Die Entscheidung darüber, ob die Änderung eines Gewinnfeststellungsbescheids auf einem rückwirkenden Ereignis i.S. von § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO und damit zugleich auch auf einem rückwirkenden Ereignis i.S. von § 233a Abs. 2a AO beruht, ist nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs regelmäßig im Feststellungsverfahren zu treffen.

Nach § 179 Abs. 3 AO ist eine notwendige Feststellung, die in einem Feststellungsbescheid unterblieben ist, in einem Ergänzungsbescheid nachzuholen.
Die Ansicht des erstinstanzlich mit dem Rechtsstreit befassten Niedersächsischen Finanzgerichts, dass die verfahrensrechtliche Grundlage für den Erlass eines Änderungsbescheids nicht zu den festzustellenden (anderen) Besteuerungsgrundlagen i.S. von § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a i.V.m. § 179 Abs. 3 AO gehöre, verkennt nicht nur, dass gerade die Änderungsnorm des § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO in materiell-rechtlicher Hinsicht Einfluss auf den Zinslauf nach § 233a Abs. 2a AO nimmt. Sie lässt vor allem außer Acht, dass gemäß § 239 Abs. 1 Satz 1 1. Halbsatz AO die Vorschriften über die Steuern –und mithin auch die Regelungen der §§ 155 ff. (Steuerfestsetzung) und §§ 179 ff. AO (Feststellung von Besteuerungsgrundlagen)– auf Zinsen nicht unmittelbar, sondern lediglich entsprechend anzuwenden sind (vgl. § 3 Abs. 4 i.V.m. § 1 Abs. 3 Satz 2 AO).
Hieraus hat der Bundesfinanzhof in ständiger Rechtsprechung abgeleitet, dass –in Entsprechung zu den Besteuerungsgrundlagen gemäß §§ 179 Abs. 1 Satz 1, 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO– über die Frage, ob und in welchem Umfang Steuernachforderungen auf Hinterziehungshandlungen beruhen und somit tatbestandlich den Zinsanspruch des § 235 AO auslösen, im Verfahren der einheitlichen und gesonderten Feststellung zu entscheiden ist[1]. Unterbleibt dies, ist der Gewinnfeststellungsbescheid zu ergänzen (§ 179 Abs. 3 i.V.m. § 239 Abs. 1 Satz 1 AO)[2]. Der –ggf. ergänzte– Feststellungsbescheid ist deshalb nicht nur für die Folgesteuern bindend, sondern zugleich auch Grundlagenbescheid für die Zinsfestsetzung nach § 235 AO (§§ 182 Abs. 1 Satz 1, 171 Abs. 10 i.V.m. § 239 Abs. 1 Satz 1 AO)[3].
Nichts anderes kann für den Zinslauf gemäß § 233a Abs. 2a AO gelten. Auch hier gebietet es der Zweck des Feststellungsverfahrens, die Gleichmäßigkeit der Abgabenerhebung sicherzustellen und etwaige Streitfragen in einem Verwaltungs- bzw. Gerichtsverfahren zu bündeln[4], die Entscheidung darüber, ob die Änderung eines Gewinnfeststellungsbescheids auf einem rückwirkenden Ereignis i.S. von § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO und damit zugleich auch auf einem rückwirkenden Ereignis i.S. von § 233a AO[5] beruht, gegenüber allen Feststellungsbeteiligten mit bindender Wirkung einheitlich zu treffen[6]. Unter welchen Voraussetzungen hiervon wegen geringer Bedeutung des Falls (§ 239 Abs. 1 Satz 1 AO i.V.m. § 180 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 AO) abgesehen werden kann[7], braucht mit Rücksicht auf den zwischen den Beteiligten bestehenden Streit über das Vorliegen eines rückwirkenden Ereignisses (§ 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO i.V.m. § 233a Abs. 2a AO) im anhängigen Verfahren nicht entschieden zu werden[8].
Bundesfinanzhof, Urteil vom 19. März 2009 – IV R 20/08
- BFH, Urteil vom 19. April 1989 X R 3/86, BFHE 156, 383, BStBl II 1989, 596; BFH, Beschlüsse vom 10. Dezember 2003 X B 134/02, BFH/NV 2004, 906; vom 10. Oktober 1994 I B 30/94, BFH/NV 1995, 471 –betreffend Sonderbetriebseinnahmen–; zustimmend Bublitz, Deutsches Steuerrecht –DStR– 1990, 438, 440; Schwarz, AO, § 239 Rz 3b[↩]
- vgl. BFH, Urteil vom 13. Juli 1994 XI R 21/93, BFHE 175, 13, BStBl II 1994, 885[↩]
- BFH, Urteile in BFHE 175, 13, BStBl II 1994, 885; vom 16. März 1993 – XI R 42/90, BFH/NV 1994, 75[↩]
- BFH, Urteil in BFHE 156, 383, BStBl II 1989, 596; Bublitz, DStR 1990, 438, 441[↩]
- BFH, Urteil vom 18. Mai 1999 – I R 60/98, BFHE 188, 542, BStBl II 1999, 634, 635[↩]
- gl.A. Anwendungserlass zur AO –AEAO– Nr. 74 zu § 233a AO; Heuermann in HHSp, § 233a AO Rz 38[↩]
- s. –zu § 235 AO– FG Baden-Württemberg, Beschluss vom 6. November 2000 2 K 279/99, EFG 2001, 405[↩]
- vgl. Brandis in Tipke/Kruse, a.a.O., § 180 AO Rz 50[↩]







