Betriebsprüfung – und die von Dritten eingeholten Auskünfte des Betriebsprüfers

Nach § 93 Abs. 1 Satz 3 AO sollen andere Personen als die Beteiligten erst dann zur Auskunft angehalten werden, wenn die Sachverhaltsaufklärung durch die Beteiligten nicht zum Ziel führt oder keinen Erfolg verspricht.

Betriebsprüfung – und die von Dritten eingeholten Auskünfte des Betriebsprüfers

Durch die Ausgestaltung der Norm als Sollvorschrift kommt insoweit zum Ausdruck, dass die Behörde in der Regel nach ihr verfahren muss[1].

Deshalb darf sie auch nur in atypischen Fällen hiervon abweichen, wobei am Zweck der Vorschrift zu messen ist, ob ein solcher atypischer Fall vorliegt[2]. Hierdurch wird dem doppelten Zweck des § 93 Abs. 1 Satz 3 AO entsprochen, wonach zum einen vermieden werden soll, dass Nichtbeteiligte Einblick in die steuerlich relevanten Verhältnisse der Beteiligten erhalten, zum anderen dem Dritten die mit der Auskunft verbundenen Mühen erspart werden sollen[3].

Ein allgemeines gesetzliches Verwertungsverbot für Tatsachen, die unter Verletzung von Verfahrensvorschriften ermittelt wurden, besteht im Besteuerungsverfahren allerdings nicht[4].

Auch ergibt sich ein solches nicht aufgrund einer Verletzung der steuerrechtlichen Pflichten bei der Informationsgewinnung[5]. Ein Verwertungsverbot für Prüfungsfeststellungen setzt zudem nach ständiger Rechtsprechung des BFH voraus, dass die Rechtswidrigkeit der Prüfung im Wege der Anfechtung der Prüfungsanordnung festgestellt worden ist[6].

Bundesfinanzhof, Urteil vom 25. Januar 2017 – I R 70/15

  1. BFH, Urteil vom 30.03.1989 – VII R 89/88, BFHE 156, 88, BStBl II 1989, 537[]
  2. BFH, Urteile vom 24.10.1989 – VII R 1/87, BFHE 158, 502, BStBl II 1990, 198; vom 29.07.2015 – X R 4/14, BFHE 251, 112, BStBl II 2016, 135[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 251, 112, BStBl II 2016, 135[]
  4. vgl. BFH, Urteile vom 25.11.1997 – VIII R 4/94, BFHE 184, 255, BStBl II 1998, 461; vom 31.10.1990 – II R 180/87, BFHE 163, 103, BStBl II 1991, 204; BFH, Urteil vom 27.07.1983 – I R 210/79, BFHE 139, 221, BStBl II 1984, 285, m.w.N.; vgl. auch BFH, Beschluss vom 29.06.1999 – VII B 303/98, BFH/NV 1999, 1585[]
  5. BFH, Urteil vom 23.01.2002 – XI R 10, 11/01, BFHE 198, 7, BStBl II 2002, 328[]
  6. z.B. BFH, Urteil vom 21.04.1993 – X R 112/91, BFHE 171, 15, BStBl II 1993, 649, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 28.06.2007 – V B 174/05, BFH/NV 2007, 1807[]