 2016 – IV B 39/16

  1. BFH, Beschluss vom 18.01.2011 – IV B 53/09[]
  2. BVerwG, Urteil vom 26.06.1984 – 9 CB 1092/81; Zöller/Stöber, ZPO, 31. Aufl., § 182 Rz 20[]
  3. BGH, Urteil vom 19.07.2007 – I ZR 136/05[]
  4. BFH, Beschluss vom 21.08.2002 – VIII B 58/02, BFH/NV 2003, 176[]
  5. BFH, Urteil vom 20.02.1992 – V R 39/88, BFH/NV 1992, 580, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 18.01.2011 – IV B 53/09[]
  6. BFH, Urteil vom 28.07.2015 – VIII R 50/13[]