Die durch Realteilung beendeten GbR – und ihre Klage vor dem Finanzgericht

Eine Personen(handels)gesellschaft ist mit Abschluss der Liquidation und nach vollständiger Abwicklung des Gesamthandsvermögens handelsrechtlich vollbeendet. Dasselbe gilt, wenn das Gesellschaftsvermögen durch Realteilung auf die bisherigen Gesellschafter übergeht[1]. Gleichwohl besteht trotz der zivilrechtlichen Vollbeendigung die Klagebefugnis der GbR gegen den an sie gerichteten Umsatzsteuerbescheid fort.

Die durch Realteilung beendeten GbR – und ihre Klage vor dem Finanzgericht

Eine Klage der GbR gegen den an sie gerichteten Umsatzsteuerbescheid ist daher zulässig. Insbesondere ist sie zutreffend von der GbR erhoben worden und nicht -wie vom Niedersächsischen Finanzgericht[2] hilfsweise angenommen- als Klage ihrer (ehemaligen) Gesellschafter auszulegen.

Denn -zum einen- ist eine Personengesellschaft nach § 13a Abs. 1 Nr. 1 UStG als Unternehmerin im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 UStG[3] selbst Schuldnerin der Umsatzsteuer und damit klagebefugt. Dies gilt grundsätzlich auch dann, wenn die Personengesellschaft zivilrechtlich vollbeendet wird, da dies auf die steuerrechtliche Existenz der Gesellschaft keinen Einfluss hat; die Personengesellschaft ist steuerrechtlich so lange als materiell-rechtlich existent anzusehen, wie gegen sie noch Umsatzsteueransprüche geltend gemacht werden[4].

Etwas anderes gilt lediglich in Fällen, in denen die Steuerpflicht durch Gesamtrechtsnachfolge auf einen anderen übergeht[5]. Bei der Realteilung sind die Gesellschafter jedoch Einzelrechtsnachfolger in das Gesellschaftsvermögen der Personengesellschaft[6].

Werden aus § 14c Abs. 1 Satz 1 UStG Umsatzsteueransprüche gegen den Unternehmer als Steuerschuldner im Sinne des § 13a Abs. 1 Nr. 1 UStG geltend gemacht, besteht hierin -zum anderen- eine Verpflichtung, durch die eine Personengesellschaft zum Steuerpflichtigen im Sinne des § 33 AO wird, und damit ebenfalls ein Rechtsverhältnis zwischen der Gesellschaft und dem Finanzamt, bis zu dessen Abwicklung die Gesellschaft trotz einer zivilrechtlichen Vollbeendigung für Zwecke des Steuerrechts als existent zu behandeln ist[7].

 

Bundesfinanzhof, Urteil vom 17. August 2023 – V R 3/21

  1. BFH, Urteile vom 01.12.1992 – VIII R 57/90, BFHE 170, 320, BStBl II 1994, 607; vom 17.02.1994 – VIII R 13/94, BFHE 174, 550, BStBl II 1994, 809[]
  2. Nds. FG, Urteil vom 26.07.2019 – 5 K 71/19, EFG 2021, 1509[]
  3. BFH, Urteil vom 18.12.1980 – V R 142/73, BFHE 132, 497, BStBl II 1981, 408[]
  4. vgl. BFH, Urteile vom 25.07.2000 – VIII R 32/99, BFH/NV 2001, 178; vom 24.03.1987 – X R 28/80, BFHE 150, 293, BStBl II 1988, 316; vom 13.10.1998 – VIII R 35/95, BFH/NV 1999, 445; BFH, Beschluss vom 17.05.1994 – IV B 54/93, BFH/NV 1995, 86[]
  5. BFH, Urteile vom 19.11.1985 – VIII R 25/85, BFHE 146, 32, BStBl II 1986, 520; vom 25.07.2000 – VIII R 32/99, BFH/NV 2001, 178[]
  6. BFH, Urteil vom 17.02.1994 – VIII R 13/94, BFHE 174, 550, BStBl II 1994, 809[]
  7. vgl. BFH, Urteile vom 21.05.1971 – V R 117/67, BFHE 102, 174, BStBl II 1971, 540; vom 18.11.2008 – VIII R 40/07, BFH/NV 2009, 705; vom 01.10.1992 – IV R 60/91, BFHE 169, 294, BStBl II 1993, 82[]