Einkünfte gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6, § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG erzielt, wer einem anderen zeitlich begrenzt unbewegliches Vermögen gegen Entgelt zum Gebrauch oder zur Nutzung überlässt. So hat der Bundesfinanzhof in ständiger Rechtsprechung[1] und in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs[2] die zeitlich begrenzte Überlassung von Grundstücken zur Hebung der darin ruhenden Bodenschätze (sog. Ausbeuteverträge) grundsätzlich als Pachtverträge beurteilt und Einnahmen daraus zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung gezählt[3].

Nur in besonderen Ausnahmefällen können danach Ausbeuteverträge als Veräußerungsvorgänge angesehen werden, wenn es sich nämlich z.B. um einen zeitlich begrenzten Abbau und die Lieferung einer festbegrenzten Menge an Bodensubstanz handelt[4]. Ein solcher Ausnahmefall ist indes nicht gegeben, wenn der Vertrag wesentliche veräußerungs-atypische Elemente enthält[5]. Entscheidend kommt es steuerrechtlich daher darauf an, ob sich der zu beurteilende Sachverhalt als Überlassung zur Frucht“gewinnung“ und damit als Nutzung (s. § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG: „z.B. … Mineralgewinnungsrecht“[6]) darstellt oder als Übertragung des überlassenen Gegenstands/Rechts und damit als (außerhalb des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG nicht steuerbarer) Veräußerungsvorgang.
Ob und inwieweit bei Substanzausbeuteverträgen eine zeitlich begrenzte, unter § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG fallende entgeltliche Nutzungsüberlassung eines Grundstücks/teils und/oder eine entgeltliche, aber nicht steuerbare Übertragung von Bodensubstanz gegeben ist, hat das Finanzgericht als Tatsacheninstanz zu beurteilen. Dabei ist maßgebend auf den wirtschaftlichen Gehalt der zugrundeliegenden Vereinbarung/en abzustellen, wie er sich nach dem Gesamtbild der gestalteten Verhältnisse des Einzelfalls unter Berücksichtigung des wirklichen Willens der Vertragsparteien ergibt[7].
Bundesfinanzhof, Urteil vom 24. Oktober 2012 – IX R 6/12
- z.B. BFH, Urteile vom 24.11.1992 – IX R 30/88, BFHE 170, 71, BStBl II 1993, 296; vom 21.07.1993 – IX R 9/89, BFHE 172, 498, BStBl II 1994, 231, m.w.N.[↩]
- z.B. BGH, Urteile vom 07.02.1973 – VIII ZR 205/71, WM 1973, 386, MDR 1973, 386: Sandausbeute; vom 10.11.1999 – XII ZR 24/97, WM 2000, 545, MDR 2000, 202: Kiesausbeute, m.w.N.[↩]
- s.a. BFH, Beschluss vom 04.12.2006 – GrS 1/05, BFHE 216, 168, BStBl II 2007, 508, unter C.II.2.c dd; Urteil vom 21.06.2012 – IV R 54/09, BFHE 238, 194, BStBl II 2012, 692, unter II.1. b[↩]
- vgl. BFH, Urteile vom 12.12.1969 – VI R 197/67, BFHE 97, 542, BStBl II 1970, 210; in BFHE 172, 498, BStBl II 1994, 231, und in BFH/NV 2003, 1175, m.w.N.[↩]
- vgl. dazu BFH, Urteile in BFHE 97, 542, BStBl II 1970, 210; vom 27.06.1978 – VIII R 12/72, BFHE 125, 528, BStBl II 1979, 38; s.a. BFH, Urteil vom 26.05.1976 – I R 74/73, BFHE 119, 485, BStBl II 1976, 721[↩]
- dazu Weber-Grellet, Finanz-Rundschau 2007, 515, 516 f.[↩]
- einhellige Auffassung; BFH, Beschlüsse vom 28.09.2010 – IX B 65/10, BFH/NV 2011, 43; vom 03.01.2006 – IX B 162/04, BFH/NV 2006, 738, m.w.N. zur BFH-Rechtsprechung[↩]




