Rechts­an­wen­dungs­feh­ler in Schät­zungs­fäl­len

Ein Feh­ler bei der Rechts­an­wen­dung kann nur aus­nahms­wei­se nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alter­na­ti­ve 2 FGO zur Zulas­sung der Revi­si­on füh­ren, wenn es sich um einen schwer­wie­gen­den Rechts­an­wen­dungs­feh­ler han­delt, der geeig­net ist, das Ver­trau­en in die Recht­spre­chung zu beschä­di­gen. Ein der­ar­ti­ger Feh­ler liegt nur dann vor, wenn die ange­foch­te­ne Finanz­ge­richt, Ent­schei­dung objek­tiv will­kür­lich oder zumin­dest greif­bar gesetz­wid­rig ist [1].

Rechts­an­wen­dungs­feh­ler in Schät­zungs­fäl­len

Soweit die Klä­ge­rin aus­führt, das Finanz­ge­richt habe die getrenn­te Küh­lung der Waren falsch beur­teilt, einen Lie­fer­ser­vice der Klä­ge­rin sowie wei­te­re Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen durch Bekann­te oder Ver­wand­te fälsch­li­cher­wei­se unter­stellt sowie die unzu­tref­fen­de Zuord­nung von Waren zum Betrieb der Klä­ge­rin zu Unrecht bestä­tigt, genügt die­ses Vor­brin­gen nicht, um eine objek­tiv will­kür­li­che oder greif­bar gesetz­wid­ri­ge Ent­schei­dung des Gerichts zu bele­gen. Die bean­stan­de­ten Argu­men­te haben die Begrün­dung des Finanz­amt ledig­lich ergänzt, so dass die Beweis­wür­di­gung im Ergeb­nis kei­ne so schwer­wie­gen­de Feh­ler auf­weist, dass sie unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt ver­tret­bar ist und offen­sicht­lich jedem Zweck einer Beweis­wür­di­gung zuwi­der­läuft, so dass ein all­ge­mei­nes Inter­es­se an einer kor­ri­gie­ren­den Ent­schei­dung besteht [2].

Sofern sich die Klä­ge­rin gegen die Höhe der Schät­zung wen­det, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ein zur Zulas­sung der Revi­si­on berech­ti­gen­der erheb­li­cher Rechts­feh­ler auf­grund objek­ti­ver Will­kür allen­falls in Fäl­len bejaht wer­den kann, in denen das Schät­zungs­er­geb­nis des Finanz­ge­richt wirt­schaft­lich unmög­lich und damit schlecht­hin unver­tret­bar ist. Ein Ver­stoß gegen Denk­ge­set­ze führt bei Schät­zun­gen erst zur Zulas­sung der Revi­si­on wegen will­kür­lich fal­scher Rechts­an­wen­dung, wenn sich das Ergeb­nis als offen­sicht­lich rea­li­täts­fremd dar­stellt [3]. Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall. Denn es erscheint zumin­dest nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Klä­ge­rin die­se Betriebs­ein­nah­men und Umsät­ze hät­te erzie­len kön­nen.

Die Rüge der Klä­ge­rin, das Finanz­ge­richt habe nicht den inter­nen Betriebs­ver­gleich, son­dern die Richt­satz­samm­lung sei­ner Schät­zung zugrun­de gelegt, kann eben­falls nicht zur Zulas­sung der Revi­si­on füh­ren. Der ange­ru­fe­ne Bun­des­fi­nanz­hof hat jüngst erneut den Grund­satz bestä­tigt, dass das Finanz­amt ‑und damit gemäß § 96 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 162 der Abga­ben­ord­nung auch das Finanz­ge­richt- in der Wahl sei­ner Schät­zungs­me­tho­den frei ist [4]. Es ist Sache der Tat­sa­chen­in­stanz zu ent­schei­den, wel­cher Schät­zungs­me­tho­de sie sich bedie­nen will, wenn die­se geeig­net sei, ein ver­nünf­ti­ges und der Wirk­lich­keit ent­spre­chen­des Ergeb­nis zu erzie­len [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Juli 2017 – X B 167/​16

  1. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 24.09.2013 – XI B 75/​12, BFH/​NV 2014, 164, Rz 34[]
  2. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 14.03.2012 – V B 10/​11, BFH/​NV 2012, 1315, Rz 11, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 21.01.2009 – X B 125/​08, BFH/​NV 2009, 951, unter 6.a[]
  4. BFH, Beschluss vom 07.02.2017 – X B 79/​16, BFH/​NV 2017, 774, Rz 25[]
  5. BFH, Beschluss vom 13.09.2016 – X B 146/​15, BFH/​NV 2016, 1747, Rz 16[]