Besteue­rung von Ein­glie­de­rungs­zu­schüs­sen

Ob trotz feh­len­der aus­drück­li­cher Dif­fe­ren­zie­rung des Gesetz­ge­bers zwi­schen Leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch an Arbeit­neh­mer und sol­chen an Arbeit­ge­ber allein schon wegen des Ver­wei­ses (in § 3 Nr. 2b EStG) auf „Leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch“ der Wil­le des Gesetz­ge­bers hin­rei­chend deut­lich zu ent­neh­men ist, die Steu­er­frei­stel­lung nur für Leis­tun­gen an Arbeit­neh­mer vor­se­hen zu wol­len, kann offen­blei­ben; selbst bei unter­stell­ter Steu­er­frei­heit der Zuschüs­se kommt eine Min­de­rung der Ein­kom­men­steu­er in Höhe der ver­ein­nahm­ten Zuschuss­zah­lun­gen nicht in Betracht, weil in die­ser Höhe der gel­tend gemach­te Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug für die Löh­ne an die mit den Zuschüs­sen geför­der­ten Mit­ar­bei­ter nach § 3c Abs. 1 EStG wegen unmit­tel­ba­ren wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hangs der Lohn­zah­lun­gen mit steu­er­frei­en Ein­nah­men zu kür­zen ist.

Besteue­rung von Ein­glie­de­rungs­zu­schüs­sen

Ver­ein­nahm­ten Ein­glie­de­rungs­zu­schüs­se sind mit­hin nicht als steu­er­freie Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts und zur Ein­glie­de­rung in Arbeit nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch i.S. des § 3 Nr. 2b EStG außer Ansatz zu las­sen.

Ob dies ‑mit dem Hes­si­schen Finanz­ge­richt [1]- schon des­halb ange­nom­men wer­den kann, weil der Vor­schrift des § 3 Nr. 2b EStG ‑trotz feh­len­der aus­drück­li­cher Dif­fe­ren­zie­rung des Gesetz­ge­bers zwi­schen Leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch an Arbeit­neh­mer und sol­chen an Arbeit­ge­ber- allein schon wegen des Ver­wei­ses auf „Leis­tun­gen […] nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch“ der Wil­le des Gesetz­ge­bers hin­rei­chend deut­lich zu ent­neh­men ist, die Steu­er­frei­stel­lung nur für Leis­tun­gen an Arbeit­neh­mer vor­se­hen zu wol­len [2], konn­te der Bun­des­fi­nanz­hof dabei offen­las­sen.

Denn selbst bei unter­stell­ter Steu­er­frei­heit der Zuschüs­se kommt eine Min­de­rung der Ein­kom­men­steu­er in den Streit­jah­ren in Höhe der ver­ein­nahm­ten Zuschuss­zah­lun­gen nicht in Betracht, weil in die­ser Höhe der gel­tend gemach­te Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug für die Löh­ne an die mit den Zuschüs­sen geför­der­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen nach § 3c Abs. 1 EStG wegen Zusam­men­hangs der Lohn­zah­lun­gen mit steu­er­frei­en Ein­nah­men zu kür­zen ist.

Nach § 3c Abs. 1 EStG dür­fen Aus­ga­ben, soweit sie mit steu­er­frei­en Ein­nah­men in unmit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen, nicht als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den.

Ein sol­cher unmit­tel­ba­rer wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang ist anzu­neh­men, wenn die Aus­ga­ben und die steu­er­frei­en Ein­nah­men durch das­sel­be Ereig­nis ver­an­lasst sind [3].

Ein unmit­tel­ba­rer wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang fehlt, sofern die steu­er­frei­en Ein­nah­men ledig­lich der blo­ßen Finan­zie­rung von Auf­wen­dun­gen die­nen [4]. Denn das Erfor­der­nis eines unmit­tel­ba­ren wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hangs für die Anwen­dung der Abzugs­be­schrän­kung in § 3c Abs. 1 EStG ist auf sol­che Auf­wen­dun­gen bezo­gen, die nach ihrer Ent­ste­hung oder Zweck­be­stim­mung mit den steu­er­frei­en Ein­nah­men in einem unlös­ba­ren Zusam­men­hang ste­hen, d.h. ohne die­se nicht ange­fal­len wären [5]. Danach setzt die Anwen­dung des § 3c Abs. 1 EStG vor­aus, dass Bezü­ge und Auf­wen­dun­gen kon­kret ein­an­der zuzu­ord­nen sind, d.h. zuein­an­der in einer erkenn­ba­ren und abgrenz­ba­ren Bezie­hung ste­hen [6].

Nach die­sen Maß­stä­ben ist von der Anwend­bar­keit des Abzugs­ver­bots nach § 3c Abs. 1 EStG im Streit­fall aus­zu­ge­hen, wenn die strei­ti­gen Zuschüs­se gemäß § 3 Nr. 2b EStG steu­er­frei wären.

Denn zwi­schen den Ein­glie­de­rungs­zu­schüs­sen einer­seits sowie den Lohn­zah­lun­gen an die Arbeit­neh­me­rin­nen ande­rer­seits besteht nicht ein ledig­lich mit­tel­ba­rer Zusam­men­hang [7], son­dern ein unmit­tel­ba­rer wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang.

Die Ein­glie­de­rungs­zu­schüs­se sind zwar nicht dazu bestimmt, dem Arbeit­ge­ber jeweils ent­ste­hen­den Auf­wand für die Ein­künf­te­er­zie­lung zu erstat­ten, wie dies etwa bei pau­scha­lier­ten Erstat­tun­gen von Rei­se­kos­ten­ver­gü­tun­gen, Umzugs­kos­ten­ver­gü­tun­gen und Tren­nungs­gel­dern aus öffent­li­chen Kas­sen i.S. des § 3 Nr. 13 EStG [8] oder bei Erstat­tun­gen von Rei­se­kos­ten, Umzugs­kos­ten oder Mehr­auf­wen­dun­gen bei dop­pel­ter Haus­halts­füh­rung vom pri­va­ten Arbeit­ge­ber i.S. des § 3 Nr. 16 EStG der Fall ist [9].

Gleich­wohl besteht zwi­schen Ein­glie­de­rungs­zu­schuss und Lohn­zah­lung ein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang, weil

  • die Arbeits­ver­wal­tung mit den Ein­glie­de­rungs­zu­schüs­sen aus arbeits­markt­po­li­ti­schen Grün­den anstrebt, einen Aus­gleich für die Min­der­leis­tun­gen der vom Arbeit­ge­ber ein­ge­stell­ten ‑beson­ders för­de­rungs­be­dürf­ti­gen- Arbeit­neh­mer zu schaf­fen [10],
  • der Ein­glie­de­rungs­zu­schuss mit­hin die ent­gelt­li­che Beschäf­ti­gung eines sol­chen (för­de­rungs­be­dürf­ti­gen) Arbeit­neh­mers als con­di­tio sine qua non vor­aus­setzt und
  • die Höhe des Zuschus­ses nach dem Bewil­li­gungs­be­scheid der Agen­tur für Arbeit vom 03.08.2007 von der Höhe der jewei­li­gen arbeits­ver­trag­lich geschul­de­ten Lohn­zah­lung abhän­gig ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 29. August 2017 – VIII R 17/​13

  1. Hess. FG, Urteil vom 13.02.2013 – 4 K 1346/​11[]
  2. vgl. z.B. v. Beckerath, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, 150. Lfg., Febru­ar 2005, EStG, § 3 Nr. 2b Rz B 2b/​41; Bergkem­per in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, Lfg. 222, Mai 2016, § 3 Nr. 2b EStG Rz 2[]
  3. BFH, Urteil vom 28.05.1998 – X R 32/​97, BFHE 186, 275, BStBl II 1998, 565[]
  4. BFH, Urtei­le vom 11.10.1989 – I R 208/​85, BFHE 158, 388, BStBl II 1990, 88; vom 18.04.2012 – X R 62/​09, BFHE 237, 434, BStBl II 2012, 721[]
  5. BFH, Urtei­le vom 26.03.2002 – VI R 26/​00, BFHE 198, 545, BStBl II 2002, 823; vom 11.02.1993 – VI R 66/​91, BFHE 170, 392, BStBl II 1993, 450, jeweils m.w.N.[]
  6. BFH, Urtei­le in BFHE 198, 545, BStBl II 2002, 823; vom 28.07.2011 – VI R 5/​10, BFHE 234, 262, BStBl II 2012, 553, unter Ver­nei­nung eines unmit­tel­ba­ren wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hangs i.S. des § 3c Abs. 1 1. Halb­satz EStG zwi­schen Berufs­aus­bil­dungs­kos­ten und spä­ter tat­säch­lich erziel­ten steu­er­frei­en Aus­lands­ein­künf­ten[]
  7. vgl. dazu BFH, Urteil vom 20.10.2004 – I R 11/​03, BFHE 207, 295, BStBl II 2005, 581, m.w.N.; HHR/​Desens, § 3c EStG Rz 38, unter Hin­weis auf die Abzieh­bar­keit von Fort­bil­dungs- und Bewer­bungs­kos­ten trotz Bezug von Arbeits­lo­sen­geld sowie die Abzieh­bar­keit von Lehr­gangs­kos­ten trotz Bezug zu einer ange­streb­ten Aus­lands­tä­tig­keit, für die steu­er­freie Aus­lands­zu­schlä­ge gezahlt wer­den; vgl. dazu BFH, Urteil vom 28.10.1994 – VI R 70/​94, BFH/​NV 1995, 505[]
  8. BFH, Urtei­le in BFHE 198, 545, BStBl II 2002, 823; vom 26.03.2002 – VI R 45/​00, BFHE 198, 554, BStBl II 2002, 827; vom 28.08.2002 – VI R 40/​02, juris; vom 15.11.2007 – VI R 91/​04, BFH/​NV 2008, 767; vom 08.10.2008 – VIII R 58/​06, BFHE 223, 139, BStBl II 2009, 405[]
  9. BFH, Urtei­le vom 24.08.1995 – IV R 27/​94, BFHE 178, 359, BStBl II 1995, 895; vom 08.07.2010 – VI R 24/​09, BFHE 230, 542, Erstat­tung der tat­säch­li­chen Über­nach­tungs­kos­ten im Aus­land durch den Arbeit­ge­ber, selbst wenn nach R 40 Abs. 2 Satz 2 der Lohn­steu­er-Richt­li­ni­en höhe­re Pau­scha­len gewährt wer­den[]
  10. vgl. LSG NRW, Beschluss vom 23.07.2007 L 1 B 18/​07 AL unter Hin­weis auf BSG, Beschluss vom 22.09.2004 – B 11 AL 33/​03 R; Kos­sens in Jahn, Sozi­al­ge­setz­buch, § 88 SGB III Rz 3; Karasch, BB 2007, 889; Bericht der Bun­des­re­gie­rung über die Wir­kun­gen der Instru­men­te zur Siche­rung von Beschäf­ti­gung und zur betrieb­li­chen Prä­ven­ti­on vom 27.06.2007, S. 18: „Ein­glie­de­rungs­zu­schüs­se an Arbeit­ge­ber […], wenn die­se Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer beschäf­ti­gen, deren Ver­mitt­lung wegen in ihrer Per­son lie­gen­der Umstän­de erschwert ist“[]