Umsatzsteuerhinterziehung mit Strohmanngeschäften

Wer bei einem Umsatz als Leis­ten­der anzuse­hen ist, ergibt sich nach der Recht­sprechung des Bun­des­fi­nanzhofs und des Bun­des­gericht­shofs regelmäßig aus den abgeschlosse­nen zivil­rechtlichen Vere­in­barun­gen1.

Umsatzsteuerhinterziehung mit Strohmanngeschäften

Leis­ten­der ist damit in der Regel der­jenige, der die Liefer­un­gen oder son­sti­gen Leis­tun­gen im eige­nen Namen gegenüber einem anderen selb­st aus­führt oder durch einen Beauf­tragten aus­führen lässt. Ob eine Leis­tung dem Han­del­nden oder einem anderen zuzurech­nen ist, hängt deshalb grund­sät­zlich davon ab, ob der Han­del­nde gegenüber dem Leis­tungsempfänger im eige­nen Namen oder berechtigter­weise im Namen eines anderen bei Aus­führung ent­geltlich­er Leis­tun­gen aufge­treten ist2.

Dabei kann auch ein “Strohmann” Unternehmer und Leis­ten­der im Sinne des Umsatzs­teuerge­set­zes sein. Er ist nicht deswe­gen nicht selb­ständig im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 UStG, weil er im Innen­ver­hält­nis den Weisun­gen eines Auf­tragge­bers verpflichtet ist.

Ohne Bedeu­tung für die Beurteilung der Leis­tungs­beziehun­gen im Ver­hält­nis zu Drit­ten ist grund­sät­zlich, aus welchen Grün­den der “Hin­ter­mann” gegenüber dem Ver­tragspart­ner des “Strohmannes” und Leis­tungsempfänger als Leis­ten­der nicht in Erschei­n­ung treten will3.

Unbeachtlich ist ein “vorgeschobenes” Strohman­ngeschäft allerd­ings dann, wenn es nur zum Schein abgeschlossen wird, d.h. wenn bei­de Ver­tragsparteien ein­ver­ständlich oder stillschweigend davon aus­ge­hen, dass die Rechtswirkun­gen des Geschäfts ger­ade nicht zwis­chen Ihnen, son­dern zwis­chen dem Leis­tungsempfänger und dem “Hin­ter­mann” ein­treten sollen (vgl. § 41 Abs. 2 AO)4.

Der Umstand, dass die “Stro­hfir­men” im Ver­hält­nis zu den Han­del­nden wegen des kol­lu­siv­en Zusam­men­wirkens ihres Geschäfts­führers bzw. Inhab­ers mit diesen ohne han­del­styp­is­ches Ver­hal­ten nicht als Unternehmer anzuse­hen waren5, ist insoweit ohne Bedeu­tung.

Der Umstand, dass von vorne­here­in beab­sichtigt war, für die Kupfer­liefer­un­gen keine Umsatzs­teuer­vo­ran­mel­dun­gen abzugeben, son­dern die Umsatzs­teuern zu hin­terziehen, ste­ht der Annahme steuer­bar­er und steuerpflichtiger Aus­gang­sum­sätze (Liefer­un­gen) dieser Strohmann-Unternehmen nicht ent­ge­gen6.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 23. August 2017 — 1 StR 33/17

  1. vgl. BFH, Urteile vom 16.08.2001 – — V R 67/00, UR 2002, 213; und vom 26.06.2003 – — V R 22/02, DStRE 2004, 153; BGH, Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/12, BGHSt 58, 218, 233 []
  2. vgl. BFH, Urteil vom 12.05.2011 – — V R 25/10, DStRE 2011, 1326 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/12, BGHSt 58, 218, 233 mwN []
  4. BGH, Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/12, BGHSt 58, 218, 233 f. mwN []
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 08.02.2011 – 1 StR 24/10, BGHR UStG § 15 Abs. 1 Unternehmer 1; Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/12, BGHSt 58, 218, 234; jew­eils mwN []
  6. vgl. BGH, Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/12, BGHSt 58, 218, 234 f. mwN []