Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die Steu­er­be­rech­nung im Strafurteil

Nach § 267 Abs. 1 Satz 1 StPO müs­sen die Urteils­grün­de die für erwie­sen erach­te­ten Tat­sa­chen ange­ben, in denen die gesetz­li­chen Merk­ma­le der Tat gefun­den werden.

Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die Steu­er­be­rech­nung im Strafurteil

Die Straf­vor­schrift der Steu­er­hin­ter­zie­hung (§ 370 AO) wird mate­ri­ell-recht­lich durch die im Ein­zel­fall anzu­wen­den­den steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten aus­ge­füllt, aus denen sich ergibt, wel­ches steu­er­lich erheb­li­che Ver­hal­ten im Rah­men der jewei­li­gen Abga­ben­art zu einer Steu­er­ver­kür­zung führt. Hier­zu bedarf es aus­rei­chen­der tat­säch­li­cher Fest­stel­lun­gen, die eine Nach­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt ermöglichen.

Dazu gehö­ren auch die Para­me­ter, die maß­geb­li­che Grund­la­ge für die Steu­er­be­rech­nung sind (Besteue­rungs­grund­la­gen). Bei einer Ver­ur­tei­lung wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung müs­sen die Urteils­grün­de des­halb für die jewei­li­ge Steu­er­art regel­mä­ßig nicht nur die Sum­me der jeweils ver­kürz­ten Steu­ern, son­dern für jeden Steu­er­ab­schnitt geson­dert die Berech­nung der ver­kürz­ten Steu­ern im Ein­zel­nen ange­ben[1].

Dar­an fehl­te es im vor­lie­gend Fall. Das Land­ge­richt hat schon nicht schlüs­sig das tat­be­stands­mä­ßi­ge Ver­hal­ten der Ange­klag­ten im Sin­ne des § 370 Abs. 1 AO bestimmt, sodass die Min­dest­fest­stel­lun­gen für eine Ver­ur­tei­lung wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung nach § 370 Abs. 1 AO feh­len. Soweit es fest­ge­stellt hat, dass die Abga­be der Umsatz­steu­er­jah­res­er­klä­run­gen und der Umsatz­steu­er­vor­anmel­dun­gen von den Ange­klag­ten unter­las­sen wor­den sei, steht dies im Wider­spruch zu der Fest­stel­lung, dass „die in den Rech­nun­gen der Sub­un­ter­neh­mer­ebe­ne unbe­rech­tigt aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er benutzt“ wur­de, um die Umsatz­steu­er­zahl­last der von den Anklag­ten M. und S. geführ­ten Bau­un­ter­neh­men durch den Abzug von Vor­steu­ern zu mindern.

Nach den Anga­ben des Zeu­gen Fr. sind „Umsatz­steu­er­vor­anmel­dun­gen und ‑jah­res­er­klä­run­gen“ für den Tat­zeit­raum jeden­falls „unre­gel­mä­ßig“ abge­ge­ben wor­den. Hin­zu kommt, dass jed­we­de Fest­stel­lun­gen zur Höhe etwaig abzieh­ba­rer Vor­steu­er­be­trä­ge feh­len, obgleich berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Vor­steu­er­be­trä­ge vor­ge­le­gen haben, sodass die Ver­kür­zungs­be­trä­ge sei­tens des Revi­si­ons­ge­richts nicht über­prüft wer­den kön­nen und zu hoch bemes­sen sein könn­ten[2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juli 2020 – 1 StR 567/​19

  1. st. Rspr.; vgl. Beschlüs­se vom 21.05.2019 – 1 StR 159/​19 Rn. 8; und vom 07.02.2019 – 1 StR 484/​18 Rn. 5; jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.09.2018 – 1 StR 642/​17, BGHSt 63, 203 Rn. 18 ff.; Beschluss vom 24.07.2019 – 1 StR 59/​19 Rn. 7[]