Die Geset­zes­än­de­rung nach dem Urteil des Finanzgerichts

Eine Geset­zes­än­de­rung, die erst nach Erlass des vor­in­stanz­li­chen Urteils wirk­sam gewor­den ist und eine ech­te Rück­wir­kung für den Streit­zeit­raum beinhal­tet, ist vom Bun­des­fi­nanz­hof als Revi­si­ons­ge­richt zu beachten. 

Die Geset­zes­än­de­rung nach dem Urteil des Finanzgerichts

Zwar konn­te das Finanz­ge­richt die mit Rück­wir­kung für das Streit­jahr in das Gesetz ein­ge­füg­ten Rege­lun­gen (hier: in § 4 Abs. 9 und § 12 Nr. 5 EStG i.d.F. des Bei­trR­LUmsG) bei sei­ner Ent­schei­dung nicht berück­sich­ti­gen, denn die­se Vor­schrif­ten sind erst nach Erlass des Finanz­ge­richt, Urteils in Kraft getreten.

Ein vor Erlass des geän­der­ten Geset­zes ergan­ge­nes finanz­ge­richt­li­ches Urteil ver­letzt jedoch Bun­des­recht, wenn es im Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht mit dem für das Streit­jahr gel­ten­den Recht in Ein­klang steht [1].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Juni 2020 – VIII R 4/​20

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 14.04.1986 – IV R 260/​84, BFHE 146, 411, BStBl II 1986, 518; vom 06.11.1973 – VII R 128/​71, BFHE 110, 484, BStBl II 1974, 110[]