In dubio pro reo – auch vor dem Finanzgericht

Es ist höchst­rich­ter­lich geklärt, dass der Grund­satz „in dubio pro reo“ auch im Besteue­rungs­ver­fah­ren und im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gilt.

In dubio pro reo – auch vor dem Finanzgericht

Das Ver­fah­ren vor dem Finanz­ge­richt ist kein Straf­pro­zess. Es rich­tet sich nach der FGO. Dies gilt auch inso­weit, als das Finanz­ge­richt im Rah­men der Prü­fung der Fest­set­zung von Hin­ter­zie­hungs­zin­sen gemäß § 235 AO zur Ein­kom­men­steu­er zu beur­tei­len hat, ob objek­tiv und sub­jek­tiv der Tat­be­stand einer Steu­er­hin­ter­zie­hung erfüllt ist.

Zwar ist inso­weit auch im Besteue­rungs­ver­fah­ren der Grund­satz „in dubio pro reo“ zu beach­ten[1].

Die­ser Grund­satz greift aber nur ein, so lan­ge die Zwei­fel nicht zu behe­ben sind. Er unter­sagt dem Finanz­ge­richt indes nicht, auf­grund viel­fäl­ti­ger Fest­stel­lun­gen aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens zu der vol­len Über­zeu­gung zu gelan­gen (§ 96 Abs. 1 Satz 1 FGO), dass eine Steu­er­hin­ter­zie­hung zu beja­hen ist[2].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. Novem­ber 2020 – VI B 29/​20

  1. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 18.11.2013 – X B 237/​12, Rz 9; und vom 29.01.2002 – VIII B 91/​01, BFH/​NV 2002, 749, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 18.11.2013 – X B 237/​12, Rz 9[]