För­de­rung des Umwelt­schut­zes

Eine Kör­per­schaft för­dert schon dann den Umwelt­schutz (§ 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 8 AO), wenn sie Maß­nah­men durch­führt, die „dar­auf gerich­tet sind“, u.a. die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen der Men­schen zu sichern. Für die Gewäh­rung der Steu­er­be­güns­ti­gung kommt es weder auf den tat­säch­li­chen Erfolg der Maß­nah­me noch auf die Voll­endung der För­de­rung an.

För­de­rung des Umwelt­schut­zes

Nach § 52 Abs. 1 Satz 1 AO ver­folgt eine Kör­per­schaft gemein­nüt­zi­ge Zwe­cke, wenn ihre Tätig­keit „dar­auf gerich­tet ist“, die All­ge­mein­heit auf mate­ri­el­lem, geis­ti­gem oder sitt­li­chem Gebiet selbst­los zu för­dern. Gemäß § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 8 AO sind als För­de­rung der All­ge­mein­heit anzu­er­ken­nen u.a. „die För­de­rung des Natur­schut­zes und der Land­schafts­pfle­ge im Sin­ne des Bun­des­na­tur­schutz­ge­set­zes und der Natur­schutz­ge­set­ze der Län­der, des Umwelt­schut­zes …“.

Die För­de­rung des Umwelt­schut­zes umfasst alle Maß­nah­men, die dar­auf gerich­tet sind, die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen des Men­schen zu sichern, den Natur­haus­halt (Boden, Was­ser, Luft, Kli­ma, Tie­re, Pflan­zen) zu schüt­zen und ein­ge­tre­te­ne Schä­den zu behe­ben [1]. Ins­be­son­de­re wird der Kli­ma­schutz unter den Begriff des Umwelt­schut­zes gefasst [2].

Die gesetz­li­che For­mu­lie­rung „dar­auf gerich­tet ist“ zeigt, dass es weder auf den tat­säch­li­chen Erfolg der Maß­nah­me noch auf die Voll­endung der För­de­rung ankommt [3]. Aus­rei­chend ist viel­mehr, dass die von der Kör­per­schaft ent­fal­te­te Tätig­keit ein geeig­ne­tes Mit­tel zur Errei­chung des in § 52 Abs. 2 AO genann­ten Gemein­wohl­zwecks dar­stellt [4].

Eine eher wei­te und die effek­ti­ve För­de­rung des Schutz­zwecks ermög­li­chen­de Aus­le­gung der Gemein­wohl­zie­le „Umwelt­schutz“ und „Natur­schutz“ ist auch des­halb gebo­ten, weil der Ver­fas­sungs­ge­ber den „Schutz der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen“ in Art.20a GG durch eine eige­ne Staats­ziel­be­stim­mung her­vor­ge­ho­ben hat. Dabei han­delt es sich um ein ver­fas­sungs­recht­li­ches Rechts­gut von hohem Wert [5]. Dies hebt die­se Gemein­wohl­zie­le über ande­re steu­er­be­güns­tig­te Betä­ti­gun­gen, die der ein­fa­che Gesetz­ge­ber in den Kata­log des § 52 Abs. 2 AO auf­ge­nom­men hat, her­aus.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. März 2017 – X R 13/​15

  1. Hüt­te­mann, Gemein­nüt­zig­keits- und Spen­den­recht, 3. Aufl.2015, Rz 3.103; ähn­lich Schau­hoff, Hand­buch der Gemein­nüt­zig­keit, 3. Aufl.2010, § 6 Rz 61; Buchna/​Leichinger/​Seeger/​Brox, Gemein­nüt­zig­keit im Steu­er­recht, 11. Aufl.2015, Tz.02.02.06., S. 75[]
  2. so aus­drück­lich Musil in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 52 AO Rz 158[]
  3. BFH, Urtei­le vom 13.12 1978 – I R 39/​78, BFHE 127, 330, BStBl II 1979, 482, unter I. 4.b; und vom 23.11.1988 – I R 11/​88, BFHE 155, 461, BStBl II 1989, 391, unter II. 3.c[]
  4. so zutref­fend Hüt­te­mann, Gemein­nüt­zig­keits- und Spen­den­recht, 3. Aufl.2015, Rz 3.20[]
  5. BVerfG, Urteil vom 06.12 2016 – 1 BvR 2821/​11 u.a., NJW 2017, 217, Rz 303[]