Der Streit um die Ver­lust­ver­rech­nung – und die Kla­ge­be­fug­nis bei einem Null­be­scheid

Die Klä­ger sind in einem Fall, in dem Fra­ge der vor­ran­gi­gen Ver­rech­nung mit Alt­ver­lus­ten strei­tig ist, auch kla­ge­be­fugt (§ 40 Abs. 2 FGO), selbst wenn sich durch die begehr­te Ver­rech­nung der Alt­ver­lus­te kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zun­gen der Streit­jah­re erge­ben.

Der Streit um die Ver­lust­ver­rech­nung – und die Kla­ge­be­fug­nis bei einem Null­be­scheid

Nach der Recht­spre­chung des BFH wird mit der Rege­lung des § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG i.d.F. des JStG 2010, die gemäß § 20 Abs. 6 Satz 4 EStG auf die Ver­lus­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen ent­spre­chend anzu­wen­den ist [1], eine inhalt­li­che Bin­dung des Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheids an den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid erreicht, obwohl der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid kein Grund­la­gen­be­scheid ist.

Dar­aus folgt, dass im Fest­stel­lungs­ver­fah­ren des ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trags die Ein­künf­te nicht eigen­stän­dig zu ermit­teln bzw. zu über­prü­fen sind. Dem­entspre­chend muss der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ne Ein­wen­dun­gen gegen aus sei­ner Sicht unzu­tref­fen­de Besteue­rungs­grund­la­gen durch Ein­spruch bzw. Kla­ge gegen den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid gel­tend machen.

Wegen der inhalt­li­chen Bin­dungs­wir­kung in Bezug auf die Ver­lust­fest­stel­lung ist der Steu­er­pflich­ti­ge durch einen ent­spre­chen­den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid selbst dann beschwert, wenn es sich um einen sog. Null­be­scheid han­delt [2]. § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG i.d.F. des JStG 2010 ist auf alle Ver­lus­te anzu­wen­den, für die ‑wie vor­lie­gend für alle Streit­jah­re- nach dem 13.12.2010 eine Erklä­rung zur Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trags abge­ge­ben wur­de (§ 52 Abs. 25 Satz 5 EStG i.d.F. des JStG 2010).

Nach die­sen Maß­stä­ben sind die Klä­ger in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall durch die Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zun­gen der Streit­jah­re beschwert. Sie begeh­ren mit der vor­ran­gi­gen Ver­rech­nung der Alt­ver­lus­te i.S. des § 23 EStG a.F. mit Gewin­nen i.S. des § 20 Abs. 2 EStG im Ergeb­nis [3] den Aus­weis höhe­rer Ver­lus­te gemäß § 20 Abs. 2 EStG in den Ein­kom­men­steu­er­be­schei­den der Streit­jah­re. Die­se Ver­lus­te wären gemäß § 20 Abs. 6 Satz 4 EStG i.V.m. § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG i.d.F. des JStG 2010 im Rah­men der geson­der­ten Ver­lust­fest­stel­lun­gen zu berück­sich­ti­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Dezem­ber 2019 – VIII R 8/​16

  1. vgl. dazu BFH, Urteil vom 09.05.2017 – VIII R 40/​15, BFHE 258, 335, BStBl II 2017, 1049, Rz 19 ff.[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 258, 335, BStBl II 2017, 1049, Rz 16 f., m.w.N.[]
  3. soweit kei­ne wei­te­re Ver­rech­nung mit lau­fen­den Ein­künf­ten aus § 20 EStG in Betracht kommt[]