Der Vor­satz bei der Steuerhinterziehung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gehört zum Vor­satz der Steu­er­hin­ter­zie­hung, dass der Täter den Steu­er­an­spruch dem Grun­de und der Höhe nach kennt oder zumin­dest für mög­lich hält und ihn auch ver­kür­zen will, wobei beding­ter Vor­satz genügt[1].

Der Vor­satz bei der Steuerhinterziehung

Nimmt der Steu­er­pflich­ti­ge irr­tüm­lich an, ein Steu­er­an­spruch sei nicht ent­stan­den, liegt nach der Recht­spre­chung ein Tat­be­standsirr­tum vor, der den Vor­satz aus­schließt (§ 16 Abs. 1 Satz 1 StGB)[2].

Im vor­lie­gen­den Fall hat das Land­ge­richt Essen[3] einen Vor­satz mit der Begrün­dung ange­nom­men, der Ange­klag­te sei seit über 20 Jah­ren beruf­lich mit der gewerb­li­chen Ent­sor­gung von Schrott befasst und habe daher gewusst, dass er die­sen Gewer­be­er­trag ver­steu­ern müs­se. Die­se Begrün­dung ist bereits des­halb unzu­rei­chend, da die Ver­äu­ße­rungs­er­lö­se vor­lie­gend aus einer Unter­schla­gung des Schrotts zum Nach­teil der Fir­ma F. stam­men. Der Vor­satz des Ange­klag­ten muss daher neben der eige­nen gewerb­li­chen Tätig­keit durch die Ver­äu­ße­rung des Schrotts an die Fir­ma H. auch den Umstand erfas­sen, dass die Erlö­se, denen eine Unter­schla­gung zugrun­de liegt, der Gewer­be­steu­er unter­fal­len und eine Erklä­rungs­pflicht auslösen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. August 2020 – 1 StR 296/​19

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 13.11.1953 – 5 StR 342/​53, BGHSt 5, 90, 91 f.; vom 05.03.1986 – 2 StR 666/​85 Rn. 9; vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11 Rn. 21 f.; und vom 24.01.2018 – 1 StR 331/​17 Rn. 14[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 13.11.1953 – 5 StR 342/​53, BGHSt 5, 90, 91 f.; vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11 Rn. 21 f.; und vom 24.01.2018 – 1 StR 331/​17 Rn. 14; Beschlüs­se vom 19.05.1989 – 3 StR 590/​88 Rn. 9; vom 24.10.1990 – 3 StR 16/​90 Rn. 7; und vom 13.03.2019 – 1 StR 520/​18 Rn. 18[]
  3. LG Essen, Urteil vom 13.03.2019 – 21 KLs-307 Js 64/18–10/18[]