Die Ver­pflich­tung zur Wei­ter­ga­be der Erb­schaft – als Nachlassverbindlichkeit

Ist ein Erbe aus Grün­den, die aus­schließ­lich in sei­ner Per­son ihre Ursa­che haben, ver­pflich­tet, das Erbe an einen Drit­ten wei­ter­zu­lei­ten, stellt die­se Ver­pflich­tung kei­ne vom Erwerb abzugs­fä­hi­ge Nach­lass­ver­bind­lich­keit i.S. des § 10 Abs. 5 ErbStG dar.

Die Ver­pflich­tung zur Wei­ter­ga­be der Erb­schaft – als Nachlassverbindlichkeit

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall war ein evan­ge­li­scher Pfar­rer Allein­er­be eines Mit­glieds sei­ner Kir­chen­ge­mein­de gewor­den. Er zeig­te dem zustän­di­gen Lan­des­kir­chen­amt sei­ne Erbein­set­zung mit dem Hin­weis an, dass er das Erbe für die Kir­chen­ge­mein­de anneh­men und es die­ser voll­um­fäng­lich zur Ver­fü­gung stel­len wol­le. Das Lan­des­kir­chen­amt geneh­mig­te die Annah­me der Erb­schaft nach § 32 Abs. 3 des Kir­chen­ge­set­zes zur Rege­lung der Dienst­ver­hält­nis­se der Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer in der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land [1] auf­grund der beab­sich­tig­ten Wei­ter­lei­tung der Erb­schaft an die Kir­chen­ge­mein­de. Dar­auf­hin über­trug der Pfar­rer die ihm ange­fal­le­ne Erb­schaft auf die Kir­chen­ge­mein­de. In § 3 der nota­ri­el­len Urkun­de heißt es, die Über­tra­gung erfol­ge frei im Wege der Schen­kung. Fer­ner ver­ein­bar­ten die Ver­trags­par­tei­en, dass die Kir­chen­ge­mein­de den Pfar­rer von etwai­ger Erb­schaft­steu­er frei­stel­le. Auf­grund der vom Pfar­rer ein­ge­reich­ten Erb­schaft­steu­er­erklä­rung setz­te das Finanz­amt Erb­schaft­steu­er fest.

Die hier­ge­gen gerich­te Kla­ge blieb vor dem Finanz­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt ohne Erfolg [2]: der Pfar­rer sei Allein­er­be des Erb­las­sers gewor­den. Das Tes­ta­ment sei ein­deu­tig und einer Aus­le­gung dahin­ge­hend, dass nicht etwa der Pfar­rer, son­dern die Kir­chen­ge­mein­de Erbin gewor­den sein sol­le, nicht zugäng­lich. Fer­ner sei das Finanz­amt von der rich­ti­gen Bemes­sungs­grund­la­ge aus­ge­gan­gen. Die Wei­ter­lei­tung der Erb­schaft an die Kir­chen­ge­mein­de beru­he nicht auf einer Nach­lass­ver­bind­lich­keit i.S. des § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG, da sich aus dem Tes­ta­ment kei­ne Ver­pflich­tung zur Wei­ter­lei­tung erge­be. Auch füh­re die Her­aus­ga­be­pflicht nach § 32 Abs. 4 PfDG EKD im Fal­le eines Ver­sto­ßes gegen das Ver­bot der Annah­me von erbrecht­li­chen Begüns­ti­gun­gen zu kei­ner abzu­zie­hen­den Nach­lass­ver­bind­lich­keit. Es sei gemäß § 32 Abs. 3 PfDG EKD man­gels einer Bedin­gung für eine Geneh­mi­gung nicht sicher gewe­sen, dass der Pfar­rer einen Erb­an­fall zwin­gend an sei­nen Dienst­herrn wür­de abge­ben müs­sen. Zudem müs­se das Erlang­te nur inso­weit abge­führt wer­den, als es nicht auf ande­re Wei­se auf den Staat über­ge­gan­gen sei. Dies sei in Höhe der Erb­schaft­steu­er aber der Fall. Das PfDG EKD habe damit einen hin­rei­chen­den Aus­gleich für die­se Last vorgesehen.

Mit der Revi­si­on rügt der Pfar­rer sinn­ge­mäß die Ver­let­zung von § 76 Abs. 1 FGO wegen unter­las­se­ner Zeu­gen­ein­ver­nah­me des das Tes­ta­ment beur­kun­den­den Notars zur Fra­ge, ob der Erb­las­ser in die­sem Tes­ta­ment die Kir­chen­ge­mein­de, ver­tre­ten durch den Pfar­rer, als Erbin habe ein­set­zen wol­len. Fer­ner rügt er die Ver­let­zung von § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG. Das Finanz­ge­richt habe zu Unrecht die Wei­ter­lei­tungs­ver­pflich­tung des Erbes an die Kir­chen­ge­mein­de nicht berei­che­rungs­min­dernd als Nach­lass­ver­bind­lich­keit abge­zo­gen. Der Bun­des­fi­nanz­hof wies die Revi­si­on nun als unbe­grün­det zurück:

Das Finanz­ge­richt ist in revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se zu dem Ergeb­nis gelangt, dass der Pfar­rer Erbe nach E gewor­den ist, da er vom Erb­las­ser tes­ta­men­ta­risch zum Erben ein­ge­setzt wor­den war. Es hat die ihm oblie­gen­de Sach­auf­klä­rungs­pflicht (§ 76 Abs. 1 FGO) nicht ver­letzt, indem es den das Tes­ta­ment beur­kun­den­den Notar nicht als Zeu­gen ver­nom­men hat.

Die Aus­le­gung von Wil­lens­er­klä­run­gen wie einem Tes­ta­ment gehört zum Bereich der tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen und bin­det den Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) gemäß § 118 Abs. 2 FGO, wenn sie den Grund­sät­zen der §§ 133, 157 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs (BGB) ent­spricht und nicht gegen Denk­ge­set­ze und Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt, d.h. jeden­falls mög­lich ist [3]. Das Revi­si­ons­ge­richt prüft, ob das Finanz­ge­richt die gesetz­li­chen Aus­le­gungs­re­geln sowie die Denk­ge­set­ze und Erfah­rungs­sät­ze beach­tet und die für die Ver­trags­aus­le­gung bedeut­sa­men Begleit­um­stän­de erforscht und recht­lich zutref­fend gewür­digt hat [4].

Die Bin­dung an die vom Finanz­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen ent­fällt nach § 118 Abs. 2 Halb­satz 2 FGO, wenn in Bezug auf die­se Fest­stel­lun­gen zuläs­si­ge und begrün­de­te Revi­si­ons­rü­gen vor­ge­bracht wur­den. Eine sol­che ist die Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht [5].

Das Finanz­ge­richt hat den Sach­ver­halt von Amts wegen zu erfor­schen. Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht nach § 76 Abs. 1 FGO erfor­dert, dass das Finanz­ge­richt Tat­sa­chen und Beweis­mit­teln nach­geht, die sich ihm in Anbe­tracht der Umstän­de des Ein­zel­falls hät­ten auf­drän­gen müs­sen [6]. Indes wird der Amts­er­mitt­lungs­grund­satz durch die Mit­wir­kungs­pflich­ten der Betei­lig­ten nach § 76 Abs. 1 Satz 2 FGO begrenzt. Die Sach­auf­klä­rungs­rü­ge dient daher nicht dazu, Beweis­an­trä­ge oder Fra­gen zu erset­zen, wel­che eine fach­kun­dig ver­tre­te­ne Par­tei selbst in zumut­ba­rer Wei­se hät­te stel­len kön­nen, zu stel­len aber unter­las­sen hat [7].

Im Übri­gen übt einen Rüge­ver­zicht aus, der die Beru­fung auf eine Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht aus­schließt, wer als fach­kun­dig Ver­tre­te­ner kei­nen Beweis­an­trag auf Zeu­gen­ver­neh­mung stellt und die Unter­las­sung einer nach sei­ner Auf­fas­sung gebo­te­nen Beweis­erhe­bung von Amts wegen nicht in der münd­li­chen Ver­hand­lung rügt [8].

Nach die­sen Maß­stä­ben ist der Bun­des­fi­nanz­hof an die Wür­di­gung des Finanz­ge­richt, der Erb­las­ser habe den Pfar­rer als Erben ein­ge­setzt, gebun­den. Denn sie ent­spricht den Grund­sät­zen der §§ 133, 157 BGB und ver­stößt nicht gegen Denk­ge­set­ze und Erfah­rungs­sät­ze. Für sie spre­chen ‑wie das Finanz­ge­richt im Ein­zel­nen aus­ge­führt hat- vor allem der ein­deu­ti­ge Wort­laut der Urkun­de und die Beur­kun­dung durch einen Notar. Das Finanz­ge­richt hat zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die ein­zi­gen Hin­wei­se, dass die Kir­chen­ge­mein­de habe Erbin wer­den sol­len, in den Behaup­tun­gen des Pfar­rers bestehen.

Ein Ver­stoß gegen § 76 Abs. 1 FGO liegt nicht vor. Es ist nach der dif­fe­ren­zier­ten Aus­le­gung des Tes­ta­ments nicht ersicht­lich, war­um das Finanz­ge­richt von sich aus den Sach­ver­halt wei­ter hät­te auf­klä­ren müs­sen, obwohl der fach­kun­dig ver­tre­te­ne Pfar­rer kei­nen Beweis­an­trag gestellt hat.

Zudem hat der Pfar­rer das Rüge­recht hin­sicht­lich eines etwai­gen Ver­sto­ßes gegen die Sach­auf­klä­rungs­pflicht durch das Unter­las­sen einer recht­zei­ti­gen Rüge ver­lo­ren. Das Finanz­ge­richt hat­te zur münd­li­chen Ver­hand­lung kei­nen Zeu­gen gela­den. Für den Pfar­rer war des­halb erkenn­bar, dass das Finanz­ge­richt kei­ne Zeu­gen­ein­ver­nah­me beab­sich­tig­te. Er hat aus­weis­lich der Schrift­sät­ze und des Pro­to­kolls der münd­li­chen Ver­hand­lung im gesam­ten finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren eine sol­che auch nicht bean­tragt. Viel­mehr hat er, wie sich aus dem Sit­zungs­pro­to­koll ergibt, weder eine unter­las­se­ne Beweis­erhe­bung gerügt noch einen Beweis­an­trag gestellt, son­dern zur Sache ver­han­delt und Sach­an­trä­ge gestellt. Für einen fach­kun­dig ver­tre­te­nen Betei­lig­ten ‑wie im Streit­fall den Pfar­rer- muss­te daher ohne wei­te­res erkenn­bar sein, dass das Finanz­ge­richt die Anhö­rung eines Zeu­gen nicht für erfor­der­lich hielt. Auch fehlt es am Vor­trag des Pfar­rers, aus wel­chen ent­schuld­ba­ren Grün­den er an einer ent­spre­chen­den Rüge vor dem Finanz­ge­richt gehin­dert gewe­sen ist [9].

Der Pfar­rer ist auch nicht durch die Über­tra­gung der Erb­schaft auf die Kir­chen­ge­mein­de von der Erb­schaft­steu­er­pflicht frei geworden.

Ein Rechts­ge­schäft unter Leben­den, durch das eine ande­re Per­son, die nicht unmit­tel­bar mit dem Erb­an­fall von Todes wegen eine Ver­mö­gens­po­si­ti­on erwirbt, an die Stel­le des Erben rückt, hat grund­sätz­lich kei­ne Aus­wir­kung auf die kraft Geset­zes ein­tre­ten­de Steu­er­pflicht. Der Erbe, der sei­ne Erb­schaft ver­äu­ßert oder ver­schenkt, wird durch die rechts­ge­schäft­li­che Über­tra­gung sei­nes Erwerbs von Todes wegen nicht von der Erb­schaft­steu­er­pflicht frei. Er bleibt wei­ter­hin Schuld­ner der Erb­schaft­steu­er [10].

Der Hilfs­an­trag, mit dem der Pfar­rer die Fest­set­zung der Erb­schaft­steu­er auf 0 € begehrt, ist eben­falls unbe­grün­det. Das Finanz­amt hat der Berech­nung der Erb­schaft­steu­er nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG die zutref­fen­de Bemes­sungs­grund­la­ge zugrun­de gelegt. Die Besteue­rung rich­tet sich nach der Berei­che­rung, zu der der Erb­an­fall nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG unter Berück­sich­ti­gung des § 10 ErbStG beim Erben führt. Dabei stellt die Ver­pflich­tung zur Wei­ter­lei­tung des Nach­las­ses an die Kir­chen­ge­mein­de kei­ne nach § 10 Abs. 5 ErbStG abzugs­fä­hi­ge Ver­bind­lich­keit dar.

Als steu­er­pflich­ti­ger Erwerb gilt die Berei­che­rung des Erwer­bers, soweit sie nicht steu­er­frei ist (§ 10 Abs. 1 Satz 1 ErbStG).

Gemäß § 1922 i.V.m. § 1942 Abs. 1 BGB geht das ver­erb­ba­re Ver­mö­gen (Erb­schaft) im Wege der Gesamt­rechts­nach­fol­ge als Gan­zes auf den Erben über. Der Erbe tritt kraft Geset­zes unmit­tel­bar und von selbst umfas­send in die Rechts­po­si­ti­on des Erb­las­sers ein [11]. Maß­ge­bend für die erb­schaft­steu­er­recht­li­che Bestim­mung, wel­che Rechts­po­si­tio­nen am Stich­tag dem Erb­las­ser zuzu­ord­nen sind und auf den Erben im Wege der Gesamt­rechts­nach­fol­ge über­ge­hen, ist das Zivil­recht. Das ErbStG regelt zwar die Bewer­tung des Nach­las­ses, legt sei­nen Umfang jedoch nicht fest [12].

Von die­sem Erwerb sind als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten die in § 10 Abs. 5 ErbStG auf­ge­führ­ten Schul­den und Las­ten abzu­zie­hen, soweit sich nicht aus den Absät­zen 6 bis 9 etwas ande­res ergibt.

Die vom Erb­las­ser her­rüh­ren­den Schul­den sind nach § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzugs­fä­hig; das sind die aus Rechts­grün­den bestehen­den Erb­las­ser­schul­den. Dar­un­ter fal­len alle ver­trag­li­chen, außer­ver­trag­li­chen und gesetz­li­chen Ver­pflich­tun­gen, die in der Per­son des Erb­las­sers begrün­det wor­den und mit sei­nem Tod nicht erlo­schen sind bzw. kraft § 10 Abs. 3 ErbStG als nicht erlo­schen gel­ten [13]. Öffent­lich-recht­li­che Pflich­ten, z.B. zur Besei­ti­gung von Män­geln an geerb­ten Gebäu­den, stel­len nur dann Erb­las­ser­schul­den dar, wenn bereits eine ent­spre­chen­de rechts­ver­bind­li­che, behörd­li­che Anord­nung gegen den Erb­las­ser erlas­sen wor­den war [14].

Gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG sind fer­ner Ver­bind­lich­kei­ten aus Ver­mächt­nis­sen, Auf­la­gen und gel­tend gemach­ten Pflicht­tei­len und Erber­satz­an­sprü­chen vom Erwerb als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzugsfähig.

Eine Auf­la­ge i.S. des § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG, auf deren Vor­lie­gen sich der Pfar­rer beruft, ist gege­ben, wenn der Erb­las­ser den Erben oder einen Ver­mächt­nis­neh­mer durch Tes­ta­ment zu einer Leis­tung ver­pflich­tet, ohne einem ande­ren ein Recht auf die­se Leis­tung zuzu­wen­den (§ 1940, §§ 2192 ff. BGB). Bei der Auf­la­ge sowie den ande­ren in § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG auf­ge­zähl­ten Ver­bind­lich­kei­ten han­delt es sich um Las­ten, die den Erben als sol­chen tref­fen, um sog. Erb­fall­schul­den gemäß § 1967 Abs. 2 BGB [15]. Sie haben ihren Rechts­grund ent­we­der im Wil­len des Erb­las­sers oder unmit­tel­bar im Gesetz [16]. Ihnen ist gemein­sam, dass sie sich auf den Erb­las­ser und die Erb­schaft selbst rück­be­zie­hen las­sen, und nicht aus­schließ­lich der beson­de­ren Situa­ti­on des Erben entspringen.

Die­ses Ergeb­nis ent­spricht dem in § 10 Abs. 1 und Abs. 5 ErbStG zum Aus­druck kom­men­den Grund­satz der Besteue­rung nur im Umfang der Berei­che­rung des Erben (objek­ti­ves Net­to­prin­zip). Ver­bind­lich­kei­ten, die sei­ne Berei­che­rung min­dern, kann der Erbe danach bei der Ermitt­lung der Bemes­sungs­grund­la­ge der Erb­schaft­steu­er als mit dem Erwerb in Ver­bin­dung ste­hen­den ent­rei­chern­den Pos­ten zum Abzug brin­gen. Die Erb­schaft­steu­er wird erho­ben, weil und soweit der aus dem steu­er­pflich­ti­gen Vor­gang stam­men­de Ver­mö­gens­an­fall dem Erwer­ber einen Zuwachs an wirt­schaft­li­cher Leis­tungs­fä­hig­keit ver­mit­telt. Las­ten, die zwar mit dem Erb­fall zusam­men­hän­gen, jedoch nicht aus der Sphä­re des Erb­las­sers im wei­te­ren Sin­ne stam­men, son­dern aus­schließ­lich in der Per­son des Erben ihre Ursa­che haben, ste­hen nicht in die­sem Sin­ne mit dem Erwerb in Ver­bin­dung. Ihre Berück­sich­ti­gung ist im ErbStG nicht vor­ge­se­hen. Das in § 10 Abs. 1 Satz 1 ErbStG ver­an­ker­te Berei­che­rungs­prin­zip [17] erfor­dert es gera­de nicht, der­ar­ti­ge Las­ten des Erben bei der Ermitt­lung der Höhe der Net­t­obe­rei­che­rung einzubeziehen.

Nach § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG sind als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten fer­ner u.a. die Kos­ten, die dem Erwer­ber unmit­tel­bar im Zusam­men­hang mit der Abwick­lung, Rege­lung oder Ver­tei­lung des Nach­las­ses oder mit der Erlan­gung des Erwerbs ent­ste­hen, abzugsfähig.

Ein Abzug von Erwerbs­kos­ten als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten setzt einen unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit der Erlan­gung des Erwerbs vor­aus. Ein sol­cher liegt vor, wenn die Kos­ten ‑i.S. einer syn­al­lag­ma­ti­schen Ver­knüp­fung- dafür auf­ge­wen­det wer­den, dass der Erwer­ber sei­ne Rechts­stel­lung erlangt. Aus­rei­chend ist dabei ein Ent­ste­hen der Kos­ten nach dem Erb­fall, wenn ein enger zeit­li­cher Zusam­men­hang mit der Erlan­gung oder Siche­rung der Erben­stel­lung vor­liegt [18].

Nach die­sen Maß­stä­ben kann die Wei­ter­lei­tung des Erbes an die Kir­chen­ge­mein­de nicht als Nach­lass­ver­bind­lich­keit von der Bemes­sungs­grund­la­ge abge­zo­gen wer­den. Das Finanz­ge­richt ist zu Recht zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die Wei­ter­lei­tungs­ver­pflich­tung, die der Dienst­herr des Pfar­rers aus­ge­spro­chen hat, nicht zu einem Abzug nach § 10 Abs. 5 ErbStG führt.

§ 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG ist nicht ein­schlä­gig. Die Ver­pflich­tung, das Erbe an die Kir­chen­ge­mein­de wei­ter­zu­lei­ten, ist kei­ne Schuld, die den Erb­las­ser traf. Auch han­delt es sich nicht um eine einer sitt­li­chen Ver­pflich­tung des Erb­las­sers ent­spre­chen­de Last i.S. des vom Pfar­rer zitier­ten BFH-Urteils vom 18.11.1963 [19]. Die vom Pfar­rer auf­ge­wor­fe­ne, aber erst im zwei­ten Schritt zu beant­wor­ten­de Fra­ge, ob eine wirt­schaft­li­che Belas­tung des Erben durch die Wei­ter­lei­tungs­ver­pflich­tung vor­liegt, wel­che die Berei­che­rung i.S. des Net­to­prin­zips schmä­lert, stellt sich daher nicht.

Auch der Tat­be­stand des § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG ist nicht erfüllt.

Im Streit­fall ist die Belas­tung, die den Pfar­rer traf, kei­ne der in § 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG auf­ge­führ­ten Las­ten. Es liegt ‑anders als der Pfar­rer meint- kei­ne Auf­la­ge, auch kei­ne einer Auf­la­ge ent­spre­chen­de Ver­pflich­tung, vor. Denn die Wei­ter­lei­tungs­pflicht hat ihre Ursa­che nicht in der Per­son des Erb­las­sers. Sie hängt auch nicht mit dem ver­erb­ten Ver­mö­gen zusam­men, son­dern ist aus­schließ­lich in der Per­son des Erben, näm­lich sei­nem Dienst­ver­hält­nis, begrün­det. Folg­lich fehlt es bei der den Pfar­rer in der Wei­ter­lei­tungs­ver­pflich­tung tref­fen­den Ver­bind­lich­keit an einem Rück­be­zug auf den Erb­las­ser. Die Ver­pflich­tung ent­springt aus­schließ­lich der klä­ge­ri­schen Sphäre.

Die­ses Ergeb­nis ver­stößt nicht gegen das Net­to­prin­zip. Denn die Berei­che­rung, näm­lich die Ver­mö­gens­si­tua­ti­on, die der Erb­las­ser hin­ter­las­sen hat, ist beim Pfar­rer eingetreten.

Fer­ner greift auch § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG nicht ein. Das Erbe wur­de durch den Pfar­rer an die Kir­chen­ge­mein­de wei­ter­ge­lei­tet, um sei­ne Ver­pflich­tung aus dem Dienst­ver­hält­nis zu erfül­len, nicht um eine Erben­stel­lung zu erlan­gen oder zu sichern. Der Pfar­rer wur­de unab­hän­gig von die­sem Vor­gang Allein­er­be. Die Belas­tung aus der Wei­ter­lei­tungs­ver­pflich­tung min­dert daher nicht die Bereicherung.

Da bereits der Abzug­s­tat­be­stand des § 10 Abs. 5 ErbStG nicht gege­ben ist, kann offen­blei­ben, inwie­fern sich aus § 32 Abs. 3 PfDG EKD selbst über­haupt eine Wei­ter­lei­tungs­ver­pflich­tung mit der Fol­ge ergibt, dass die­se Ver­pflich­tung bereits im Zeit­punkt des Erb­an­falls auf den Pfar­rer fest­stand. Nach § 32 Abs. 3 Satz 1 PfDG EKD kann der Dienst­herr die Annah­me von Zuwen­dun­gen, zu denen auch erbrecht­li­che Begüns­ti­gun­gen gehö­ren, geneh­mi­gen. Aus dem Wort­laut der Norm folgt nicht, dass die Geneh­mi­gung der Erb­schafts­an­nah­me von der Wei­ter­lei­tung des Erben an einen Drit­ten abhängt. Nach § 32 Abs. 3 Satz 1 PfDG EKD han­delt es sich viel­mehr um eine Ermes­sens­ent­schei­dung des Dienstherrn.

Eben­so kann dahin­ste­hen, wel­che Pflich­ten den Pfar­rer im Fal­le einer nicht erteil­ten Geneh­mi­gung getrof­fen hätten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Juli 2019 – II R 4/​17

  1. Pfarr­dienst­ge­setz der EKD ‑PfDG EKD-[]
  2. FG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 14.12.2016 – 3 K 613/​15[]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urtei­le vom 06.10.2010 – II R 29/​09, BFH/​NV 2011, 603, Rz 38; und vom 10.08.2016 – XI R 41/​14, BFHE 255, 300, BStBl II 2017, 590, Rz 38, m.w.N.[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 17.05.2017 – II R 35/​15, BFHE 258, 95, BStBl II 2017, 966, Rz 26, m.w.N.[]
  5. vgl. BFH, Urteil vom 11.04.2012 – I R 11/​11, BFHE 237, 22, BStBl II 2013, 146, Rz 26[]
  6. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil in BFHE 258, 95, BStBl II 2017, 966, Rz 30, m.w.N.[]
  7. BFH, Beschluss vom 22.01.2013 – V B 85/​12, Rz 6 f., m.w.N.[]
  8. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 06.12.2010 – XI B 27/​10, BFH/​NV 2011, 645, Rz 8, m.w.N.; und vom 21.05.2014 – I B 97/​13, BFH/​NV 2014, 1555, Rz 3[]
  9. vgl. auch BFH, Beschlüs­se vom 22.01.2013 – V B 85/​12, Rz 6 bis 8, m.w.N.; und vom 04.12.2013 – X B 120/​13, BFH/​NV 2014, 546, Rz 10, m.w.N.[]
  10. s. auch Frank Hils in Tiedt­ke, ErbStG § 3, Rz 5[]
  11. BFH, Urtei­le vom 16.02.2011 – X R 46/​09, BFHE 232, 513, BStBl II 2011, 685, Rz 16, m.w.N.; und vom 07.12.2016 – II R 21/​14, BFHE 256, 381, BStBl II 2018, 196, Rz 9[]
  12. BFH, Urteil in BFHE 256, 381, BStBl II 2018, 196, Rz 10; BFH, Beschluss vom 23.01.1991 – II B 46/​90, BFHE 163, 233, BStBl II 1991, 310; Geck in Kapp/​Ebeling, § 3 ErbStG, Rz 3[]
  13. BFH, Urteil vom 09.11.1994 – II R 111/​91, BFH/​NV 1995, 598, unter II. 3.a, m.w.N.[]
  14. BFH, Urteil vom 26.07.2017 – II R 33/​15, BFHE 259, 119, BStBl II 2018, 203, Rz 11[]
  15. vgl. BFH, Urteil vom 20.01.2016 – II R 34/​14, BFHE 252, 389, BStBl II 2016, 482, Rz 10; fer­ner Högl in Gürsching/​Stenger, Bewer­tungs­recht, § 10 ErbStG Rz 89; Erman/​Horn, BGB, 15. Aufl., § 1967 Rz 6[]
  16. Erman/​Horn, BGB, 15. Aufl., § 1967 Rz 1[]
  17. vgl. dazu z.B. BFH, Urteil vom 01.07.2008 – II R 38/​07, BFHE 220, 531, BStBl II 2008, 876, unter II. 2.c[]
  18. BFH, Urteil vom 15.06.2016 – II R 24/​15, BFHE 254, 60, BStBl II 2017, 128, Rz 13 f.[]
  19. BFH, Urteil vom 18.11.1963 – II 166/​61, HFR 1964, 83[]