Der Finanzrechtsstreit der zwischenzeitlich im Handelsregister gelöschten GmbH

Wurde eine GmbH im Laufe des Revi­sionsver­fahrens wegen Ver­mö­genslosigkeit von Amts wegen gemäß § 394 Abs. 1 Fam­FG gelöscht, kann in der Sache den­noch entsch­ieden wer­den.

Der Finanzrechtsstreit der zwischenzeitlich im Handelsregister gelöschten GmbH

In diesem Fall ist die gelöschte GmbH noch beteili­gungs­fähig i.S. von § 57 Nr. 1 FGO.

Steuer­rechtlich wird eine gelöschte GmbH näm­lich als fortbeste­hend ange­se­hen, solange sie noch steuer­rechtliche Pflicht­en zu erfüllen hat oder ‑wie hier- gegen sie ergan­gene Steuerbeschei­de oder Haf­tungs­beschei­de angreift1.

Allerd­ings hat die Löschung ein­er GmbH zur Folge, dass ihr bish­eriger geset­zlich­er Vertreter (Geschäfts­führer bzw. Liq­uida­tor) seine Vertre­tungs­befug­nis (§ 35 Abs. 1 Satz 1 Gmb­HG bzw. § 70 Satz 1 Gmb­HG) ver­liert2. Daher wird das gerichtliche Ver­fahren gemäß § 155 FGO i.V.m. § 241 Abs. 1 ZPO bis zur Bestel­lung eines ‑im Stre­it­fall- Nach­tragsliq­uida­tors i.S. von § 66 Abs. 5 Gmb­HG grund­sät­zlich unter­brochen.

Eine Unter­brechung des Ver­fahrens tritt gemäß § 155 FGO i.V.m. § 246 Abs. 1 ZPO jedoch nicht ein, wenn die Gesellschaft durch einen Prozess­bevollmächtigten vertreten ist. Im hier entsch­iede­nen Stre­it­fall wurde die GmbH seit Beginn des Klagev­er­fahrens und darüber hin­aus im Revi­sionsver­fahren durch die Prozess­bevollmächtigten vertreten. Die diesen erteilte Prozessvoll­macht dauert über den Zeit­punkt der Löschung der GmbH und des Ver­lustes der geset­zlichen Vertre­tungs­macht ihres Geschäfts­führers bzw. Liq­uida­tors fort (§ 155 FGO i.V.m. § 86 ZPO). Eine Unter­brechung des Ver­fahrens ist deshalb gemäß § 246 Abs. 1 ZPO nicht einge­treten3.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 13. Juni 2018 — XI R 20/14

  1. vgl. dazu z.B. BFH, Urteile vom 27.04.2000 — I R 65/98, BFHE 191, 494, BSt­Bl II 2000, 500, unter III. 1., Rz 10; vom 08.10.2008 — V R 63/07, BFH/NV 2009, 1473, unter II., Rz 32; FG München, Urteil vom 04.09.2017 — 7 K 1379/17; zur Parteifähigkeit i.S. von § 50 Abs. 1 ZPO fern­er BGH, Beschluss vom 08.10.2013 — II ZR 281/12; jew­eils m.w.N. []
  2. vgl. dazu z.B. BFH, Urteil in BFHE 191, 494, BSt­Bl II 2000, 500, unter III. 2., Rz 11, m.w.N. []
  3. vgl. dazu BFH, Urteile in BFHE 191, 494, BSt­Bl II 2000, 500, unter III. 2., Rz 11; fern­er vom 29.08.2017 — VIII R 32/15, BFHE 260, 1, BSt­Bl II 2018, 223 []