Der Vor­ab­ge­winn als Sonderentgelt

Nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG unter­lie­gen der Umsatz­steu­er u.a. die sons­ti­gen Leis­tun­gen, die ein Unter­neh­mer im Inland gegen Ent­gelt im Rah­men sei­nes Unter­neh­mens ausführt.

Der Vor­ab­ge­winn als Sonderentgelt

Ent­gelt­li­che Leis­tun­gen sind nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG steu­er­bar und unter­lie­gen gemäß Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (MwSt­Sys­tRL) dem Anwen­dungs­be­reich der Steu­er, wenn zwi­schen dem Unter­neh­mer und dem Leis­tungs­emp­fän­ger ein Rechts­ver­hält­nis besteht, das einen unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang zwi­schen Leis­tung und Ent­gelt begrün­det, so dass das Ent­gelt als Gegen­wert für die Leis­tung anzu­se­hen ist[1].

Der unmit­tel­ba­re Zusam­men­hang und damit ein steu­er­ba­rer Leis­tungs­aus­tausch lie­gen nicht vor, wenn die Gesell­schaf­ter für ihre Gesell­schaft Leis­tun­gen erbrin­gen, die als Gesell­schaf­ter­bei­trag nur im Rah­men der all­ge­mei­nen Gewinn­ver­tei­lung ver­gü­tet wer­den. Die­se all­ge­mei­ne Gewinn­be­tei­li­gung ist weder Ent­gelt für das Hal­ten der Betei­li­gung noch Ent­gelt für Tätig­kei­ten des Gesell­schaf­ters[2]. Denn die Gewinn­ent­ste­hung hängt nicht unmit­tel­bar mit der Leis­tungs­er­brin­gung zusam­men, son­dern ist von einer Viel­zahl von Fak­to­ren und damit zumin­dest teil­wei­se vom „Zufall“ abhän­gig[3]. Ein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang mit der Leis­tungs­er­brin­gung liegt dage­gen vor, wenn die Leis­tung nach ihrem Umfang oder ihrer Men­ge abge­gol­ten wird[4].

Dies gilt auch bei einer Leis­tungs­er­brin­gung gegen Vor­ab­ge­winn. Nach dem BFH, Urteil vom 17.03.1994 – V R 39/​92[5] kann ein (pacht­ähn­li­cher) Leis­tungs­aus­tausch gegen Son­der­ent­gelt vor­lie­gen, wenn die Gesell­schaf­ter einer GbR ihre land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrie­be gegen einen von vorn­her­ein fest­ste­hen­den und jähr­lich gleich­blei­ben­den „Vor­ab­ge­winn“ zur Nut­zung über­las­sen. Maß­ge­bend hier­für war, dass sich der Vor­ab­ge­winn von vorn­her­ein nach den Leis­tun­gen rich­te­te, die die Gesell­schaf­ter an die Gesell­schaft erbrach­ten. Der Unter­schied zu einer Gewinn­ver­tei­lungs­ab­re­de lag in dem für die Nut­zungs­über­las­sung ange­streb­ten (beson­de­ren), von vorn­her­ein fest­ste­hen­den Ent­gelt[6].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Novem­ber 2020 – V R 22/​19

  1. BFH, Urtei­le vom 04.07.2013 – V R 33/​11, BFHE 242, 280, BStBl II 2013, 937; vom 15.04.2010 – V R 10/​08, BFHE 229, 406, BStBl II 2010, 879, Rz 19, sowie vom 05.12.2007 – V R 60/​05, BFHE 219, 455, BStBl II 2009, 486, unter II. 1.a[]
  2. EuGH, Urteil Heer­ma vom 27.01.2000 – C‑23/​98, EU:C:2000:46, Höchst­rich­ter­li­che Finanz­recht­spre­chung ‑HFR- 2000, 316, Rz 13[]
  3. EuGH, Urtei­le Flo­rid­i­en­ne, Berginvest vom 14.11.2000 – C‑142/​99, EU:C:2000:623, Umsatz­steu­er-Rund­schau, Rz 23, sowie Cibo Par­ti­ci­pa­ti­ons vom 27.09.2001 – C‑16/​00, EU:C:2001:495, HFR 2001, 1213, Rz 43[]
  4. BFH, Urtei­le vom 25.05.2000 – V R 66/​99, BFHE 191, 458, BStBl II 2004, 310; vom 07.12.1967 – V 45/​65, BFHE 91, 448, BStBl II 1968, 398; vom 10.05.1990 – V R 47/​86, BFHE 161, 185, BStBl II 1990, 757; BFH, Urtei­le vom 16.03.1993 – XI R 44/​90, BFHE 171, 114, BStBl II 1993, 529, und – XI R 45/​90, BFHE 171, 122, BStBl II 1993, 530[]
  5. BFHE 174, 268, BStBl II 1994, 538[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 174, 268, BStBl II 1994, 538, unter II. 2.b[]