Nach­zah­lungs­zin­sen – und die Ein­wen­dun­gen gegen die Zinshöhe

Ein­wen­dun­gen gegen die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der gesetz­li­chen Zins­hö­he sind vor­ran­gig im Rechts­be­helfs­ver­fah­ren gegen die Zins­fest­set­zung und nicht im Erlass­ver­fah­ren gel­tend zu machen.

Nach­zah­lungs­zin­sen – und die Ein­wen­dun­gen gegen die Zinshöhe

Ein­wen­dun­gen gegen die Höhe des Zins­sat­zes nach § 233a Abs. 1, § 238 Abs. 1 Satz 1 AO recht­fer­ti­gen kei­nen Erlass der Nach­zah­lungs­zin­sen aus Billigkeitsgründen.

Der­ar­ti­ge Ein­wen­dun­gen betref­fen die Recht­mä­ßig­keit der Zins­fest­set­zung ein­schließ­lich der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der ein­fach-recht­li­chen Grund­la­gen und sind vor­ran­gig im Rechts­be­helfs­ver­fah­ren gegen die Zins­fest­set­zung und nicht im Erlass­ver­fah­ren gel­tend zu machen [1].

Im hier ent­schie­de­nen Fall ist die Zins­fest­set­zung im Streit­fall in Bestands­kraft erwach­sen. Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, dass eine recht­lich unzu­tref­fen­de, aber bestands­kräf­ti­ge Fest­set­zung von Steu­ern oder steu­er­li­chen Neben­leis­tun­gen grund­sätz­lich nicht durch einen Bil­lig­keits­er­lass aus sach­li­chen Grün­den nach­träg­lich kor­ri­giert wer­den kann [2].

Dass vor­lie­gend der Aus­nah­me­fall einer offen­sicht­lich und ein­deu­tig unrich­ti­gen Steu­er- bzw. Zins­fest­set­zung vor­liegt und Rechts­be­hel­fe nicht oder nicht in zumut­ba­rer Wei­se ein­ge­legt wer­den konn­ten [3], war weder vor­ge­tra­gen noch für den Bun­des­fi­nanz­hof sonst ersichtlich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Dezem­ber 2019 – VIII R 25/​17

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 31.05.2017 – I R 77/​15, BFH/​NV 2017, 1409, Rz 14 f.; vom 19.05.2011 – X B 184/​10, BFH/​NV 2011, 1659; und vom 30.09.2015 – I B 62/​14, BFH/​NV 2016, 369[]
  2. z.B. BFH, Urtei­le vom 11.08.1987 – VII R 121/​84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512; vom 13.01.2005 – V R 35/​03, BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 460; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 1409[]
  3. dazu BFH, Urtei­le in BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512, und in BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 460[]