Bei­hil­fe zur Tabaksteuerhinterziehung

Die Ermitt­lung und Dar­le­gung der Besteue­rungs­grund­la­gen, die Anwen­dung steu­er­recht­li­cher Vor­schrif­ten auf den fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt und die auf den Besteue­rungs­grund­la­gen auf­bau­en­de Berech­nungs­dar­stel­lung ist Rechts­an­wen­dung, die dem Tatrich­ter obliegt.

Bei­hil­fe zur Tabaksteuerhinterziehung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te die Straf­kam­mer den Schuld­um­fang nicht rechts­feh­ler­frei bestimmt; denn die Dar­le­gung der Berech­nungs­grund­la­gen für die hin­ter­zo­ge­nen Steu­ern ent­spricht nicht den Grund­sät­zen, die die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bei sol­chen Taten verlangt:

Die Straf­kam­mer hat die Berech­nung des in Polen ent­stan­de­nen Steu­er­scha­dens bei der jewei­li­gen Haupt­tat im Urteil nicht dar­ge­stellt, son­dern nur die auf die jewei­li­ge Tat ent­fal­len­de Stück­zahl der Ziga­ret­ten, die jeweils ange­fal­le­ne pol­ni­sche Ver­brauch- und Umsatz­steu­er, den Umrech­nungs­kurs Zlo­ty PLN/​Euro genannt und auf Art. 10, 12, 99 und 99a des pol­ni­schen Ver­brauch­steu­er­ge­set­zes ver­wie­sen. Den gewich­te­ten durch­schnitt­li­chen (pol­ni­schen) Klein­ver­kaufs­preis, der für die Berech­nung des Steu­er­scha­dens not­wen­dig ist, teilt das Urteil nicht mit. Glei­ches gilt für den zur Tat­zeit gel­ten­den all­ge­mei­nen Mehr­wert­steu­er­satz in Polen (value added tax, VAT).

Unge­ach­tet des­sen, ob der Steu­er­scha­den auf­grund der mit­ge­teil­ten Daten in Ver­bin­dung mit den pol­ni­schen Rechts­quel­len (Art. 10, 12, 99 und 99a des pol­ni­schen Ver­brauch­steu­er­ge­set­zes) erre­chen­bar wäre, ent­spricht die Dar­stel­lung im Urteil jeden­falls nicht den vom Bun­des­ge­richts­hof gestell­ten Anfor­de­run­gen. Die Ermitt­lung und Dar­le­gung der Besteue­rungs­grund­la­gen, die Anwen­dung steu­er­recht­li­cher Vor­schrif­ten auf den fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt und die auf den Besteue­rungs­grund­la­gen auf­bau­en­de Berech­nungs­dar­stel­lung ist Rechts­an­wen­dung, die dem Tatrich­ter obliegt. Bei der Dar­le­gung der Höhe der hin­ter­zo­ge­nen Steu­ern sind in den Urteils­grün­den die Berech­nungs­grund­la­gen und die Berech­nun­gen im Ein­zel­nen wie­der­zu­ge­ben. Es genügt in der Regel nicht, ledig­lich die Sum­me der ver­kürz­ten Steu­ern anzu­ge­ben. Beson­der­hei­ten, die aus­nahms­wei­se eine ande­re Beur­tei­lung recht­fer­ti­gen könn­ten, sind nicht gege­ben. Für die Berech­nung aus­län­di­scher Steu­ern gel­ten kei­ne gerin­ge­ren Anforderungen.

Das Urteil muss auch zwei­fels­frei erken­nen las­sen, dass das Tat­ge­richt eine eigen­stän­di­ge Steu­er­be­rech­nung als ihm oblie­gen­de Rechts­an­wen­dung durch­ge­führt hat [1]. Es ist dabei zwar nicht gehin­dert, sich Steu­er­be­rech­nun­gen von Beam­ten der Finanz­ver­wal­tung oder Sach­ver­stän­di­gen anzu­schlie­ßen. Unzu­rei­chend ist es aller­dings, ledig­lich auf Gut­ach­ten von Sach­ver­stän­di­gen oder auf Steu­er­be­schei­de zu ver­wei­sen, und Ermitt­lungs­er­geb­nis­se oder Aus­sa­gen, die Finanz­be­am­te als Zeu­gen oder Sach­ver­stän­di­ge in der Haupt­ver­hand­lung zur Behand­lung steu­er­li­cher Fra­gen gemacht haben, ledig­lich wie­der­zu­ge­ben [2]. Die Dar­stel­lung im Urteil genügt daher nicht dem vom Bun­des­ge­richts­hof gefor­der­ten Maßstab.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2017 – 1 StR 56/​17

  1. BGH, Beschluss vom 25.03.2010 – 1 StR 52/​10, NStZ-RR 2010, 207 und Urteil vom 12.05.2009 – 1 StR 718/​08, NStZ 2009, 639, 640[]
  2. BGH, Urteil vom 12.05.2009 – 1 StR 718/​08, NStZ 2009, 639, 640; Beschlüs­se vom 13.07.2011 – 1 StR 154/​11; vom 25.03.2010 – 1 StR 52/​10, NStZ-RR 2010, 207; vom 13.12 2005 – 5 StR 427/​05, NStZ 2006, 634, 635; vom 30.01.2007 – 5 StR 517/​06, NStZ 2007, 478; und vom 25.10.2000 – 5 StR 399/​00, NStZ 2001, 200[]