Der Irr­tum über die Steu­er­pflicht bei der Umsatzsteuerpflicht

Der Tat­vor­satz der Ange­klag­ten war im hier ent­schie­de­nen Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richs­hofs eben­falls rechts­feh­ler­frei festgestellt:

Der Irr­tum über die Steu­er­pflicht bei der Umsatzsteuerpflicht

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gehört zum Vor­satz der Steu­er­hin­ter­zie­hung, dass der Täter den Steu­er­an­spruch dem Grun­de und der Höhe nach kennt oder zumin­dest für mög­lich hält sowie ihn auch ver­kür­zen will bzw. die Ver­kür­zung bil­li­gend in Kauf nimmt; beding­ter Vor­satz genügt.

Nimmt der Steu­er­pflich­ti­ge irr­tüm­lich an, dass ein Steu­er­an­spruch nicht ent­stan­den ist, liegt nach die­ser Recht­spre­chung ein Tat­um­standsirr­tum vor, der den Vor­satz aus­schließt (§ 16 Abs. 1 Satz 1 StGB) [1]. Bezugs­punkt des Vor­stel­lungs­bil­des des Steu­er­pflich­ti­gen ist damit die unter­blie­be­ne voll­stän­di­ge Titu­lie­rung des Steu­er­an­spruchs und nicht etwa ein end­gül­ti­ger Steuerausfall.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Janu­ar 2020 – 1 StR 113/​19

  1. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 10.07.2019 – 1 StR 265/​18 Rn. 30; vom 24.01.2018 – 1 StR 331/​17 Rn. 14; und vom 08.09.2011 – 1 StR 38/​11, BGHR StGB § 16 Abs. 1 Umstand 5 Rn. 21 f.[]