Die deut­sche Betriebs­stät­te eines bera­ten­den Volks­wirts

Der Unter­neh­mer unter­hält jeden­falls dann eine Betriebs­stät­te bzw. fes­te Nie­der­las­sung, wenn er umfas­sen­den Zugriff auf eine Ein­rich­tung hat, die einen hin­rei­chen­den Grad an Bestän­dig­keit sowie eine Struk­tur auf­weist, die von der per­so­nel­len und tech­ni­schen Aus­stat­tung her eine auto­no­me Erbrin­gung der betref­fen­den Dienst­leis­tung ermög­licht.

Die deut­sche Betriebs­stät­te eines bera­ten­den Volks­wirts

Nach § 3a Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 4 Nr. 3 UStG 2005 wer­den die sons­ti­gen Leis­tun­gen aus der Tätig­keit als Rechts­an­walt, Patent­an­walt, Steu­er­be­ra­ter, Steu­er­be­voll­mäch­tig­ter, Wirt­schafts­prü­fer, ver­ei­dig­ter Buch­prü­fer, Sach­ver­stän­di­ger, Inge­nieur, Auf­sichts­rats­mit­glied, Dol­met­scher und Über­set­zer sowie ähn­li­che Leis­tun­gen ande­rer Unter­neh­mer, ins­be­son­de­re die recht­li­che, wirt­schaft­li­che und tech­ni­sche Bera­tung, sofern deren Emp­fän­ger ein Unter­neh­mer ist, dort aus­ge­führt, wo der Emp­fän­ger sein Unter­neh­men betreibt.

Uni­ons­recht­lich beruh­te die­se Vor­schrift für die Streit­jah­re 2008 und 2009 auf Art. 56 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL a.F., der als tat­be­stand­li­che Dienst­leis­tun­gen u.a. die­je­ni­gen von Bera­tern, Inge­nieu­ren, Stu­di­en­bü­ros, Anwäl­ten, Buch­prü­fern und sons­ti­ge ähn­li­che Dienst­leis­tun­gen anführt.

Nach der noch zu Art. 9 Abs. 2 Buchst. e drit­ter Gedan­ken­strich der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern ergan­ge­nen Recht­spre­chung [1] bezie­hen sich die näm­li­chen Vor­schrif­ten nicht auf die ange­führ­ten Beru­fe, son­dern auf Leis­tun­gen, die haupt­säch­lich und gewöhn­lich im Rah­men die­ser Beru­fe erbracht wer­den [2].

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat­te ein bera­ten­der Volks­wirt geklagt, der ein­schlä­gi­ge Leis­tun­gen auf dem Gebiet der Wirt­schafts­för­de­rung erbracht hat. Nach § 3a Abs. 1 Satz 1 UStG 2005 wird eine sons­ti­ge Leis­tung (vor­be­halt­lich der im hier ent­schie­de­nen Streit­fall nicht maß­geb­li­chen §§ 3b und 3f UStG 2005 und soweit ‑wie im Streit­fall- § 3a Abs. 2 UStG 2005 nicht erfüllt ist) an dem Ort aus­ge­führt, von dem aus der Unter­neh­mer sein Unter­neh­men betreibt. Wird die sons­ti­ge Leis­tung von einer Betriebs­stät­te aus­ge­führt, so gilt die Betriebs­stät­te als der Ort der sons­ti­gen Leis­tung (§ 3a Abs. 1 Satz 2 UStG 2005).

Der in die­ser Vor­schrift ver­wen­de­te Begriff der Betriebs­stät­te stimmt mit dem vom 01.01.2007 bis 31.12.2009 in Art. 43 MwSt­Sys­tRL a.F. ver­wen­de­ten Begriff der fes­ten Nie­der­las­sung über­ein [3].

Zu Art. 9 Abs. 1 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG hat der EuGH bereits ent­schie­den, dass vor­ran­gi­ger Anknüp­fungs­punkt für die Bestim­mung des Ortes der Dienst­leis­tung der Ort ist, an dem der Dienst­leis­tungs­er­brin­ger den Sitz sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit hat. Eine wei­te­re Nie­der­las­sung ist nur dann zu berück­sich­ti­gen, wenn die Anknüp­fung an den Sitz nicht zu einer steu­er­lich sinn­vol­len Lösung führt oder wenn sie einen Kon­flikt mit einem ande­ren Mit­glied­staat zur Fol­ge hat [4].

Eine Betriebs­stät­te bzw. fes­te Nie­der­las­sung liegt des­halb nur dann vor, wenn die Nie­der­las­sung eines Steu­er­pflich­ti­gen einen hin­rei­chen­den Grad an Bestän­dig­keit sowie eine Struk­tur hat, die von der per­so­nel­len und tech­ni­schen Aus­stat­tung her eine auto­no­me Erbrin­gung der betref­fen­den Dienst­leis­tun­gen ermög­licht [5]. Dem ent­spricht nun­mehr Art. 11 Abs. 2 der Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) Nr. 282/​2011 des Rates vom 15.03.2011 zur Fest­le­gung von Durch­füh­rungs­vor­schrif­ten zur Richt­li­nie 2006/​112/​EG über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem, der auch für vor sei­nem Inkraft­tre­ten lie­gen­de Zeit­räu­me zu berück­sich­ti­gen ist [6].

Dabei sind u.a. fol­gen­de Grund­sät­ze zu beach­ten [7]:

  • Für die Annah­me einer fes­ten Nie­der­las­sung in einem Staat ist es nicht erfor­der­lich, dass der Steu­er­pflich­ti­ge dort über Per­so­nal ver­fügt, das bei ihm selbst ange­stellt ist, oder über Sach­mit­tel, die sich in sei­nem Eigen­tum befin­den. Es wür­de zu Miss­brauch ein­la­den, wenn ein Steu­er­pflich­ti­ger allein dadurch die Besteue­rung von Dienst­leis­tun­gen von einem Mit­glied­staat in den ande­ren ver­la­gern könn­te, indem er sei­nen Per­so­nal­be­darf über ver­schie­de­ne Dienst­leis­ter deck­te. Glei­ches gilt für Sach­mit­tel.
  • Auch wenn eine fes­te Nie­der­las­sung nicht zwin­gend eige­nes Per­so­nal und eige­ne tech­ni­sche Aus­stat­tung erfor­dert, muss dem Steu­er­pflich­ti­gen jedoch ‑auf­grund des Erfor­der­nis­ses eines hin­rei­chen­den Grads an Bestän­dig­keit der Nie­der­las­sung- eine ver­gleich­ba­re Ver­fü­gungs­ge­walt über das Per­so­nal und die Sach­mit­tel zuste­hen.
  • Ein Steu­er­pflich­ti­ger kann zwar nicht als sol­cher eine fes­te Nie­der­las­sung eines ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen dar­stel­len [8]; dies schließt aber nicht aus, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger engen und bestän­di­gen Zugriff auf die per­so­nel­le und tech­ni­sche Aus­stat­tung eines ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen hat, der auch gleich­zei­tig für die dadurch begrün­de­te fes­te Nie­der­las­sung in ande­rer Hin­sicht ein Dienst­leis­tungs­er­brin­ger sein kann.

Nach die­sen Maß­ga­ben lagen in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall die Vor­aus­set­zun­gen einer Betriebs­stät­te bzw. einer fes­ten Nie­der­las­sung des bera­ten­den Volks­wirts in X vor:

So oblag dem Bera­ter der Auf­bau der not­wen­di­gen Pro­jekt­in­fra­struk­tur in X. Das Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg [9] hat dies in der Vor­in­stanz dahin gewür­digt, dass der Bera­ter Ein­fluss auf die Per­so­nal­aus­wahl und die Beschaf­fungs­ent­schei­dun­gen für die Büro­aus­stat­tung hat­te und ihm die Räu­me nebst Sach- und Per­so­nal­aus­stat­tung im Rah­men sei­ner Pro­jekt­auf­ga­ben in vol­lem Umfang zur Ver­fü­gung stan­den, da ohne umfas­sen­den Zugriff auf die Räu­me und ohne Mit­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se über Sach­be­schaf­fun­gen und die Per­so­nal­ein­stel­lung die­se Auf­ga­ben­über­tra­gung nicht sinn­voll durch­führ­bar gewe­sen sei. Die­se Wür­di­gung des Finanz­ge­richt wird durch des­sen Fest­stel­lun­gen gestützt, dass der Bera­ter den Dienst­ver­trag mit der voll­zeit­tä­ti­gen loka­len Koor­di­na­to­rin, die sei­nen dienst­li­chen Wei­sun­gen unter­lag, für den W unter­zeich­net hat­te und der Bera­ter auch Sach­mit­tel für die Büro­räu­me beschafft und vor Ort ‑mit Kos­ten­er­stat­tung durch den W- bezahlt hat. Die tat­säch­li­che Wür­di­gung des Finanz­ge­richt ist mög­lich und ver­stößt weder gegen Denk­ge­set­ze noch gegen Erfah­rungs­sät­ze; sie bin­det daher den Bun­des­fi­nanz­hof gemäß § 118 Abs. 2 FGO.

Das Finanz­ge­richt hat die Annah­me einer Betriebs­stät­te bzw. einer fes­ten Nie­der­las­sung des Bera­ters dar­an schei­tern las­sen, dass des­sen Ver­fü­gungs­ge­walt über die Sach- und Per­so­nal­mit­tel in X von vorn­her­ein auf die Nut­zung für die in dem Ver­trag mit dem W bezeich­ne­ten Leis­tun­gen an genau die­sen Leis­tungs­emp­fän­ger, der ihm die Mit­tel allein zu die­sem Zweck zur Ver­fü­gung gestellt habe, und die Dau­er eben­die­ses Pro­jekts beschränkt gewe­sen sei. Daher habe es dem Bera­ter an einer Ver­fü­gungs­ge­walt gefehlt, die mit der eines Mie­ters oder Eigen­tü­mers der Räu­me, Eigen­tü­mers der Aus­stat­tungs­ge­gen­stän­de und Arbeit­ge­bers der Mit­ar­bei­ter im Wesent­li­chen ver­gleich­bar wäre.

Die­se Aus­le­gung des Begriffs der Betriebs­stät­te bzw. der fes­ten Nie­der­las­sung ent­spricht nicht den Grund­sät­zen, die der EuGH und in des­sen Fol­ge der BFH auf­ge­stellt haben [10]. Denn der Bera­ter war nicht nur im Rah­men der Erle­di­gung der ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben frei, son­dern er hat­te auch umfas­sen­den Zugriff auf die ihm zur Ver­fü­gung gestell­ten Räu­me (er hat­te jeder­zeit Zutritt), fer­ner hat­te er Ein­fluss auf Beschaf­fungs­ent­schei­dun­gen und die Aus­wahl von Per­so­nal, das sei­nen dienst­li­chen Wei­sun­gen zu fol­gen hat­te. Die­se „Ein­rich­tung“ ver­füg­te erkenn­bar über einen aus­rei­chen­den Bestand an Per­so­nal- und Sach­mit­teln, der für die Erbrin­gung der betref­fen­den Dienst­leis­tun­gen erfor­der­lich war; sie wies einen hin­rei­chen­den Grad an Bestän­dig­keit sowie eine Struk­tur auf, die von der per­so­nel­len und tech­ni­schen Aus­stat­tung her eine auto­no­me Erbrin­gung der vom Bera­ter geschul­de­ten Dienst­leis­tun­gen ermög­lich­te [11].

Dass die Per­so­nal- und Sach­mit­tel dem Bera­ter auf Geheiß des W von einem Drit­ten gera­de nur für die­ses Pro­jekt und ledig­lich für des­sen Dau­er gestellt wur­den, steht der Annah­me einer fes­ten Nie­der­las­sung des Bera­ters nicht ent­ge­gen. So kam es auch in der Rechts­sa­che Wel­mo­ry nicht dar­auf an, dass der zyprio­ti­schen Gesell­schaft die Infra­struk­tur in der Repu­blik Polen (nur) von der pol­ni­schen Gesell­schaft, ihrem Ver­trags­part­ner in dem betref­fen­den Leis­tungs­ver­hält­nis, zur Ver­fü­gung gestellt wur­de, son­dern allein dar­auf, ob die betref­fen­de Infra­struk­tur das erfor­der­li­che Maß auf­wies [12].

Für die Annah­me einer fes­ten Nie­der­las­sung ist es not­wen­dig, aber auch aus­rei­chend, dass die für die Erbrin­gung bestimm­ter Dienst­leis­tun­gen erfor­der­li­chen per­so­nel­len Mit­tel und Betriebs­mit­tel stän­dig vor­han­den sind und die­se Nie­der­las­sung damit einen gewis­sen Bestand hat [13]. Dar­auf, dass sich der Ein­satz des Bera­ters in X auf die Besteue­rungs­zeit­räu­me Dezem­ber 2007 bis Novem­ber 2010 erstreck­te, kommt es danach nicht an.

Von die­sen Grund­sät­zen geht offen­sicht­lich auch die Finanz­ver­wal­tung aus, wenn nach dem in Abschn. 3a.1 Abs. 3 Satz 4 UStAE gebil­de­ten Bei­spiel die erfor­der­li­che bestän­di­ge Struk­tur (bereits) vor­liegt, wenn die Ein­rich­tung über eine Anzahl von Beschäf­tig­ten ver­fügt, von hier aus Ver­trä­ge abge­schlos­sen wer­den kön­nen, Rech­nungs­le­gung und Auf­zeich­nun­gen dort erfol­gen und Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den, z.B. über den Waren­ein­kauf.

Da schließ­lich die Betriebs­stät­te bzw. fes­te Nie­der­las­sung des Bera­ters über eine per­so­nel­le Aus­stat­tung ver­füg­te, wird der Rechts­streit durch das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Öster­rei­chi­schen Bun­des­fi­nanz­ge­richts vom 20.12.2019 [14] nicht berührt.

Für das Streit­jahr 2010 hat das Finanz­ge­richt bezüg­lich der vom Bera­ter an den W erbrach­ten Leis­tun­gen zwar eine von § 3a Abs. 1 UStG 2009 abwei­chen­de Orts­be­stim­mung zu Recht ver­neint.

Eine Leis­tungs­ort­be­stim­mung nach § 3a Abs. 4 Satz 1 i.V.m. Satz 2 Nr. 3 UStG 2009 (der auf Art. 59 Buchst. c MwSt­Sys­tRL beruht) für die sons­ti­gen Leis­tun­gen aus der Tätig­keit als Rechts­an­walt, Patent­an­walt, Steu­er­be­ra­ter, Steu­er­be­voll­mäch­tig­ter, Wirt­schafts­prü­fer, ver­ei­dig­ter Buch­prü­fer, Sach­ver­stän­di­ger, Inge­nieur, Auf­sichts­rats­mit­glied, Dol­met­scher und Über­set­zer sowie ähn­li­che Leis­tun­gen ande­rer Unter­neh­mer, ins­be­son­de­re die recht­li­che, wirt­schaft­li­che und tech­ni­sche Bera­tung, schei­det aus, da sich der Sitz des W, der nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt die Leis­tun­gen des Bera­ters emp­fan­gen hat, nicht im Dritt­lands­ge­biet, son­dern in S befin­det.

Der Leis­tungs­ort ver­la­gert sich auch nicht nach § 3a Abs. 2 UStG 2009, da der W weder unter­neh­me­risch tätig noch ihm nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt eine Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer erteilt wor­den war.

Das Finanz­ge­richt hat aber auch für das Streit­jahr 2010 zu Unrecht ange­nom­men, dass der Bera­ter in der X kei­ne Betriebs­stät­te unter­hal­ten habe, von der aus er sons­ti­ge Leis­tun­gen aus­ge­führt hat.

Nach § 3a Abs. 1 Satz 1 UStG 2009 wird eine sons­ti­ge Leis­tung vor­be­halt­lich der ‑hier jeweils nicht ein­schlä­gi­gen- Absät­ze 2 bis 7 und der §§ 3b, 3e und 3f UStG 2009 an dem Ort aus­ge­führt, von dem aus der Unter­neh­mer sein Unter­neh­men betreibt. Wird die sons­ti­ge Leis­tung von einer Betriebs­stät­te aus­ge­führt, gilt die Betriebs­stät­te als der Ort der sons­ti­gen Leis­tung (§ 3a Abs. 1 Satz 2 UStG 2009).

Die­se Vor­schrift setzt Art. 45 MwSt­Sys­tRL um. Als fes­te Nie­der­las­sung i.S. die­ser Vor­schrift gilt jede Nie­der­las­sung mit Aus­nah­me des Sit­zes der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit, die einen hin­rei­chen­den Grad an Bestän­dig­keit sowie eine Struk­tur auf­weist, die es von der per­so­nel­len und tech­ni­schen Aus­stat­tung her erlaubt, Dienst­leis­tun­gen zu erbrin­gen (Art. 11 Abs. 2 Buchst. a DVO (EU) Nr. 282/​2011). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind aus den beschrie­be­nen Grün­den erfüllt.

Soweit das Finanz­ge­richt zu den im Streit­jahr 2010 vom Bera­ter gegen­über der IHK P erbrach­ten sons­ti­gen Leis­tun­gen eine von § 3a Abs. 1 UStG 2009 abwei­chen­de Orts­be­stim­mung abge­lehnt hat, wird dies nicht durch ent­spre­chen­de tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen getra­gen.

Zwar hat das Finanz­ge­richt zutref­fend eine Bestim­mung des Leis­tungs­orts nach § 3a Abs. 4 Satz 1 i.V.m. Satz 2 Nr. 3 UStG 2009 ver­neint, da die IHK P ihren Sitz in P hat.

Die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt tra­gen jedoch nicht sei­ne Ent­schei­dung, eine Leis­tungs­ort­be­stim­mung nach § 3a Abs. 2 UStG 2009 aus­zu­schlie­ßen.

Zwar hat das Finanz­ge­richt den Vor­trag der Betei­lig­ten und den sons­ti­gen Akten­in­halt, aus denen sich kei­ne Anhalts­punk­te für einen unter­neh­me­ri­schen Bereich der IHK P ergä­ben, dahin gewür­digt, dass die IHK P im Streit­jahr 2010 nicht Unter­neh­me­rin war. Es hat jedoch nicht fest­ge­stellt, ob der IHK P ‑was nach § 27a Abs. 1 Satz 2 UStG nicht aus­ge­schlos­sen ist- eine Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer erteilt wor­den war.

Erst wenn der Tat­be­stand des § 3a Abs. 2 UStG 2009 aus­schei­det, ist eine Bestim­mung des Leis­tungs­orts nach § 3a Abs. 1 UStG 2009 durch­zu­füh­ren, wes­halb das Finanz­ge­richt noch ent­spre­chen­de Fest­stel­lun­gen zu tref­fen hat.

Soll­te sich der Leis­tungs­ort nach § 3a Abs. 1 UStG 2009 bestim­men, wird das Finanz­ge­richt im zwei­ten Rechts­gang die dar­ge­stell­ten Grund­sät­ze der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on und des Bun­des­fi­nanzkhofs (Vor­aus­set­zun­gen einer Betriebs­stät­te bzw. einer fes­ten Nie­der­las­sung) zu beach­ten haben.

Nach den bis­he­ri­gen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt oblag dem Bera­ter die Pro­jekt­steue­rung „vor Ort“ in Z. Das Finanz­ge­richt hat dies dahin gewür­digt, dass der Bera­ter Ein­fluss auf die Per­so­nal­aus­wahl und die Beschaf­fungs­ent­schei­dun­gen für die Büro­aus­stat­tung inne­hat­te und ihm die Räu­me nebst Sach- und Per­so­nal­aus­stat­tung in vol­lem Umfang zur Ver­fü­gung stan­den, da ohne umfas­sen­den Zugriff auf die Räu­me und ohne Mit­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se über Sach­be­schaf­fun­gen und die Per­so­nal­ein­stel­lung die Pro­jekt­steue­rung kaum sinn­voll mög­lich gewe­sen sei. Die­se Wür­di­gung des Finanz­ge­richt wird durch des­sen Fest­stel­lun­gen gestützt, dass der Bera­ter den Dienst­ver­trag mit der voll­zeit­tä­ti­gen loka­len Koor­di­na­to­rin, die sei­nen dienst­li­chen Wei­sun­gen unter­lag, für die IHK P unter­zeich­net hat­te.

Es ent­spricht nicht den von EuGH und BFH für die Aus­le­gung des Begriffs der Betriebs­stät­te bzw. der fes­ten Nie­der­las­sung auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen [10], dass das Finanz­ge­richt die Annah­me einer Betriebs­stät­te bzw. einer fes­ten Nie­der­las­sung des Bera­ters dar­an hat schei­tern las­sen, dass des­sen Ver­fü­gungs­macht über die Sach- und Per­so­nal­mit­tel in Z nicht über die Ver­wen­dung für die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen an die IHK P, die ihm die Mit­tel allein zu die­sem Zweck zur Ver­fü­gung gestellt habe, hin­aus­ge­gan­gen sei.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 29. April 2020 – XI R 3/​18

  1. vgl. z.B. EuGH, Urtei­le von Hoff­mann vom 16.09.1997 – C‑145/​96, EU:C:1997:406, UR 1998, 17, Rz 15; Kro­no­s­pan Miel­ec vom 07.10.2010 – C–222/09, EU:C:2010:593, UR 2010, 854, Rz 20[]
  2. vgl. hier­zu BFH, Urteil vom 30.11.2016 – V R 15/​16, BFH/​NV 2017, 331, Rz 19[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 12.12.2012 – XI R 30/​10, BFHE 239, 526, BStBl II 2013, 348, Rz 36 ff.; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 769, Rz 18[]
  4. vgl. z.B. EuGH, Urtei­le Berk­holz vom 04.07.1985 – C-168/​84, EU:C:1985:299, Rz 17; ARO Lea­se vom 17.07.1997 – C‑190/​95, EU:C:1997:374, UR 1998, 185, Rz 15; Wel­mo­ry, EU:C:2014:2298, UR 2014, 937, Rz 53[]
  5. vgl. z.B. EuGH, Urtei­le ARO Lea­se, EU:C:1997:374, UR 1998, 185, Rz 16; Plan­zer Luxem­bourg vom 28.06.2007 – C‑73/​06, EU:C:2007:397, UR 2007, 654, Rz 54; Wel­mo­ry, EU:C:2014:2298, UR 2014, 937, Rz 58; fer­ner BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 769, Rz 19[]
  6. vgl. EuGH, Urteil Wel­mo­ry, EU:C:2014:2298, UR 2014, 937, Rz 46[]
  7. vgl. EuGH, Schluss­an­trä­ge der Gene­ral­an­wäl­tin Kokott vom 15.05.2014, EU:C:2014:340, Wel­mo­ry, Rz 48 ff.; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 769, Rz 21 ff.[]
  8. vgl. hier­zu auch EuGH, Schluss­an­trä­ge der Gene­ral­an­wäl­tin Kokott vom 14.11.2019 – C‑547/​18, EU:C:2019:976, Dong Yang Elec­tro­nics, Rz 43; BFH, Beschluss vom 10.12.1998 – V R 49/​97, BFH/​NV 1999, 839[]
  9. FG Ber­lin-Bran­den­burg , Urteil vom 29.11.2017 – 7 K 7228/​15[]
  10. vgl. z.B. EuGH, Urtei­le Berk­holz, EU:C:1985:299, Rz 18; ARO Lea­se, EU:C:1997:374, UR 1998, 185, Rz 15 f.; Plan­zer Luxem­bourg, EU:C:2007:397, UR 2007, 654, Rz 54; Wel­mo­ry, EU:C:2014:2298, UR 2014, 937, Rz 58 ff.; z.B. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 769, Rz 19 ff.[][]
  11. vgl. hier­zu z.B. EuGH, Urtei­le ARO Lea­se, EU:C:1997:374, UR 1998, 185, Rz 15 f.; Plan­zer Luxem­bourg, EU:C:2007:397, UR 2007, 654, Rz 54; Wel­mo­ry, EU:C:2014:2298, UR 2014, 937, Rz 58; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 769, Rz 19 ff.; Abschn. 3a.1 Abs. 3 Sät­ze 2 und 3 UStAE[]
  12. vgl. EuGH, Urteil Wel­mo­ry, EU:C:2014:2298, UR 2014, 937, Rz 61, 63[]
  13. vgl. EuGH, Urteil ARO Lea­se, EU:C:1997:374, UR 1998, 185, Rz 15[]
  14. öst. Bun­des­fi­nanz­ge­richt, Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen vom 20.12.2019 – RV/​7103840/​2015[]