Dem vom Finanz­ge­richt nicht nach­ge­gan­ge­nen Beweisangebot

Von den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ange­bo­te­ne Bewei­se muss das Finanz­ge­richt gemäß § 76 Abs. 1 Satz 1 FGO grund­sätz­lich erhe­ben, wenn es einen Ver­fah­rens­man­gel ver­mei­den will. Aller­dings ist das Finanz­ge­richt nicht ver­pflich­tet, unsub­stan­ti­ier­ten Beweis­an­trä­gen nachzugehen.

Dem vom Finanz­ge­richt nicht nach­ge­gan­ge­nen Beweisangebot

In wel­chem Maß eine sol­che Sub­stan­ti­ie­rung zu for­dern ist, hängt vom Umfang der Mit­wir­kungs­pflicht des Betei­lig­ten im Ein­zel­fall bzw. davon ab, wes­sen Wis­sens- und Ein­fluss­be­reich die Tat­sa­chen zuzu­rech­nen sind[1]

Unsub­stan­ti­iert ist ein Beweis­an­trag, der so unbe­stimmt ist, dass im Grun­de erst die Beweis­erhe­bung selbst die ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen und Behaup­tun­gen auf­de­cken kann und bei dem es sich des­halb um einen Beweis­er­mitt­lungs- oder Beweis­aus­for­schungs­an­trag han­delt[2].

Eine ver­schärf­te Ver­pflich­tung zur kon­kre­ten, ein­ge­hen­de­ren Beschrei­bung der tat­säch­li­chen Umstän­de des Beweis­an­trags ist als gestei­ger­te Sub­stan­ti­ie­rungs­last dann anzu­neh­men, wenn eine Per­son auf­grund Zugriffs zu den hier­für benö­tig­ten Infor­ma­tio­nen kon­kre­te­re Infor­ma­tio­nen geben kann[3].

Für das hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­ne Ver­fah­ren bedeu­te­te dies, dass die Beweis­an­trä­ge des Klä­gers nach die­sem Maß­stab unsub­stan­ti­iert und damit unzu­läs­sig waren:

Der Klä­ger hat weder kon­kret dar­ge­legt, ab wel­chem Zeit­punkt noch an wel­cher Bör­se eine Notie­rung der N‑AG aus­ge­setzt oder deren Bör­sen­zu­las­sung wider­ru­fen wor­den sein soll. Er war als Aktio­när der N‑AG jedoch beweis­nä­her als das Finanz­ge­richt und somit ver­pflich­tet, die­se Tat­sa­chen dar­zu­le­gen und anknüp­fend dar­an einen ziel­ge­rich­te­ten Beweis­an­trag zu for­mu­lie­ren. Die Beweis­an­trä­ge soll­ten das Finanz­ge­richt viel­mehr im Wege eines unzu­läs­si­gen „Aus­for­schungs­be­wei­ses“[4] dazu brin­gen, zu ermit­teln, ob, wann und in wel­chem Aus­maß es über­haupt zu einer Bör­sen- und Han­dels­sper­re der Akti­en der N‑AG und der Abschal­tung von für den börs­li­chen wie außer­börs­li­chen Han­del mit den Akti­en not­wen­di­gen IT-Ein­rich­tun­gen gekom­men ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Novem­ber 2020 – VIII R 20/​18

  1. BFH, Beschluss vom 29.06.2018 – VII B 189/​17, BFH/​NV 2018, 1159, Rz 4, m.w.N; BFH, Urteil vom 17.05.2017 – II R 35/​15, BFHE 258, 95, BStBl II 2017, 966, Rz 30[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 12.03.2014 – XI B 97/​13, BFH/​NV 2014, 1062; und vom 14.03.2018 – IV B 46/​17, BFH/​NV 2018, 728, Rz 14[]
  3. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2018, 728, Rz 15[]
  4. s. dazu BFH, Beschluss in BFH/​NV 2018, 728, Rz 27[]