Die in einem Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen – und der Klageantrag

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung kann ein Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid i.S. des § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a der Abga­ben­ord­nung (AO) eine Viel­zahl selb­stän­di­ger und damit auch selb­stän­dig anfecht­ba­rer Fest­stel­lun­gen ent­hal­ten, die eigen­stän­dig in Bestands­kraft erwach­sen und des­halb für die in dem näm­li­chen Bescheid getrof­fe­nen und recht­lich nach­ge­la­ger­ten Fest­stel­lun­gen Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten kön­nen[1]

Die in einem Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen – und der Klageantrag

Eine Kla­ge gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid kann des­halb ver­schie­de­ne Ziel­set­zun­gen haben. Wel­che Besteue­rungs­grund­la­gen (Fest­stel­lun­gen) der Klä­ger mit sei­ner Kla­ge angreift und damit zum Streit­ge­gen­stand des finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens macht, ist durch Aus­le­gung der Kla­ge­schrift oder der dar­in aus­drück­lich in Bezug genom­me­nen Schrift­stü­cke zu ermit­teln. Bei die­ser Prü­fung ist das Revi­si­ons­ge­richt nicht an die Aus­le­gung durch die Vor­in­stanz gebun­den[2].

Bei Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­den liegt eine nach § 123 Abs. 1 Satz 1 FGO unzu­läs­si­ge Ände­rung des Streit­ge­gen­stan­des auch dann vor, wenn nach­träg­lich Fest­stel­lun­gen ange­grif­fen wer­den, die von den mit der Kla­ge ange­grif­fe­nen abwei­chen[3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Juli 2020 – IV R 3/​18

  1. z.B. BFH, Urteil vom 17.04.2019 – IV R 12/​16, BFHE 264, 306, BStBl II 2019, 745, Rz 19, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 30.11.2017 – IV R 33/​14, Rz 23, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 09.02.2011 – IV R 15/​08, BFHE 233, 290, BStBl II 2011, 764, Rz 16[]