Refinanzierungszinsen für die GmbH-Beteiligung als Werbungskosten

Lässt der an einer Körperschaft (wesentlich) Beteiligte dieser Geldmittel zukommen, kommt ein Abzug der hierfür entstandenen Refinanzierungszinsen als Werbungskosten bei den Einkünften nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 (Gewinnanteile) oder Nr. 7 EStG (Erträge aus Kapitalforderungen) in Betracht, ggf. auch eine anteilige Zuordnung.

Refinanzierungszinsen für die GmbH-Beteiligung als Werbungskosten

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs liegen Werbungskosten (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG) dann vor, wenn zwischen den Aufwendungen und den steuerpflichtigen Einnahmen ein Veranlassungszusammenhang besteht. Eine solche Veranlassung ist gegeben, wenn die Aufwendungen objektiv mit den steuerbaren Einnahmen zusammenhängen und subjektiv zu deren Förderung getätigt werden[1].

Der Werbungskostenabzug setzt zudem voraus, dass der Steuerpflichtige -wie grundsätzlich bei allen sieben Einkunftsarten[2]– auch in Bezug auf Kapitaleinkünfte (§ 20 EStG) mit Einkünfteerzielungsabsicht handelt[3].

Im Streitfall waren die GmbH-Beteiligungen gemäß § 17 EStG steuerverstrickt. Trotz der Zugehörigkeit der von § 17 EStG erfassten Beteiligungen zum Privatvermögen werden darauf entfallende Veräußerungs- oder Aufgabegewinne (oder -verluste) besteuert. Dies rechtfertigt es, auf eine fehlende Einkünfteerzielungsabsicht des Beteiligten hinsichtlich der Beteiligungseinkünfte (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG) nur unter den gleichen Voraussetzungen zu schließen, die auch für Gewerbetreibende maßgeblich sind. Danach ist selbst bei anhaltenden Verlustperioden eine Einkünfteerzielungsabsicht nur dann zu verneinen, wenn Beweisanzeichen dafür vorliegen, dass der Steuerpflichtige die verlustbringende Tätigkeit nur aus im Bereich seiner Lebensführung liegenden persönlichen Gründen oder Neigungen ausübt[4]. Selbst die Ertraglosigkeit einer GmbH-Beteiligung reicht für sich allein genommen zur Verneinung der Einkünfteerzielungsabsicht nicht aus[5]. Es bedarf vielmehr konkreter Anhaltspunkte dafür, dass aufgrund der individuellen Verhältnisse der Kapitalgesellschaft und/oder ihrer Gesellschafter auch langfristig mit einem Überschuss aus der Beteiligung nicht zu rechnen ist[6] oder dass rein persönliche Gesichtspunkte, wie freundschaftliche oder verwandtschaftliche Beziehungen für die Beteiligung bestimmend waren[7].

Bundesfinanzhof, Urteil vom 2. April 2014 – VIII R 26/11

  1. vgl. zuletzt BFH, Urteil vom 11.07.2013 – VI R 37/12, BFHE 242, 56, BStBl II 2013, 815; ferner BFH, Urteile vom 22.06.2006 – VI R 61/02, BFHE 213, 566, BStBl II 2006, 782; vom 19.12 2005 – VI R 65/04, BFH/NV 2006, 1075, und – VI R 63/01, BFH/NV 2006, 728, jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. Schmidt/Wacker, EStG, 33. Aufl., § 15 Rz 25[]
  3. Schmidt/Weber-Grellet, a.a.O., § 20 Rz 12[]
  4. vgl. BFH, Urteile vom 08.10.1985 – VIII R 234/84, BFHE 145, 335, BStBl II 1986, 596; vom 25.07.2000 – VIII R 35/99, BFHE 193, 264, BStBl II 2001, 698[]
  5. BFH, Urteil vom 30.03.1999 – VIII R 70/96, BFH/NV 1999, 1323[]
  6. BFH, Urteile vom 09.08.1983 – VIII R 276/82, BFHE 139, 257, BStBl II 1984, 29; in BFH/NV 1999, 1323[]
  7. BFH, Urteil vom 23.05.1985 – IV R 198/83, BFHE 144, 53, BStBl II 1985, 517; BFH, Urteile in BFHE 145, 335, BStBl II 1986, 596; in BFH/NV 1999, 1323[]