Festsetzung der Einkommensteuer auf 0 € — und trotzdem klagebefugt

Ein Kläger kann trotz der Fest­set­zung der Einkom­men­steuer auf 0 € klage­befugt (§ 40 Abs. 2 FGO) sein, etwa wenn die Fest­stel­lung des verbleiben­den Ver­lustabzugs betrof­fen ist.

Festsetzung der Einkommensteuer auf 0 € — und trotzdem klagebefugt

Gemäß § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG sind bei der Fest­stel­lung des verbleiben­den Ver­lustvor­trags die Besteuerungs­grund­la­gen so zu berück­sichti­gen, wie sie den Steuer­fest­set­zun­gen des Ver­an­la­gungszeitraums, auf dessen Schluss der verbleibende Ver­lustvor­trag fest­gestellt wird, und des Ver­an­la­gungszeitraums, in dem ein Ver­lus­trück­trag vorgenom­men wer­den kann, zu Grunde gelegt wor­den sind; § 171 Abs. 10, § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und § 351 Abs. 2 AO sowie § 42 FGO gel­ten entsprechend. Die Besteuerungs­grund­la­gen dür­fen bei der Fest­stel­lung des geson­derten Ver­lustvor­trags nur insoweit abwe­ichend von der Einkom­men­steuer­fest­set­zung berück­sichtigt wer­den, als die Aufhe­bung, Änderung oder Berich­ti­gung der Steuerbeschei­de auss­chließlich man­gels Auswirkung auf die Höhe der festzuset­zen­den Steuer unterbleibt (§ 10d Abs. 4 Satz 5 EStG).

Für die der tar­i­flichen Einkom­men­steuer unter­liegen­den Einkün­fte wird mit der Regelung des § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG eine inhaltliche Bindung des Ver­lust­fest­stel­lungs­beschei­ds an den Einkom­men­steuerbescheid erre­icht, obwohl der Einkom­men­steuerbescheid kein Grund­la­genbescheid ist1. Daraus fol­gt, dass im Fest­stel­lungsver­fahren des verbleiben­den Ver­lustvor­trags die Einkün­fte nicht eigen­ständig zu ermit­teln bzw. zu über­prüfen sind2. Die aus § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG fol­gende Bindungswirkung set­zt allerd­ings voraus, dass eine Einkom­men­steuerver­an­la­gung (ggf. mit ein­er festzuset­zen­den Steuer von 0 EUR) durchge­führt wor­den ist3.

Dementsprechend muss der Steuerpflichtige seine Ein­wen­dun­gen gegen aus sein­er Sicht unzutr­e­f­fende Besteuerungs­grund­la­gen im Rah­men eines Ein­spruchs bzw. eines anschließen­den Klage- und Revi­sionsver­fahrens gegen den Einkom­men­steuerbescheid gel­tend machen. Wegen der inhaltlichen Bindungswirkung in Bezug auf die Ver­lust­fest­stel­lung ist er durch einen entsprechen­den Einkom­men­steuerbescheid auch dann beschw­ert, wenn es sich um einen sog. Nullbescheid han­delt4.

Nach diesen Maßstäben ist der Kläger durch den ange­focht­e­nen Einkom­men­steuerbescheid beschw­ert. Denn er macht gel­tend, dass die Besteuerungs­grund­la­gen in diesem Bescheid zu seinem Nachteil unzutr­e­f­fend ange­set­zt wor­den seien. Er begehrt mit sein­er Klage die Berück­sich­ti­gung gerin­ger­er Einkün­fte aus nicht­selb­ständi­ger Arbeit. Hier­durch ergibt sich ‑bei Erfolg der Klage- im Stre­it­jahr ein Ver­lust, der im Rah­men der Ver­lust­fest­stel­lung bzw. des Ver­lus­trück­trags zu berück­sichti­gen wäre.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 22. Feb­ru­ar 2018 — VI R 17/16

  1. BFH, Urteile vom 13.01.2015 — IX R 22/14, BFHE 248, 530, BSt­Bl II 2015, 829; vom 12.07.2016 — IX R 31/15, BFHE 255, 1; und vom 07.12 2016 — I R 76/14, BFHE 256, 314, BSt­Bl II 2017, 704, zum Kör­per­schaft­s­teuerbescheid []
  2. BFH, Urteile in BFHE 248, 530, BSt­Bl II 2015, 829; in BFHE 255, 1; und vom 09.05.2017 — VIII R 40/15, BFHE 258, 335, BSt­Bl II 2017, 1049 []
  3. BFH, Urteile in BFHE 248, 530, BSt­Bl II 2015, 829, und in BFHE 255, 1 []
  4. BFH, Urteil in BFHE 258, 335, BSt­Bl II 2017, 1049 []