Grundstückskauf und Bebauung – und die Doppelbelastung mit Grunderwerbsteuer und Umsatzsteuer

Leistungen Dritter, die umsatzsteuerrechtlich als eigenständige Leistungen neben dem steuerfreien Umsatz zu betrachten sind, sind nicht gemäß § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG steuerfrei. Dies gilt auch für den Fall, dass die grundstücks- oder erbbaurechtsübertragende Person und die bauwerkserrichtende Person personell verflochten sind.

In den hier vom Bundesfinanzhof entschiedenen Fall warf die Nichtzulassungsbeschwerde die abstrakte Rechtsfrage auf, ob die personelle Verflechtung zwischen der grundstücks- beziehungsweise erbbaurechtsübertragenden (natürlichen) Person und der bauwerkserrichtenden Person (hier einer GbR), dazu führt, dass eine einheitliche Leistung und damit Umsatzsteuerfreiheit gemäß § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG anzunehmen ist. Der Bundesfinanzhof sah diese Rechtsfrage als nicht klärungsbedürftig an:

Die Rechtsfrage sei nicht klärungsbedürftig, so der Bundesfinanzhof.  Sie ist nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zu verneinen. Nicht unter das Grunderwerbsteuergesetz im Sinne des § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG fallen Leistungen Dritter, die umsatzsteuerrechtlich und zivilrechtlich als eigenständige Werklieferungen, Werkleistungen oder andere Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Errichtung eines Gebäudes zu betrachten sind[1]. Das gilt auch dann, wenn sie grunderwerbsteuerrechtlich in die Bemessungsgrundlage der Grundstückslieferung einbezogen werden[2]. Dies ist mit Unionsrecht vereinbar[3] und verfassungsgemäß[4].

Die Beschwerde weist zwar zu Recht darauf hin, dass im Falle der Organschaft die Leistung der Organgesellschaft und des Organträgers zu einer einheitlichen Leistung zusammengefasst werden, die dadurch umsatzsteuerfrei ist[5]. Dies beruht jedoch auf § 2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 3 UStG, wonach Organträger und Organgesellschaft als ein Unternehmen zu behandeln sind. Umsatzsteuerrechtlich werden daher jegliche Ausgangsumsätze[6] im Verhältnis zu Dritten dem Organträger, der nach § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG unionsrechtskonform zum einzigen Steuerpflichtigen der Organschaft bestimmt ist, zugerechnet. Das bedeutet, dass umsatzsteuerrechtlich der Organträger Leistender ist, obwohl zivilrechtlich mehrere Leistende vorliegen.

Außerhalb des Bestehens einer Organschaft hingegen gilt nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs der Grundsatz, dass es Nebenleistungen Dritter nicht gibt[7]. Dies gilt auch für den Fall der personellen Verflechtung zwischen der grundstücks- oder erbbaurechtsübertragenden Person und der bauwerkserrichtenden Person.

Da das Erfordernis einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs zur Fortbildung des Rechts (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO) ein Unterfall des Zulassungsgrunds der grundsätzlichen Bedeutung ist[8], kommt eine Zulassung der Revision zur Fortbildung des Rechts aus den genannten Gründen nicht infrage.

 

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 3. Mai 2024 – XI B 73/23

  1. vgl. BFH, Urteile vom 07.02.1991 – V R 53/85, BFHE 164, 482, BStBl II 1991, 737; vom 10.09.1992 – V R 99/88, BFHE 169, 255, BStBl II 1993, 316; vom 15.10.1992 – V R 17/89, BFH/NV 1994, 198; vom 03.09.2008 – XI R 54/07, BFHE 222, 153, BStBl II 2009, 499; BFH, Beschlüsse vom 30.10.1986 – V B 44/86, BFHE 148, 80, BStBl II 1987, 145; vom 12.02.2009 – XI B 76/08, BFH/NV 2009, 974[]
  2. vgl. BFH, Urteile vom 27.09.2012 – II R 7/12, BFHE 239, 154, BStBl II 2013, 86; vom 04.12.2014 – II R 22/13, BFH/NV 2015, 521; BFH, Beschluss vom 30.06.2020 – II B 90/19, BFH/NV 2020, 1279[]
  3. vgl. EuGH, Urteil  „Kerrut“ vom 08.07.1986 – C-73/85, EU:C:1986:295; EuGH, Beschluss „Vollkommer“ vom 27.11.2008 – C-156/08, EU:C:2008:663[]
  4. vgl. BVerfG, Beschlüsse vom 11.01.1988 – 1 BvR 391/87, Umsatzsteuer-Rundschau 1988, 281; vom 27.12.1991 – 2 BvR 72/90, BStBl II 1992, 212; vom 20.08.1992 – 2 BvR 827/90, HFR 1993, 91[]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 29.10.2008 – XI R 74/07, BFHE 223, 498, BStBl II 2009, 256[]
  6. vgl. BFH, Urteile vom 22.02.2017 – XI R 13/15, BFHE 257, 160, BStBl II 2021, 782, Rz 45; vom 24.05.2023 – XI R 45/20, BFHE 281, 185, BStBl II 2023, 1082, Rz 35[]
  7. vgl. BFH, Urteile vom 26.05.2021 – V R 25/20, BFHE 274, 197, BStBl II 2022, 131, Rz 40; vom 30.06.2022 – V R 36/20, BFHE 277, 508, Rz 41; BFH, Beschluss vom 18.10.2023 – XI B 41/23 (AdV), BFH/NV 2024, 179, Rz 23[]
  8. vgl. BFH, Beschlüsse vom 25.01.2022 – XI B 60/20, BFH/NV 2022, 827, Rz 17; vom 29.03.2022 – XI B 72/21, BFH/NV 2022, 923, Rz 10[]