Kapi­tal­wert­ermitt­lung- und der 5,5%ige Rechnungszinssatz

Der Bun­des­fi­nanz­hof teilt die gegen die Höhe des gemäß § 13 Abs. 1 BewG für die Auf­tei­lung des Ren­ten­stamm­rechts her­an­zu­zie­hen­den Zins­sat­zes von 5,5 % vor­ge­brach­ten, auf Art. 3 Abs. 1 und Art. 14 GG gestütz­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken nicht. Er sieht daher kei­ne Ver­an­las­sung, das Ver­fah­ren gemäß § 74 FGO aus­zu­set­zen und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gemäß Art. 100 GG die Fra­ge vor­zu­le­gen, ob § 13 Abs. 1 BewG mit den genann­ten Vor­schrif­ten des GG ver­ein­bar ist.

Kapi­tal­wert­ermitt­lung- und der 5,5%ige Rechnungszinssatz

Die Klä­ger machen im vor­lie­gen­den Fall gel­tend, der für die Auf­tei­lung von Ver­äu­ße­rungs­zeit­ren­ten in einen Til­gungs- und einen Zins­an­teil gemäß § 13 Abs. 1 BewG her­an­zu­zie­hen­de Zins­satz von 5, 5 % ver­sto­ße in dem im Streit­jahr bestehen­den Nied­rig­zins­um­feld als nicht rea­li­täts­ge­rech­ter Zins­satz gegen das Leis­tungs­fä­hig­keits- und das Fol­ge­rich­tig­keits­prin­zip, wodurch sie in ihren Grund­rech­ten gemäß Art. 3 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 GG ver­letzt sei­en. Sie stüt­zen sich zur Begrün­dung auf den Beschluss des Finanz­ge­richt Ham­burg vom 31.01.2019 [1], das ‑auch für das Streit­jahr 2013- im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes zur Abzin­sung von unver­zins­li­chen betrieb­li­chen Ver­bind­lich­kei­ten gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Zins­sat­zes von 5,5 % geäu­ßert hat, da die­ser auf­grund einer anhal­ten­den Nied­rig­zins­pha­se schon im Jahr 2013 den Bezug zum lang­fris­ti­gen Markt­zins­ni­veau ver­lo­ren habe.

Aus dem Vor­brin­gen der Klä­ger ist nicht ersicht­lich, dass der gemäß § 13 Abs. 1 BewG bei der Bestim­mung des Bar­werts der Ren­ten­for­de­rung anzu­wen­den­de Zins­satz von 5, 5 % im Streit­jahr zu einem Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG füh­ren könn­te. Sie legen mit dem Hin­weis auf den Beschluss des Finanz­ge­richt Ham­burg in EFG 2019, 525 nicht dar, dass der Gesetz­ge­ber schon für das Streit­jahr gehal­ten war, die­sen Zins­satz auf­grund eines gerin­ge­ren Markt­zins­um­felds herabzusetzen.

Art. 3 Abs. 1 GG gebie­tet dem Gesetz­ge­ber, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln [2]. Dabei erge­ben sich je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz im Sin­ne eines stu­fen­lo­sen, am Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ori­en­tier­ten Prü­fungs­maß­stabs unter­schied­li­che Gren­zen für den Gesetz­ge­ber, die vom blo­ßen Will­kür­ver­bot bis zu einer stren­gen Bin­dung an Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­er­for­der­nis­se rei­chen [3].

Für das Steu­er­recht wird dem Gesetz­ge­ber ein weit­rei­chen­der Ent­schei­dungs­spiel­raum zuge­stan­den. Dies gilt für die Aus­wahl des Steu­er­ge­gen­stands und auch für die Bestim­mung des Steu­er­sat­zes [4]. Das BVerfG erkennt in stän­di­ger Recht­spre­chung auch Typi­sie­rungs- und Ver­ein­fa­chungs­er­for­der­nis­se als Recht­fer­ti­gung für eine unter­schied­li­che Behand­lung ver­gleich­ba­rer Sach­ver­hal­te an [5]. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass ins­be­son­de­re Steu­er­ge­set­ze in der Regel Mas­sen­vor­gän­ge des Wirt­schafts­le­bens betref­fen. Sie müs­sen, um prak­ti­ka­bel zu sein, Sach­ver­hal­te, an die sie die­sel­ben steu­er­recht­li­chen Fol­gen knüp­fen, typi­sie­ren und dabei in wei­tem Umfang die Beson­der­hei­ten des ein­zel­nen Fal­les ver­nach­läs­si­gen. Die wirt­schaft­lich unglei­che Wir­kung typi­sie­ren­der steu­er­recht­li­cher Rege­lun­gen auf die Steu­er­zah­ler darf ein gewis­ses Maß nicht über­stei­gen. Viel­mehr müs­sen die steu­er­li­chen Vor­tei­le der Typi­sie­rung im rech­ten Ver­hält­nis zu der hier­mit not­wen­dig ver­bun­de­nen Ungleich­heit der Belas­tung ste­hen [6]. Außer­dem darf eine gesetz­li­che Typi­sie­rung kei­nen aty­pi­schen Fall als Leit­bild wäh­len, son­dern muss sich rea­li­täts­ge­recht am typi­schen Fall ori­en­tie­ren [7].

Nach die­sen Vor­ga­ben kann eine gesetz­li­che Zins­satz­ty­pi­sie­rung, die sich von rea­li­täts­ge­rech­ten Ver­zin­sun­gen am Markt evi­dent ent­fernt (hat), den gleich­heits­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht mehr genü­gen [8].

Der in § 13 Abs. 1 BewG zur Kapi­tal­wert­ermitt­lung einer For­de­rung gere­gel­te Zins­satz weist hin­sicht­lich sei­nes Cha­rak­ters Beson­der­hei­ten gegen­über den vor­ge­nann­ten gesetz­li­chen Zins­sät­zen auf.

§ 13 Abs. 1 BewG bestimmt den Gegen­warts­wert einer Ren­ten­for­de­rung als Bar­wert auf einen bestimm­ten Stich­tag (hier: zum 01.01.2013 und zum 31.12.2013). Die Bar­wer­te der Ren­ten­for­de­run­gen erge­ben sich jah­res­be­zo­gen aus den Ver­viel­fäl­ti­gern gemäß Anla­ge 9a zum BewG, wobei nach der amt­li­chen Über­schrift zur Tabel­le der Kapi­tal­wert der Ren­ten­for­de­rung jeweils unter Berück­sich­ti­gung von Zwi­schen­zin­sen und Zin­ses­zin­sen mit 5, 5 % errech­net wor­den ist und einen Mit­tel­wert zwi­schen dem Kapi­tal­wert für eine jähr­lich vor­schüs­si­ge und jähr­lich nach­schüs­si­ge Zah­lungs­wei­se bildet.

Der in § 13 BewG für die Abgren­zung von Zins- und Til­gungs­an­tei­len fest­ge­leg­te Zins­fuß von 5, 5 % fun­giert als sog. „Nor­mal­zins­satz“ für die Bar­wert­ermitt­lung (Kapi­tal­wert­ermitt­lung) wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen zu den jewei­li­gen Bewer­tungs­stich­ta­gen. Er soll als mitt­le­rer (aus Ver­gan­gen­heits­wer­ten abge­lei­te­ter) Wert die übli­chen Schwan­kun­gen des Zins­ni­veaus am Kapi­tal­markt berück­sich­ti­gen, um zu ver­hin­dern, dass sich die dem Kapi­tal­markt imma­nen­ten Zins­schwan­kun­gen auf die Bewer­tung einer Kapi­tal­for­de­rung, die län­ge­re Zeit­span­nen umfasst, in einem nicht ver­tret­ba­ren Aus­maß aus­wir­ken [9]. Dies dient nach den vor­ste­hen­den Ent­schei­dun­gen des BFH der Prak­ti­ka­bi­li­tät des Bewer­tungs­ver­fah­rens als Mas­sen­ver­fah­ren und der Gleich­mä­ßig­keit der Besteue­rung, da die exak­te Ermitt­lung des jeweils maß­geb­li­chen übli­chen Zins­sat­zes Schwie­rig­kei­ten berei­tet und es einen ein­heit­li­chen Zins­satz für die viel­fäl­ti­gen Kapi­tal­an­la­gen nicht gibt. Folg­lich schließt § 13 Abs. 3 Satz 2 BewG den Ein­wand aus, der Bar­wert der Ren­ten­for­de­rung sei auf der Grund­la­ge eines ande­ren Zins­sat­zes als 5, 5 % zu ermitteln.

Auf die­ser Grund­la­ge führt der Hin­weis der Klä­ger auf den Beschluss des Finanz­ge­richt Ham­burg in EFG 2019, 525, das eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Zins­sat­zes von 5, 5 % bei der Abzin­sung unver­zins­li­cher Ver­bind­lich­kei­ten (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG) für das Streit­jahr im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren ange­nom­men hat, nicht zu ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­feln des Bun­des­fi­nanz­hofs an der Ver­wen­dung die­ses Zins­sat­zes in § 13 Abs. 1 BewG. Dies gilt auch für in der Recht­spre­chung sonst geäu­ßer­te ver­fas­sungs­recht­li­che Zwei­fel an ande­ren gesetz­li­chen Zinssätzen.

Mit dem Abzin­sungs­ge­bot gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG beab­sich­tig­te der Gesetz­ge­ber, steu­er­bi­lan­zi­ell abzu­bil­den, dass unver­zins­li­che Ver­bind­lich­kei­ten für den Schuld­ner bei län­ge­rer Lauf­zeit wirt­schaft­lich weni­ger belas­tend als markt­üb­lich ver­zins­te Ver­bind­lich­kei­ten sind. Es sol­len wirt­schaft­li­che Vor­tei­le abge­schöpft wer­den, die sich aus dem Emp­fang eines unver­zins­ten Dar­le­hens erge­ben, und zu einer Betriebs­ein­nah­me füh­ren [10]; anschlie­ßend ent­steht dem Schuld­ner auf­grund einer Bar­wert­erhö­hung zu spä­te­ren Bilanz­stich­ta­gen kom­pen­sa­to­risch Auf­wand in Form von Auf­zin­sungs­be­trä­gen. Dem­entspre­chend sieht der X. Bun­des­fi­nanz­hof des BFH gemes­sen am Norm­zweck des § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG für eine ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung der Zins­satz­hö­he den rele­van­ten Fremd­ka­pi­tal­markt­zins­satz als Bezugs­punkt für ein struk­tu­rell nied­ri­ges Markt­zins­ni­veau an [11].

Die ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken, die im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren im Beschluss des Finanz­ge­richt Ham­burg [12] gegen den Abzin­sungs­zins­satz des § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG für unver­zins­te Ver­bind­lich­kei­ten für das Streit­jahr erho­ben wer­den, las­sen sich vor die­sem Hin­ter­grund nicht auf die Bar­wert­be­stim­mung wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen gemäß § 13 Abs. 1 BewG beim Emp­fän­ger über­tra­gen. Zum einen die­nen bei­de Rege­lun­gen völ­lig unter­schied­li­chen Zwe­cken. Zum ande­ren stellt der Fremd­ka­pi­tal­zins­satz für lang­lau­fen­de Ver­bind­lich­kei­ten zu einem bestimm­ten Zeit­punkt ange­sichts des unter II. 3.b dd dar­ge­leg­ten Zwecks des § 13 Abs. 1 BewG kei­nen geeig­ne­ten Indi­ka­tor dar. Maß­geb­lich für die Prü­fung eines struk­tu­rell nied­ri­gen Markt­zins­um­felds in Bezug auf § 13 Abs. 1 BewG ist, wel­ches Markt­zins­ni­veau für lang­lau­fen­de wie­der­keh­ren­de Ren­ten­for­de­run­gen oder ver­gleich­ba­re For­de­run­gen mit unter­schied­li­chen Risi­ko­pro­fi­len im Streit­jahr bestan­den hat, ob das Zins­ni­veau evi­dent unter­halb von 5, 5 % lag und die­ses Zins­ni­veau struk­tu­rell ver­fes­tigt war [13]. Hier­zu haben die Klä­ger indes nichts dargelegt.

Soweit in der Recht­spre­chung im Übri­gen ver­fas­sungs­recht­li­che Zwei­fel an der Höhe gesetz­li­cher Zins­sät­ze geäu­ßert wor­den sind, las­sen sich die­se eben­falls nicht auf § 13 Abs. 1 BewG übertragen.

Maß­geb­li­cher Anknüp­fungs­punkt für die Prü­fung eines struk­tu­rell ver­fes­tig­ten Nied­rig­zins­um­felds für die Aus­set­zungs- und Nach­zah­lungs­zin­sen gemäß §§ 233a, 238 AO sind Betrach­tungs­zeit­räu­me für kurz- und mit­tel­fris­ti­ge Kapi­tal­an­la­gen von bis zu und ober­halb von fünf Jah­ren [14]. Das im Jahr 2013 für sol­che Kapi­tal­an­la­gen bestehen­de Zins­ni­veau ist für die Prü­fung eines Miss­ver­hält­nis­ses zum Markt­zins­ni­veau für eine Ren­ten­for­de­rung mit einer Lauf­zeit von 30 Jah­ren wie im Streit­fall man­gels Ver­gleich­bar­keit nicht maßgeblich.

Glei­ches gilt für den 6 %-igen Rech­nungs­zins­fuß des § 6a Abs. 3 Satz 3 EStG, den das Finanz­ge­richt Köln im Vor­la­ge­be­schluss in EFG 2018, 287 jeden­falls ab 2015 für ver­fas­sungs­wid­rig hält. Die­ser Zins­satz soll einer­seits min­des­tens der Ren­di­te ent­spre­chen, die das Unter­neh­men auf län­ge­re Sicht mit dem durch die Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen gebun­de­nen Kapi­tal erwirt­schaf­ten kann; ande­rer­seits soll der erhöh­te Zins­fuß an den durch­schnitt­li­chen Zins­satz für lang­fris­ti­ge Fremd­gel­der her­an­rei­chen [15]. Auf­grund des anders gear­te­ten Zwecks und Bewer­tungs­ge­gen­stands, der § 13 Abs. 1 BewG zugrun­de liegt, hält der Bun­des­fi­nanz­hof auch die ver­fas­sungs­recht­li­chen Über­le­gun­gen des Finanz­ge­richt Köln auf den Streit­fall nicht für übertragbar.

Da die Höhe der steu­er­pflich­ti­gen Zins­ein­künf­te der Klä­ger dem Unter­schieds­be­trag zwi­schen den Ren­ten­zah­lun­gen eines Jah­res und der gemäß § 13 Abs. 1 BewG i.V.m. Anla­ge 9a zum BewG zu bestim­men­den Bar­wert­min­de­rung zu Beginn und zum Ende die­ses Jah­res ent­spricht, han­delt es sich zudem nur um eine mit­tel­ba­re Fol­ge aus der Anwen­dung des § 13 Abs. 1 BewG. Auf­grund der im Streit­fall ver­ein­bar­ten teil­ent­gelt­li­chen Über­tra­gung des Grund­be­sit­zes gegen nied­ri­ge lang­lau­fen­de Ren­ten­zah­lun­gen erge­ben sich für die ein­zel­nen Zeit­räu­me des Ren­ten­be­zugs am Anfang der Lauf­zeit (wie hier im Streit­jahr als zwei­tem Jahr der Ren­ten­zah­lung) nied­ri­ge Bar­wert­min­de­run­gen und höhe­re Zins­an­tei­le. Nach dem klä­ge­ri­schen Vor­trag woll­ten die Klä­ger ihrem Sohn und ihrer Schwie­ger­toch­ter im Zusam­men­hang mit der Grund­stücks­über­tra­gung den Vor­teil nied­ri­ge­rer Ren­ten­zah­lun­gen mit lan­ger Lauf­zeit bewusst zuwen­den. Die sich hier­aus erge­ben­den Fol­gen für die Bestim­mung der Bar­wert­min­de­run­gen und Dif­fe­renz­be­trä­ge als Zins­ein­künf­te über die Lauf­zeit des Ren­ten­rechts sind maß­geb­lich durch die Dis­po­si­ti­on der Klä­ger veranlasst.

Auch eine Ver­let­zung des Steu­er­pflich­ti­gen in sei­nem Grund­recht aus Art. 14 GG ist nicht ersichtlich.

Die Besteue­rung der Zins­an­tei­le in den zuge­flos­se­nen Ren­ten­zah­lun­gen hat bezo­gen auf die Sub­stanz des Eigen­tums an der Ren­ten­for­de­rung der Klä­ger kei­ne erdros­seln­de Wir­kung [16], da die steu­er­pflich­ti­gen Zins­an­tei­le über die Lauf­zeit des Ren­ten­be­zugs abneh­men. Die Klä­ger sind durch­weg in der Lage, die Steu­er auf die Zins­ein­künf­te, die sich nach dem geson­der­ten Tarif des § 32d Abs. 1 EStG (25 %) oder bei erfolg­rei­cher Antrag­stel­lung auf Güns­ti­ger­prü­fung (§ 32d Abs. 6 EStG) nach dem per­sön­li­chen Steu­er­satz der Klä­ger rich­tet, aus den zuge­flos­se­nen Ren­ten­zah­lun­gen zu ent­rich­ten; im Fall des Aus­blei­bens der Ren­ten­zah­lun­gen fal­len man­gels eines Zuflus­ses gemäß § 11 EStG kei­ne steu­er­pflich­ti­gen Zins­ein­künf­te an.

Auch wer­den kei­ne fik­ti­ven (nicht tat­säch­lich erziel­ten) Zins­ein­künf­te besteu­ert, die die Sub­stanz des Eigen­tums an der Ren­ten­for­de­rung auf­grund der Steu­er­be­las­tung der Zin­sen wirt­schaft­lich aus­höh­len könn­ten. Die Klä­ger gehen einer­seits fehl in der Annah­me, dass ihre Leis­tungs­fä­hig­keit nicht erhöht sei, solan­ge die Ren­ten­zah­lun­gen den Ver­kehrs­wert des Grund­be­sit­zes nicht über­stei­gen und wenn ein Ver­äu­ße­rungs­ent­gelt gemäß § 23 EStG nicht ein­kom­men­steu­er­bar ist. Zum ande­ren ist ihre Auf­fas­sung nicht zutref­fend, dass Zin­sen stets nur im Fall einer aus­drück­li­chen Zins­ab­re­de steu­er­bar sind. Da die Klä­ger mit den Über­neh­mern als Gegen­leis­tung eine Ver­äu­ße­rungs­zeit­ren­te ver­ein­bart haben, haben sie auf­grund die­ser Gestal­tung steu­er­recht­lich betrach­tet auch der Ver­ein­nah­mung von Zins­an­tei­len in den Ren­ten­zah­lun­gen zugestimmt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Juli 2020 – VIII R 3/​17

Kapitalwertermittlung- und der 5,5%ige Rechnungszinssatz
  1. FG Ham­burg, Beschluss vom 31.01.2019 – 2‑V 112/​18, EFG 2019, 525[]
  2. BVerfG, Beschlüs­se vom 29.03.2017 – 2 BvL 6/​11, BVerfGE 145, 106, BStBl II 2017, 1082, Rz 98; vom 07.05.2013 – 2 BvR 909/​06, 2 BvR 1981/​06, 2 BvR 288/​07, BVerfGE 133, 377, Rz 73; vom 06.07.2010 – 2 BvL 13/​09, BVerfGE 126, 268, BStBl II 2011, 318, Rz 35[]
  3. BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 145, 106, BStBl II 2017, 1082, Rz 98, und in BVerfGE 133, 377, Rz 74[]
  4. BVerfG, Beschlüs­se vom 04.12.2002 – 2 BvR 400/​98, 2 BvR 1735/​00, BVerfGE 107, 27, BStBl II 2003, 534, unter C.I. 1.b; und vom 22.06.1995 – 2 BvL 37/​91, BVerfGE 93, 121, BStBl II 1995, 655, unter C.II. 1.d[]
  5. BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 126, 268, BStBl II 2011, 318; und vom 15.01.2008 – 1 BvL 2/​04, BVerfGE 120, 1, unter C.I. 2.a aa; BVerfG, Urteil vom 09.12.2008 – 2 BvL 1/​07, 2 BvL 2/​07, 2 BvL 1/​08, 2 BvL 2/​08, BVerfGE 122, 210, unter C.I. 2.[]
  6. BVerfG, Urtei­le vom 20.04.2004 – 1 BvR 905/​00, 1 BvR 1748/​99, BVerfGE 110, 274, Rz 58; vom 05.01.2014 – 1 BvF 3/​11, BVerfGE 137, 350, Rz 66; BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 133, 377, Rz 88, sowie in BVerfGE 120, 1, unter C.I. 2.a aa[]
  7. BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 133, 377, Rz 87; vom 04.07.2012 – 2 BvC 1/​11, 2 BvC 2/​11, BVerfGE 132, 39, Rz 29, und in BVerfGE 120, 1, unter C.I. 2.a aa; vgl. zudem BFH, Urteil vom 09.01.2017 – III R 10/​16, BFHE 260, 9, BStBl II 2018, 255, Rz 15[]
  8. vgl. aus der Recht­spre­chung für den 6%-igen Zins­satz für Nach­zah­lungs- und Aus­set­zungs­zin­sen gemäß §§ 233a, 238 AO: BFH, Beschlüs­se vom 25.04.2018 – IX B 21/​18, BFHE 260, 431, BStBl II 2018, 415, Rz 18 ff.; vom 03.09.2018 – VIII B 15/​18, BFH/​NV 2018, 1279; vom 04.07.2019 – VIII B 128/​18, BFH/​NV 2019, 1060: Zwei­fel an der Höhe des Zins­sat­zes für Zeit­räu­me ab 2012; Vor­la­ge­be­schluss des Finanz­ge­richt Köln vom 12.10.2017 – 10 K 977/​17, EFG 2018, 287, Rz 65 ff., für den 6 %-igen Abzin­sungs­satz bei Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen nach § 6a Abs. 3 Satz 3 EStG; BFH, Urteil vom 22.05.2019 – X R 19/​17, BFHE 265, 95, BStBl II 2019, 795, Rz 70, zur Abzin­sung unver­zins­li­cher Ver­bind­lich­kei­ten gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG ‑kei­ne Zwei­fel für das Jahr 2010-; eben­falls dazu FG Ham­burg, Beschluss in EFG 2019, 525: Zwei­fel an der Zins­satz­hö­he ab 2013[]
  9. BFH, Urtei­le vom 27.05.1992 – II R 33/​89, BFHE 168, 370, BStBl II 1992, 990, unter II. 2.a; vom 17.10.1980 – III R 52/​79, BFHE 132, 298, BStBl II 1981, 247, unter 2.b[]
  10. vgl. BFH, Urteil in BFHE 265, 95, BStBl II 2019, 795, Rz 73[]
  11. BFH, Urteil in BFHE 265, 95, BStBl II 2019, 795, Rz 78[]
  12. FG Ham­burg, EFG 2019, 525[]
  13. vgl. Hey/​Steffen, Steu­er­ge­setz­li­che Zins­ty­pi­sie­run­gen und Nied­rig­zins­um­feld, Insti­tut Finan­zen und Steu­ern e.V., ifst-Schrift 511, S. 72 f[]
  14. vgl. BFH, Urteil in BFHE 260, 9, BStBl II 2018, 255, Rz 35, 36; BFH, Beschluss in BFHE 260, 431, BStBl II 2018, 415, Rz 18, dem kei­ne ande­ren Betrach­tungs­zeit­räu­me zugrun­de lie­gen, in dem aber das Abstel­len auf Son­der­zins­sät­ze für die Giro­kon­ten­über­zie­hung und Kre­dit­kar­ten­zins­sät­ze für pri­va­te Haus­hal­te für unzu­tref­fend gehal­ten wird[]
  15. FG Köln, Vor­la­ge­be­schluss in EFG 2018, 287, Rz 63, mit Ver­weis auf BVerfG, Beschluss vom 28.11.1984 – 1 BvR 1157/​82, BVerfGE 68, 287, Rz 2[]
  16. zu die­ser Vor­aus­set­zung s. BVerfG, Urteil vom 08.04.1997 – 1 BvR 48/​94, BVerfGE 95, 267, unter C.I. 1.; BVerfG, Beschlüs­se in BVerfGE 93, 121, BStBl II 1995, 1191, unter C.II. 3.c; und vom 18.01.2006 – 2 BvR 2194/​99, BVerfGE 115, 97, unter C.II.[]