Die im finanzgerichtlichen Urteil übersehene Revisionszulassung

Nach § 115 Abs. 1 FGO ste­ht den Beteiligten gegen das Urteil des Finanzgerichts die Revi­sion an den Bun­des­fi­nanzhof nur zu, wenn das Finanzgericht oder auf die Beschw­erde gegen die Nichtzu­las­sung der Revi­sion der Bun­des­fi­nanzhof sie zuge­lassen hat.

Die im finanzgerichtlichen Urteil übersehene Revisionszulassung

Enthält das Urteil des Finanzgerichts keinen Ausspruch über die Zulas­sung, so ist die Revi­sion nicht statthaft1.

Nach der Recht­sprechung des Bun­de­sar­beits­gerichts und des Bun­des­gericht­shofs darf eine im Urteil überse­hene Revi­sion­szu­las­sung nur dann durch einen Berich­ti­gungs­beschluss nach § 319 ZPO nachge­holt wer­den, wenn die Tat­sache, dass die Revi­sion­szu­las­sung beschlossen und nur verse­hentlich nicht im Urteil aus­ge­sprochen wor­den war, aus dem Zusam­men­hang des Urteils selb­st oder min­destens aus den Vorgän­gen bei seinem Erlass oder sein­er Verkün­dung nach außen her­vor­ge­treten ist2. Diese Recht­sprechung ist auf das finanzgerichtliche Ver­fahren über­trag­bar. Denn der Berich­ti­gungs­beschluss nach § 107 Abs. 1 FGO set­zt eben­so ‑wie ein solch­er nach § 319 Abs. 1 ZPO- voraus, dass die Unrichtigkeit “offen­bar” ist3.

Danach hat im vor­liegen­den Fall das Finanzgericht die im zugestell­ten schriftlichen Urteil überse­hene Revi­sion­szu­las­sung durch den Berich­ti­gungs­beschluss wirk­sam nachge­holt:

Die unter­lassene Revi­sion­szu­las­sung stellt eine offen­bare Unrichtigkeit i.S. des § 107 Abs. 1 FGO dar, weil das Finanzgericht laut Sitzung­spro­tokoll bei der Verkün­dung des Urteils in der mündlichen Ver­hand­lung die Revi­sion­szu­las­sung aus­ge­sprochen hat. Damit ist bei Verkün­dung des Urteils nach außen her­vor­ge­treten, dass die Revi­sion­szu­las­sung beschlossen und nur verse­hentlich nicht im Urteil aus­ge­sprochen wor­den war4.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2017 — IV R 50/15

  1. z.B. BFH, Beschluss vom 26.09.2007 — X R 23/07, BFH/NV 2007, 2333, unter II. 1., m.w.N. []
  2. z.B. BAG, Urteil vom 23.05.1973 — 4 AZR 364/72, HFR 1973, 556; BGH, Urteil vom 08.07.1980 — VI ZR 176/78, BGHZ 78, 22 []
  3. eben­so Lange in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 115 FGO Rz 279; Gräber/Ratschow, Finanzgericht­sor­d­nung, 8. Aufl., § 115 Rz 108 []
  4. gle­ich­er Ansicht Gräber/Ratschow, a.a.O., § 115 Rz 108; Wag­n­er in: Kühn/v. Wedel­städt, 21. Aufl., FGO, § 115 Rz 4 []