Urkundenfälschung bei der Umsatzsteuervoranmeldung

Urkun­den­fälschun­gen kön­nen jew­eils in Tatein­heit mit der Steuer­straftat1 ste­hen. Jedoch müssen die dem Finan­zamt über­mit­tel­ten Unter­la­gen die Merk­male von Urkun­den im Sinne von § 267 Abs. 1 StGB aufweisen.

Urkundenfälschung bei der Umsatzsteuervoranmeldung

Dabei ist es ohne Bedeu­tung, ob die ver­fälscht­en oder gefälscht­en Unter­lage möglicher­weise den Finanzbe­hör­den nicht in Papier­form, son­dern auf elek­tro­n­is­chem Weg vorgelegt wor­den sind.

Denn in der Über­tra­gung auf elek­tro­n­is­chem Weg – wie dies auch bei einem Tele­fax der Fall ist – kann ein Gebrauch­machen von der Urschrift liegen2.

Dies set­zt jedoch voraus, dass die erstell­ten oder ver­fälscht­en Schrift­stücke die Merk­male ein­er Urkunde im Sinne des § 267 Abs. 1 StGB aufweisen3.

Selb­st mit com­put­ertech­nis­chen Maß­nah­men – wie der Verän­derung einges­can­nter Doku­mente – erstell­ten Schrift­stück­en ist man­gels Bewei­seig­nung kein Urkun­den­charak­ter beizumessen, wenn sie nach außen als bloße Repro­duk­tion erscheinen4. Sie sind aber dann (unechte) Urkun­den, wenn die (verän­derten) Repro­duk­tio­nen Orig­i­nalurkun­den so ähn­lich sind, dass die Möglichkeit ein­er Ver­wech­slung nicht aus­geschlossen wer­den kann5.

Läßt sich nicht fest­stellen, ob die für die Vor­lage an das Finan­zamt ver­wen­de­ten Schrift­stücke die erforder­lichen Merk­male ein­er Urkunde im Sinne von § 267 Abs. 1 StGB aufwiesen, ist daher nicht belegt, dass der Angeklagte gegenüber den Finanzbe­hör­den von ver­fälscht­en oder unecht­en Urkun­den Gebrauch gemacht hat.

Bun­des­gericht­shof, Urteil vom 5. Sep­tem­ber 2017 — 1 StR 198/17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 11.09.2003 – 5 StR 253/03, wis­tra 2003, 429 []
  2. vgl. BGH, Urteile vom 16.06.2016 – 1 StR 20/16, wis­tra 2017, 20 mwN; und vom 11.05.1971 – 1 StR 387/70, BGHSt 24, 140 []
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 28.07.1999 – 5 StR 684/98, NStZ 1999, 620 []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 16.06.2016 – 1 StR 20/16, wis­tra 2017, 20 und Beschluss vom 09.03.2011 – 2 StR 428/10, wis­tra 2011, 307 mwN []
  5. vgl. BGH aaO []